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Einsatz in der Dunkelheit: Die Feuerwehr konnte die beiden Männern nur noch tot bergen.

Zwei Menschen sterben bei Unfalldrama

Volksmusik-Star findet Vater tot in Biogasanlage

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Kollnburg - In einer Biogasanlage in Kollnburg (Kreis Regen) sind zwei Menschen umgekommen, darunter der Vater des Volksmusikers Andreas Hastreiter, 21. Er fand den 52-Jährigen am Sonntag leblos auf. Brisant: Die Gemeinde hatte wohl schon länger Ärger mit der Anlage.

Sie war ein Vorzeigeprojekt und sollte einen ganzen Ort mit Wärme und Strom versorgen. Doch nun macht die Biogasanlage im Dorf Hilb, das zur niederbayerischen Gemeinde Kollnburg gehört, traurige Schlagzeilen: Am Sonntagabend sind hier zwei Männer ums Leben gekommen: ein Kroate, 29, und sein Chef, ein 52-jähriger Landwirt, auf dessen Anwesen die Biogasanlage steht. Letzterer ist der Vater des jungen Volksmusikers Andreas Hastreiter. Wie unsere Zeitung erfuhr, fand er die beiden Opfer gegen 22 Uhr in einem Schacht der Anlage.

Die ganze Sache stellt die Polizei vor ein Rätsel. Offenbar waren die beiden Männer mit Arbeiten an der Anlage beschäftigt. Eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Niederbayern hält es für möglich, dass dabei „gewisse giftige Gase ausgetreten sind“. Aber das sei im Moment bloße Spekulation – die Kriminalpolizei Deggendorf ermittelt.

"Das kam uns seltsam vor"

Der Vater (r.) und sein Sohn in der Sendung „Blickpunkt Sport“ mit Moderator Tom Meiler (Mitte).

Dass der tragische Vorfall noch am Sonntag auffiel, ist aufmerksamen Nachbarn der Familie Hastreiter zu verdanken. Sie bemerkten, dass der Traktor des Landwirts bis in den späten Abend vor der Biogasanlage stand – mit laufendem Motor. „Das kam uns seltsam vor“, sagt Christian Möhrlein, 46, der mit seiner Frau 100 Meter entfernt von der Anlage wohnt. Zur Sicherheit riefen sie schließlich bei den Nachbarn an. Nachdem Sohn Andreas die beiden Toten entdeckt hatte, barg die Feuerwehr die Leichen aus dem engen Schacht.

Offenbar machte die Anlage schon seit einiger Zeit Ärger. Obwohl sie 2013 eingeweiht wurde, liefert sie bis heute weder Wärme noch Strom. Gemeinsam mit anderen Anwohnern hatte Möhrlein mehrfach versucht, mit dem Betreiber – einem Unternehmer aus dem Markt Bodenmais (Kreis Regen) – Kontakt aufzunehmen. „Aber wir sind immer vertröstet worden.“ Auch für unsere Zeitung war der Betreiber gestern nicht erreichbar.

Gestank durch defekte Dichtung

Vergangene Woche wurden die Probleme dann akut. Möhrlein berichtet von einem schier unerträglichen Gestank, der sich im Ort breit gemacht habe. Drei Tage lang ging das so. „Sobald man den Fuß vor die Tür setzte, bekam man Brechreiz“, sagt er. Kollnburgs Bürgermeisterin Josefa Schmid (FDP) bestätigte das gestern. „Ich war darüber informiert, dass mit der Anlage etwas nicht stimmte.“ Die Gemeinde könne aber nur bei akuter Gefahr selbst handeln. Deshalb wandten sich Schmid und die Anwohner ans Landratsamt Regen.

Hier weiß man von den Beschwerden. Laut Sprecher Heiko Langer entstand der Gestank durch eine defekte Dichtung. Sie wurde offenbar vom Betreiber ausgetauscht. Langer glaubt, die Gerüche und der tragische Vorfall vom Sonntag seien „unabhängig voneinander zu sehen“.

Die Familie des toten Landwirts ist in der Region bekannt, nicht nur, aber auch wegen des jungen Musikers Andreas. Er ist unter anderem schon im Musikantenstadl aufgetreten und in der Szene ein nicht unbekanntes Gesicht. Heute sollen die Ergebnisse der Obduktion vorliegen.

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