Vorsicht, Bauernfänger! Betrüger kassieren ab 

München - Seit August 2009 sind die Namen von Bauern, die Subventionen empfangen, im Internet zu lesen. Jetzt treiben Betrüger mit diesen Daten Schindluder, wie ein aktuelles Beispiel zeigt.

Hier sehen Sie eines der Betrugsschreiben

Als im August 2009 erstmals die Namen der EU-Subventionsempfänger im Internet veröffentlicht wurden, war der Aufschrei riesig. Neiddebatte, Verstöße gegen Datenschutz – das waren die Bedenken von Bauern und deren Verbänden. Dass aber auch Betrüger Kapital aus der Veröffentlichung schlagen würden, das ahnte niemand. Doch genau das ist jetzt passiert, berichtet der Münchner Merkur.

Die bislang unbekannten Täter haben sich an der Datensammlung offenbar nach Herzenslust bedient: Sie sicherten die Namen, die Orte und die Fördersumme, die die Personen oder Gesellschaften von der EU erhielten. Dann verfassten sie ein Schreiben an den jeweiligen Subventionsempfänger. Dieses sieht offiziell aus: Absender ist eine „Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung“, es gibt ein Aktenzeichen, eine Sachbearbeiterin und sogar der Bundesadler ist abgedruckt. Im Betreff heißt es: „Ihre Beitragszahlung KLEF“ – die Abkürzung wird im Text als ein Klimawandelentschädigungsfonds erklärt, der auf einem Erlass mit dem Irrsinnsnamen „Klimawandel-Entschädigungsfondsverordnung“ fußt.

Schließlich geht es um den Grund des Schreibens: „Alle Empfänger von Zuschüssen aus EU-Agrarfonds- und Fischereifonds müssen Beiträge zum KLEF zahlen“, heißt es. Der Beitragssatz richte sich nach der Förderung und liegt zwischen 1,6 und 1,9 Prozent. Beispiel: So werden etwa bei einer Subvention von 26 767,08 Euro 412 Euro fällig. Ein Überweisungsträger liegt bei, Kontoverbindungen werden angeboten. Doch alles ist erlogen: Es gibt weder den Klimafonds noch stimmt die Absenderadresse.

Die Briefe wurden mit Datum 27. Dezember 2010 verschickt – schon am Dienstagvormittag meldeten sich die besorgten Bauern bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Die Behörde erstattete Anzeige und warnte Fachverbände und Banken. Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) warnt: „Der Fonds ist eine Erfindung.“ Die Adressaten sollen auf keinen Fall auf den Brief reagieren.

Bislang ist unklar, wie viele der Schreiben verschickt wurden – und wie viele noch verschickt werden. „Unsere Telefone stehen nicht mehr still“, sagt eine BLE-Sprecherin. Einen regionalen Schwerpunkt hat die Behörde bislang nicht festgestellt, der Bayerische Bauernverband geht aber davon aus, dass der ganze Freistaat betroffen ist. Einige haben wohl schon bezahlt. Betroffene sollten die Überweisung schnellstmöglich zurückziehen. Die Betrüger müssen übrigens schon vor einer Weile auf die Masche gekommen sein – seit November dürfen die Namen der Empfänger von EU-Direktzahlungen nicht mehr veröffentlicht werden, soweit es sich um natürliche Personen handelt.

Carina Lechner

Rubriklistenbild: © dpa

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