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Stall-Arrest: Michael Häsch hält 16 000 Hühner. Mehr als die Hälfte von ihnen sind Freiland-Tiere. Seit Stallpflicht verhängt wurde, dürfen sie nicht mehr nach draußen. Eine schwierige Situation für die Tiere – und die Halter. 

Seit drei Wochen eingesperrt

Vogelgrippe: Tiere leiden unter der Stallpflicht

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Dietramszell – Seit gut drei Wochen gilt in ganz Bayern zum Schutz vor der Vogelgrippe die Stallpflicht für Geflügel. Die meisten Betriebe haben sich schnell damit arrangiert. Probleme bekommt aber mancher Hobby-Halter – und die Gänse-Profis.

Es ist immer noch da, dieses mulmige Gefühl, wenn Michael Häsch morgens in den Stall geht und nach seinen Hühnern schaut. Ob nicht doch eines Tages ein totes Tier dort liegt, dahingerafft von diesem vermaledeiten H5N8-Virus. Häsch verfolgt die Meldungen zur Vogelgrippe ganz genau – bislang gab es in der Nähe seines Betriebes keine Funde. Und das soll bitte auch so bleiben.

„Im Moment beruhigt es sich“, sagt Häsch, der auf dem Bertenbauernhof in Dietramszell (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) 16 000 Hühner hält. 10 000 davon eigentlich in Freilandhaltung, doch seit Mitte November müssen sie im Stall bleiben. Denn seit drei Wochen gilt die bayernweite Stallpflicht zum Schutz vor der Vogelgrippe. In 21 bayerischen Landkreisen und den Städten Nürnberg, Ingolstadt und München wurden bereits Vogelgrippe-Fälle bestätigt. „Es ist schon sinnvoll, dass die Tiere noch drinbleiben“, sagt Häsch, der als stellvertretender Vorstand beim bayerischen Geflügelverband tätig ist. Lieber kein Risiko eingehen. „Wir gehen davon aus, dass bis Weihnachten das Gröbste überstanden ist.“ Dann ist der Vogelzug vorbei. Eine verlässliche Prognose, wie lang die Stallpflicht noch dauern wird, gibt es aktuell aber nicht.

Probleme im Arbeitsalltag bereitet Häsch die Stallpflicht aber kaum. Der Eimer mit Desinfektionsmittel und die Überziehschuhe sind schon Gewohnheit geworden. „Man muss seine Tiere eben noch genauer beobachten.“ Zwei bis dreimal am Tag sieht er im Stall nach dem Rechten. „Mit etwas Erfahrung hört man schon von außen, ob etwas nicht stimmt.“

Unruhig werden die Tiere zum Beispiel, wenn bei der Fütterung etwas verkehrt läuft. „In den vergangenen Wochen haben mich vor allem Hobby-Halter immer wieder angerufen und um Rat gefragt.“ Wenn die Hühner etwa zu wenig Eiweiß aufnehmen, das sie sich vor der Stallpflicht im Freien gesucht haben, mache sich das bemerkbar. Das könne zu Unruhe oder sogar zu gegenseitigem Federpicken führen. Manche hochgezüchteten Geflügelrassen sind bei der Ernährung besonders heikel. „Das ist wie bei einem Hochleistungssportler – den kann man auch nicht mit normalem Büroessen füttern“, erklärt Häsch. Mit dem richtigen Futter für die Hühner können die Halter aber gegensteuern. Auch Heunetze zur Beschäftigung helfen.

Schwieriger ist es da für die Gänsehalter. „Gänse sind eigentlich reine Freilandtiere. Ihnen tut es nicht gut, wenn man sie in einen Stall sperren muss“, sagt Andreas Lugeder vom Geflügelhof Lugeder in Pleiskirchen im Landkreis Altötting. „Die haben ein paar Tage nichts gefressen, bis sie sich daran gewöhnt haben“, berichtet er. Rund 90 Prozent der Tiere hat Lugeder in dem Stall untergebracht. „Eigentlich zu viele in meinen Augen.“ Aber er wollte nicht noch mehr Tiere schlachten. Er fürchtet, dass mancher Gastronom zu Weihnachten auf Tiefkühlgänse zurückgreifen muss. „Es gibt zu wenig Frischgänse.“ Die Stallpflicht hat ihn mitten in der Hauptbetriebszeit erwischt. Dass die Sicherheitsmaßnahme nach Weihnachten womöglich wieder aufgehoben werden könnte, hilft ihm nicht viel. „Da sind unsere Tiere schon geschlachtet.“ Dazu kommt die Aufklärungsarbeit, die er bei seinen Kunden leisten muss. „Wir haben uns das Mundwerk fransig geredet.“ Viele sind besorgt – obwohl der Verzehr von Geflügel absolut unbedenklich ist, wie Experten betonen.

Sowohl Andreas Lugeder als auch Michael Häsch befürchten, dass sich die Vogelgrippe in den nächsten Jahren wieder einschleichen könnte. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass uns das in der Vogelflugzeit immer wieder treffen kann“, sagt Häsch. „Wir werden damit Leben müssen“, glaubt auch Lugeder. Das mulmige Gefühl wird bleiben – auch dann, wenn die Stallpflicht wieder aufgehoben ist.

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