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Flüchtlinge lernen die deutsche Sprache.

Integrationskurse für Zuwanderer

Volkshochschulen warnen: Wir sind am Limit

München - Der Bedarf an Integrationskursen steigt. Doch der bundesweit größte Träger, die Volkshochschulen, können die Zahlen bald nicht mehr stemmen. Der Bayerische Volkshochschulverband fordert ein Sofortprogramm.

140.000 Flüchtlinge haben Ende 2015 Deutschkurse an den bayerischen Volkshochschulen (VHS) besucht. Eine hohe Zahl, die in den kommenden Monaten noch weiter steigen dürfte. Und die die Volkshochschulen, der bundesweit größte Träger von Integrationskursen für Zuwanderer, bald nicht mehr stemmen können. „Wir sind bald nicht mehr in der Lage, die jetzt schon in Bayern befindlichen Flüchtlinge mit Förderprogrammen begleiten zu können“, sagt Wilhelm Lang, Direktor des Bayerischen Volkshochschulverbands. Es fehlen Kursleiter, aber auch Personal in der Verwaltung. „Momentan dauert es fünfmal so lange, einen Kursleiter und einen Raum zu finden wie regulär“, sagt Lang. Mitarbeiter würden Überstunden machen und doppelt bis dreimal so viel arbeiten.

Die Volkshochschulen rufen nach Hilfe. Sie wenden sich dabei an das Staats- und an das Kultusministerium. Konkret fordert der Verband ein Sonderprogramm. An rund 100 der 200 Volkshochschulen in Bayern soll eine Stelle geschaffen werden, die sich ausschließlich mit dem Bereich Integration beschäftigt. Wenn es nach Lang geht, wird die Stelle erst einmal auf zwei Jahre befristet.

„Wir hoffen auf baldige Antwort“, sagt der Direktor. „Wir können nicht ewig warten.“ Wie ein möglicher Plan B aussehen könnte, wenn die Unterstützung ausbleibt, darüber möchte er nicht spekulieren. Seiner Meinung nach fehlt es in der Politik generell nicht an Engagement, was die Flüchtlingshilfe betreffe, aber für die Bildung von erwachsenen Flüchtlingen gibt der Staat zu wenig Geld aus. Deshalb können die Volkshochschulen momentan nicht alle vorhandenen Integrationsprogramme abdecken. Dazu gehören Erstorientierungs- und Alphabetisierungskurse sowie das „ESF-BAMF-Förderprogramm“, dessen Kurse Deutschunterricht, berufliche Qualifizierung und die Möglichkeit, einen Beruf durch ein Praktikum näher kennenzulernen verbinden. Es wird vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) angeboten und gefördert.

Um den Mangel an Fachpersonal zu beheben, wendet sich der Verband nun an angehende Lehrer, die demnächst ihr Referendariat abschließen. Am heutigen Montag geht laut Lang ein Brief an die bayerischen Seminarschulen raus. Auch VHS-Lehrkräfte, die Fremdsprachen unterrichten, könnten eine Fortbildung für Deutschkurse absolvieren, falls sie dazu bereit sind.

Ein Punkt ist Wilhelm Lang dabei besonders wichtig: „Reguläre Kurse dürfen nicht leiden!“ Denn die Volkshochschulen haben einen Bildungsauftrag für die Gesamtbevölkerung. Die Teilnehmergebühren der über zwei Millionen Menschen in Bayern, die jährlich einen Kurs an einer Volkshochschule besuchen, machen die Hälfte der Finanzierung aus. Ein weiteres Drittel kommt von Kommunen und dem Freistaat, der Rest über Drittmittel aus unterschiedlichen Quellen. Reguläre Kurse zu reduzieren, damit mehr Lehrkräfte Kapazitäten haben, um mit Flüchtlingen zu arbeiten, wäre für die Volkshochschulen auch in finanzieller Hinsicht fatal.

Teresa Pancritius

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