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Fürstenfeldbruck hat vier Gleise. So muss es überall werden, sagt Mirko Pötzsch von der S4-Initiative

Unsere Zeitung lädt zur Diskussion

Vorm großen S-Bahn-Gipfel: SPD-Stadtrat fordert „Marshall-Plan“

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Pannen und Verspätungen nerven – und doch weiß jeder: Die S-Bahnen sind das Rückgrat des Nahverkehrs. Unsere Zeitung will auf einem S-Bahn-Gipfel Verbesserungsvorschläge erörtern. 

Fürstenfeldbruck – Ein Plakat am S-Bahnhof Eichenau kündet von einer Vision: „S4-Ausbau jetzt, aber viergleisig“, steht dort in großen Lettern. Vier – statt der bisher zwei Gleise also. Wobei die ultimative Aufforderung („jetzt“) etwas gewagt ist: ein Ausbau der S4-Strecke wird zwar seit langem diskutiert. Die regionale Initiative zum S4-Ausbau kann nachweisen, dass es erste Planungen schon im Jahr 1991 gab. Doch über Ankündigungen sind diverse Verkehrsminister, hießen sie nun Otto Wiesheu oder Joachim Herrmann, nicht hinausgekommen. Aktueller ernüchternder Stand: Der Freistaat wird, so wurde es im Dezember vereinbart, für die Bahn eine Vorplanung für die Erweiterung erstellen.

Lesen Sie auch: Ein Pendler berichtet über seine Fahrten mit der S1

Seit eh und je herrscht auf der Strecke von Pasing Richtung Geltendorf und weiter ins Allgäu Mischbetrieb. Das heißt, neben den S4-Zügen fahren dort Regionalbahnen von Deutsche Bahn und „Alex“ ins Allgäu, zudem die Eurocitys in die Schweiz. Manchmal rattert auch ein Güterzug durch die Bahnhöfe, gezogen von einer alten Diesellok, denn ab Geltendorf ist die Strecke nicht mehr elektrifiziert. Das soll sich nun ändern: Vorletzte Woche war Spatenstich – die Bahn hat drei Jahre eingeplant, um die Bahnlinie bis Lindau unter Strom zu setzen. Danach sollen auch mehr EC-Züge Richtung Schweiz fahren – und damit potenzieren sich die Probleme. 

Pötzsch fordert „richtigen Ausbau“

„Die Strecke muss ausgebaut werden, aber richtig“, sagt Mirko Pötzsch. Der SPD-Stadtrat in Fürstenfeldbruck ist Mitglied in der S4-Bürgerinitiative, die nichts weniger als einen „Marshall-Plan für die S-Bahn“ (Pötzsch) fordert. Bisher ist offiziell vereinbart, den Bau eines dritten Gleises von Pasing bis Eichenau anzustreben. Das Gleis soll in die Mitte gelegt werden, damit Schnellzüge durchrasen können, während links und rechts die langsameres S-Bahnen halten. Das würde, inklusive begleitender Ausbauten wie etwa der Beseitigung schienengleicher Bahnübergänge, 500 Millionen Euro kosten.

Erst vor einigen Wochen hat sich Verkehrsminister Herrmann, der das Ressort jetzt aber an Ilse Aigner abgetreten hat, zu einer Jahreszahl für die Fertigstellung hinreißen lassen. Wieder mal. Ende 2030 solle das dritte Gleis in Betrieb genommen werden, sagte er im Landtag. In früheren Versionen war auch schon mal von 2019 die Rede. Er glaube kaum, fügte Herrmann jetzt aber an, dass der Bau ohne Klagen benachbarten Grundstückseigentümer durchgeführt werden könne.

Ob das Jahr 2030 eingehalten werden kann?

Das dritte Gleis, so die offizielle Version, ist notwendig, um den 15-Minuten-Takt für die S4 zu stemmen, der den Pendlern nach dem Bau der zweiten Stammstrecke versprochen ist. Allerdings klafft zwischen der Inbetriebnahme des zweiten Tunnels (2026) und der eines dritten Gleises eine zeitliche Lücke von vier Jahren. Ob das Jahr 2030 aber überhaupt eingehalten werden kann? Die Leute von der S4-Initiative glauben nicht dran.

Die Linienführung der S4

Wichtiger sei allerdings, dass die Bahn ihren Ausbau-Plan revidiere. „Wir brauchen vier Gleise, nicht drei“, sagt Pötzsch. Nur dann könne der zunehmende Zugverkehr bewältigt werden. Schließlich wünschen die viele Pendler auch Extras, etwa die Wiedereinführung von Regionalzughalte in Fürstenfeldbruck. Sie wurden 2015 gestrichen. Und wie sich der Eurocity-Verkehr in die Schweiz entwickle, wisse auch niemand.

Die S4-Initiative macht sich mittlerweile einen Spaß daraus, die Versprechungen und Ankündigungen diverser Minister in einem Quiz mit 20 Fragen zu verpacken. Ob Wiesheu, Zeil, Herrmann oder Seehofer – alle kommen vor.

S-Bahn-Gipfel für die Region München

S-Bahn-Gipfel für die Region München - Eine Diskussion über Alltag, Probleme und Herausforderungen des S-Bahn-Netzes im Großraum München.

Termin: Donnerstag, 12. April, Beginn um 19 Uhr (Einlass ab 18.30 Uhr).

Ort: Alte Rotation unseres Pressehauses (Bayerstr. 57 direkt gegenüber vom Holzkirchner Flügelbahnhof)

Es diskutieren:

  • Bernd Pfeiffer, DB Netz, Leiter Großprojekte Bahnausbau München
  • Thomas Kantke, unabhängiger Verkehrsplaner in München
  • Günter Heyland, Bürgermeister von Neubiberg
  • Frank Kutzner, Leiter Projektgruppe Bahnausbau München im bayerischen Verkehrsministerium

Die Moderation übernimmt Dirk Walter (Münchner Merkur)

Nach Kurzvorträgen der Referenten wird es eine Diskussionsrunde auf dem Podium geben. Anschließend besteht Gelegenheit zu Fragen aus dem Publikum.

Wichtig: Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Wir bitten interessierte Besucher dringend darum, sich über das Kontaktformular anzumelden. Angemeldete Zuhörer erhalten innerhalb von drei Tagen eine Bestätigung.

Die Anmeldung ist beendet.
Vielen Dank für Ihr Interesse! Besuchen Sie unsere Seite gerne wieder.

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