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Auf einer Stromleitung erholt sich ein Star von seinem Heimflug. Die Zugvögel überwinterten in Nordafrika und im Südwesten Europas. Einige Voreilige haben es im Süden nicht mehr ausgehalten und sind schon wieder hier.

Die Vorhut der Frühlingsboten ist da

München - Frühlingserwachen im Februar! Offiziell beginnt der Frühling erst im März. Doch bereits jetzt lassen sich Frühlingsboten am Himmel blicken. Stare sind die ersten Zugvögel, die zurückkehren.

Mehr als zwanzig Stunden Flug liegen hinter den Staren, die ihr grün-violett schimmerndes Gefieder der Sonne entgegenstrecken. Von den milden Temperaturen der vergangenen zwei Wochen verführt, traten schon die ersten Zugvögel ihre Heimreise nach Oberbayern an. Stare, die den Winter in Nordafrika, der Bretagne oder der Normandie verbrachten, kommen als erstes zurück. Die Heimkehrer sichern sich bereits jetzt die besten Nistplätze – dort, wo man Würmer, Schnecken und Insekten findet. Oder in Baumhöhlen, die hoch gelegen sind – sicher vor Mardern.

Auch im Landkreis Freising sind schon die ersten der geselligen Vögel gesichtet worden. „Sie sind früh dran, das ist aber nicht ungewöhnlich. Der Star ist immer der erste“, weiß Christian Magerl, Vogel-Experte und Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz in Freising. Sie kommen mit den warmen Strömungen aus Südwesten, weiß der Landtagsabgeordnete der Grünen. Zuerst kämen die ganz Mutigen. Mit dem Frost hätten die Tiere keine Probleme. „Hauptsache, es liegt keine geschlossene Schneedecke mehr.“ Sollte der Winter noch einmal für zwei bis drei Wochen zurückkehren, drohe den Vögeln aber der Hungertod.

„Zurück kehrt nur jeder zweite Vogel“

Doch es gibt sogar ganz Hartgesottene unter den Staren. Längst nicht alle haben sich im Herbst den Vogelscharen angeschlossen, die zu Millionen gen Süden und Westen flogen. „Ungefähr zehn Prozent überwintern mittlerweile in Bayern“, berichtet Heinz Sedlmeier vom Landesbund für Vogelschutz (LBV). Sie harren am Bodensee, der Region Main-Franken, aber auch rund um München aus und warten auf den Frühling. Die Winter in Mitteleuropa werden milder, die Überwinterungsversuche der Vögel immer erfolgreicher. Insgesamt leben in Bayern rund 200 Vogelarten. Die meisten überwintern aber im Süden.

„Zurück kehrt nur jeder zweite Vogel“, sagt Sedlmeier. In Gruppen verlassen die Zugvögel ihr Winterquartier und treten den Heimflug an. Ende April rechnet Sedlmeier mit den Mauerseglern. „Pünktlich wie die Maurer“ seien die traditionell letzten Heimkehrer. „Damit ist die Vogelwelt in Oberbayern wieder komplett.“ Ihren Heimweg finden die Zugvögel durch einen Magnetsinn, der sich am Erdmagnetfeld orientiert. Die Vögel prägen sich das Magnetfeld ihres Geburtsorts ein, erklärt Manfred Siering von der Ornithologischen Gesellschaft Bayern. Zusätzlich richten sie sich nach den Sternen. Auch wenn es bedeckt ist, nehmen Vögel Sonnen- und Mondlicht wahr: „So funktioniert der Zug seit Millionen von Jahren.“

Schwalbe und Kuckuck fliegen sogar nachts im Schlaf

Veränderungen sind selten, aber nicht ausgeschlossen, wie das Beispiel der Mönchsgrasmücke zeigt. Jahrhundertelang überwinterte der Singvogel in Nordafrika. Seit einigen Jahren nimmt die Mönchsgrasmücke im Herbst Kurs auf London. „London ist attraktiver als Marokko“, weiß Siering. Anwohner versorgen die Vögel mit Futter, der Flug ist bedeutend kürzer und es besteht keine Gefahr, über dem Meer abzustürzen und zu ertrinken. Woher die Mönchsgrasmücke das weiß, bleibt ein Geheimnis.

Die ersten Mönchsgrasmücken werden von den Fachleuten in den nächsten Tagen in Oberbayern gut ausgeruht erwartet. Sogenannte Weitstreckenzieher kommen dagegen völlig entkräftet hierzulande an. Schwalbe und Kuckuck brauchen im Frühjahr mehrere Wochen von Südafrika bis nach Deutschland – sie fliegen sogar nachts im Schlaf. „Das funktioniert wie ein Auto-Pilot“, erklärt Siering. Das Wetter empfängt die Heimkehrer mit einem Mix aus Regen und milden Temperaturen. Nachts kann es in der kommenden Woche zwar noch auf bis zu Minus zwei Grad absinken. Schnee wird aber nicht erwartet. Tagsüber geht es bis zu sieben Grad hoch. Die geflügelten Frühlingsboten müssen also nicht frieren.

Von Manuela Dollinger und Yvonne Gastpar

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