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Noch dürfen Bayerns Hühner und Gänse draußen rumlaufen. Die Stallpflicht wurde nur in direkten Umkreis der Fundstelle verhängt.

Zwei infizierte Tiere am Bodensee entdeckt

Die Vogelgrippe erreicht Bayern

Lindau - Die Vogelgrippe hat Bayern erreicht. Am Bodensee wurden am Donnerstag vier tote Reiherenten, zwei Möwen und ein Schwan gefunden, die mit dem Virus infiziert waren. Im Umkreis wurde Stallpflicht angeordnet – doch Geflügelzüchter in ganz Bayern sind besorgt um die Sicherheit ihrer Tiere.

Die Angst vor der Vogelgrippe ist groß – nicht nur bei Geflügelhaltern. Die Ansteckungsgefahr ist allerdings gering – wenn Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden. Die wichtigsten Fakten im Überblick:

Wie wird das Virus übertragen?

Die Geflügelpest oder fachsprachlich Aviäre Influenza ist eine weltweit auftretende Infektion, die durch Viren übertragen wird und von der vor allem Hühner, Puten und Enten, seltener auch Wildvögel, Fasane und Perlhühner betroffen sind. Die Erkrankung wird von Tier zu Tier über den Kot und die Luft übertragen. Es ist zwar bereits ein neuartiger Impfstoff gegen die Geflügelpest entwickelt, allerdings müssen bis zur Zulassung noch weitere Tests erfolgen.

Wie viele Varianten des Virus gibt es?

Bisher sind 16 H- und neun N-Subtypen bei Wasservögeln bekannt. Sie können in allen Kombinationen vorkommen. Weitere Subtypen wurden bei Fledermäusen nachgewiesen. Das Krankheitsbild variiert je nach Virus und Wirt sehr stark. Wildlebende Wasservögel zeigen oft keine Symptome. Noch ist unklar, ob die toten Vögel in Lindau mit dem Typ H5N8 infiziert sind. Dieser Subtyp wurde erstmals in Dänemark bei toten Wildvögeln gefunden. Zuvor hatten Österreich, die Schweiz und Polen infizierte Wildvögel gemeldet. In Ungarn wurde ein zweiter Ausbruch in einer Geflügelfarm bekannt. In Deutschland waren bisher in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg Fälle gemeldet worden.

Wie verbreitet sich das Virus in Europa?

Das Virus wird durch den Vogelzug verbreitet. Auffallend häufig sind Reiherenten, aber auch Möwen und vereinzelt Große Brachvögel unter den toten Tieren. Der Vogelzug ist derzeit in vollem Gange. Insbesondere bei Nutzgeflügel, das in der Nähe von Wasservogelrastplätzen gehalten wird, ist das Ansteckungsrisiko hoch.

Wie gefährlich ist das Virus für Menschen?

Das Virus H5N1 ist besonders aggressiv. Seit 1997 sind zweimal kleine Epidemien ausgebrochen, bei denen 18 Menschen infiziert wurden, sechs starben. Die Symptome wie Fieber, Husten und Erkältung sind vergleichbar mit denen einer Grippe. Ohne Blutuntersuchung lässt sich die Infektion nicht nachweisen. Für das Virus H5N8 ist bisher kein Infektionsfall bei Menschen bekannt, berichtet Alexander Szumilas, Sprecher des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen. „Das bedeutet aber nicht, dass wir ein Infektionsrisiko grundsätzlich ausschließen können.“ Die Experten gehen davon aus, dass die Infektion beim Menschen über Kot und Blutspritzer erfolgt. Martinsgans oder anderes Geflügel können jedoch bedenkenlos verzehrt werden, wenn die üblichen Hygienemaßnahmen eingehalten werden: Rohes Fleisch muss getrennt von anderen Lebensmitteln aufbewahrt werden. Das Fleisch muss durchgegart sein.

Welche Schutzmöglichkeiten gibt es?

In einem Radius von 2,5 Kilometern um das Ufer des Bodensees hat das Landratsamt Lindau Stallpflicht erlassen. Die Beobachtung von Hausgeflügel und Wildvögeln ist verstärkt worden. Geflügelzüchter, die weiter als einen Kilometer vom Fundort entfernt wohnen, können selbst entscheiden, ob sie ihre Tiere vorerst im Stall behalten. „Ohne Auflage zur Stallpflicht bedeutet das allerdings, dass Züchter Hühnereier nicht mehr als Freilandeier verkaufen dürfen“, erklärt Bernd Adleff, Vorsitzender des Landesverbands der bayerischen Geflügelwirtschaft. Er rät Züchtern, die auch Jäger sind, keine Enten zu schießen und mit in den Betrieb zu nehmen. „Außerdem sollten sie darauf achten, die Schuhe zu wechseln, wenn sie in den Stall gehen.“ Getestet werden müssen die Zuchttiere allerdings nicht, erklärt er. „Wenn sie sich infiziert hätten, würden sie binnen kurzer Zeit sterben.“

Wie beunruhigt sind die Geflügelhalter?

„Die Angst ist immer da“, sagt Adleff. Er hat einen Rundbrief an alle Betriebe verschickt. „Wir sollten jetzt keine Ängste schüren – aber sensibilisieren.“ 2007 waren wegen der Vogelgrippe in Bayern Zehntausende Enten in Zuchtbetrieben getötet worden. „Damals ist aus der Angst Aktionismus geworden“, sagt Adleff. „Daraus müssen wir lernen – und diesmal besonnener reagieren.“

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