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Im Kinderheim der Franziskanerinnen in Au am Inn sollen behinderte Kinder eingesperrt gewesen sein.

Staatsanwaltschaft Traunstein ermittelt

Vorwürfe gegen Heim: Behinderte Kinder eingesperrt?

Au am Inn - Die Staatsanwaltschaft Traunstein ermittelt erneut gegen das Kinderheim „Haus Maria“ in Au am Inn. Die Vorwürfe sind haarsträubend.

Die Staatsanwaltschaft Traunstein ermittelt erneut gegen das Kinderheim „Haus Maria“ in Au am Inn. Dort leben derzeit 18 Kinder und Jugendliche mit geistigen Behinderungen und psychischen Störungen. Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, sollen die Kinder stundenlang in ihre Zimmer gesperrt werden, einzelne Kinder hätten in sogenannten Kastenbetten schlafen müssen, käfigartigen Holzverschlägen mit Luftlöchern. Zudem sollen Genehmigungen für die geschlossene Unterbringung der geistig behinderten Kinder gefehlt haben. Die Informationen hat der BR von einem ehemaligen Mitarbeiter. Er habe Anzeige erstattet.

Es handele sich um einen Mitarbeiter, der nach der Probezeit ausgestellt wurde, und seit 2012 immer wieder Strafanzeigen gestellt habe, sagt Alois Haslberger, der Geschäftsführer der Kongregation der Franziskanerinnen, die Träger der Einrichtung ist. Auch 2012 habe die Staatsanwaltschaft Traunstein im Haus ermittelt. „Sie muss ja handeln, wenn eine Anzeige vorliegt“, sagt Haslberger. Das Haus wurde damals durchsucht, Unterlagen beschlagnahmt. Die Ermittlungen wurden jedoch eingestellt. In diesem Sommer hat die Staatsanwaltschaft Traunstein das Ermittlungsverfahren gegen das Kinderheim wieder aufgenommen. Der aktuelle Vorwurf lautet: „Freiheitsberaubung zum Nachteil der Kinder und Jugendlichen, die in den geschlossenen Stationen untergebracht sind.“ Auch der Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags hat sich bereits mit dem Fall beschäftigt.

Haslberger und die Generaloberin Dominica Eisenberger reagierten am Freitag erschüttert über die Vorwürfe in dem BR-Bericht. „Alle Anschuldigungen treffen nicht zu“, betont Haslberger. „Wir wissen, dass wir pädagogisch und rechtlich alles richtig gemacht haben.“

Norbert Strahlleichner, Bürgermeister der Gemeinde Gars, rief am Freitag sofort im Kloster Au an, als er von dem Medienbericht erfuhr. „Die Gemeinde und die Einrichtungen im Kloster arbeiten seit Jahren zusammen, auch unser Kindergarten ist dort. Ich habe noch nie von einer einzigen Klage gehört“, betont er. Der ehemalige Mitarbeiter habe in einer anderen Sache damals auch die Gemeinde angezeigt – er scheiterte. „Es gab keinerlei Handhabe.“

Die Ermittlungen bezüglich der nicht geschlossenen Gruppe des Kinderheims seien bereits abgeschlossen, berichtet die Staatsanwaltschaft Traunstein. Die Ermittlungen betreffend der geschlossenen Gruppe des heilpädagogischen Kinderheims seien wieder aufgenommen worden, weil sich aus wiederholten Beschwerden neue Anknüpfungspunkte und rechtliche Fragen ergeben hätten. Zu Details will sich die Staatsanwaltschaft während des laufenden Verfahrens nicht äußern. 

mm/uv

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