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Im Stall eingesperrt bleiben derzeit die Hühner von Geflügelzüchter Michael Häsch. Die weiter geltende Stallpflicht bringt Produzenten von Freiland-Eiern in Bedrängnis.

Die Eieruhr tickt

Vogelgrippe: Bald keine Freilandeier mehr

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Dietramszell – Die Vogelgrippe hat den Freistaat fest im Griff, auf unbestimmte Zeit gilt weiterhin die Stallpflicht. Eng wird es deshalb für die Produzenten von Freiland-Eiern, denn für sie läuft eine wichtige Frist ab.

Auf dem Geflügelhof von Michael Häsch herrscht seit Wochen Ausnahmezustand. Wer in den Hühnerstall bei Dietramszell (Kreis Bad Tölz Wolfratshausen) will, muss seine Stiefel in einem Fußbad desinfizieren und Überziehschuhe sowie spezielle Stallkleidung tragen. Schulklassen, die normalerweise öfter vorbeischauen, und andere Besucher lässt Häsch sowieso nicht mehr zu seinen Tieren. Grund für die Quarantäne-Haltung ist der grassierende H5N8-Virus, die Vogelgrippe.

Ihretwegen gilt im ganzen Freistaat seit 18. November die allgemeine Stallpflicht. Das bayerische Umweltministerium hat sie angeordnet, um die Ansteckungsgefahr für Nutzgeflügel zu reduzieren. Dass zum letzten Mal ein Huhn auf dem Hof von Michael Häsch den Schnabel ins Freie stecken durfte, ist elf Wochen her. Am 12. Februar ist das Dutzend voll. Dann hat Michael Häsch ein Problem – und mit ihm alle Freilandei-Produzenten in Bayern.

Denn nach zwölf Wochen ohne Auslauf legen Hühner keine Freiland-Eier mehr. Das besagt jedenfalls die EU-Verordnung 587/2008, die die Vermarktungsnormen für Eier regelt. Darin steht, dass nur Eier mit Freiland-Prädikat verkauft werden dürfen, die Hühner gelegt haben, die auch wirklich täglich nach draußen dürfen. Bei angeordneter Aufstallung zur Seuchenbekämpfung räumt die EU den Züchtern eine Ausnahmefrist von dieser Regel ein. Die gilt zwölf Wochen, „in keinem Fall aber länger“, steht in dem Text.

Wieder deutlich mehr Vogelgrippe-Fälle

Im Klartext: Kein Ei, das ab 13. Februar in Bayern gelegt wird, darf mehr als Freiland-Ei verkauft werden – falls bis dahin die Stallpflicht noch in Kraft sein sollte, müssen die Züchter sie dann als Eier aus Bodenhaltung deklarieren. Es sieht danach aus, als würde dieser Fall eintreten. „Die Vogelgrippe-Fälle sind in den letzten Wochen in Bayern wieder wesentlich mehr geworden“, sagt Häsch, der auch stellvertretender Vorsitzender des Bayerischen Landesverbands der Geflügelzüchter ist. Immer wieder tauchen neue Fälle der Vogelgrippe auf. Erst am Donnerstag meldete der Landkreis Dachau zwei an dem Virus verendete Tiere – es ist kein Ende der Seuche abzusehen. „Erst wenn die ganze Wildvogelpopulation durchgeseucht ist, die schwachen Tiere verendet sind und die starken Antikörper gebildet haben“, befürchtet Häsch. „Die Stallpflicht gilt weiterhin auf unbestimmte Zeit“, bestätigt ein Sprecher des Bayerischen Amts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Für Michael Häsch, dessen Hühner eigentlich zwischen 8000 und 9000 Freilandeier am Tag legen, bedeutet die bald fällige Umdeklarierung finanzielle Einbußen wegen des zwei bis drei Cent niedrigen Verkaufserlöses pro Stück bei Eiern aus Bodenhaltung. Für Kunden bedeutet sie, dass Freiland-Eier – oder zumindest Eier, die als solche deklariert sind – in den bayerischen Supermärkten bald rar werden könnten – anders übrigens als Bio-Eier, für die die Zwölf-Wochen-Regelung nicht gilt.

Im Ansteckungsfall müsste der Bestand gekeult werden

Mit der andauernden Stallpflicht hadert Häsch dennoch nicht, zu groß ist die Angst vor der Seuche – im Ansteckungsfall müsste der gesamte Bestand gekeult werden. „Mich ärgert nur, dass es keine bundesweite Regelung gibt“, sagt der Geflügelzüchter. Seit Donnerstag gilt zum Beispiel im Nachbar-Bundesland Baden-Württemberg die Stallpflicht nur noch in besonders gefährdeten Landkreisen. Weil sie nach einem Tag Unterbrechung neu angeordnet wurde, beginnt damit die Zwölf-Wochen-Frist von vorn. „Die tricksen da“, findet Häsch. Er wünscht sich generell mehr Disziplin bei der Aufstallung: „Das gilt für alle, auch für Hobby-Züchter mit nur einer Handvoll Tieren.“ Unter denen seien manche nachlässig, das gefährde die großen Bestände in der Nähe.

Zudem könnte das Dilemma der Freiland-Ei-Produzenten die ganze Eier-Branche in Schwierigkeiten bringen, sagt Legehaltungsspezialist Häsch, dessen Verband bei Bodenhaltungs-Eiern ein baldiges Überangebot prophezeit: „Wir befürchten Verwerfungen auf dem Markt.“

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