Skandalheim in Dinkelsbühl: Staatsanwalt stellt Ermittlungen ein

Dinkelsbühl/Ansbach - Menschen helfen, Alten und Kranken eine Stimme geben – für Stephanie Flähmig war das immer der Traumberuf. Doch auf der Station 1 des Stephanusheims in Dinkelsbühl wurde der Traum zum Albtraum.

Die engagierte Pflegerin musste erleben, wie Senioren misshandelt und gedemütigt wurden. Mutig kündigte sie und alarmierte die Behörden. Die Staatsanwaltschaft begann zu ermitteln – in drei Fällen sogar wegen fahrlässiger Tötung. 25 Zeugen wurden vernommen, eine 400 Seiten starke Akte angefertigt – ohne Ergebnis. Jetzt teilte die Justiz mit, dass die Ermittlungen weitgehend eingestellt seien. Man habe keine strafrechtlich relevanten Verfehlungen festgestellt. „Es gibt kein Horrorheim in Dinkelsbühl“, so der Staatsanwalt.

Waren die Missstände, die Stephanie Flähmig angeprangert hat, nur eine Erfindung? Der Münchner Pflegeexperte Claus Fussek (56) ist wenig überrascht, als er vom Ergebnis der Ermittlungen hört. „Ich habe damit gerechnet. Fast alle Ermittlungen zu Pflegeskandalen enden so.“ Denn, so seine traurige Erfahrung: „es gibt kein gesellschaftliches Interesse an der Aufklärung dieser Fälle. Das haben mir unter der Hand Mitarbeiter der Justiz auch bestätigt.“

Die Aussage, dass das Heim in Dinkelsbühl kein Horrorheim sei, kann Fussek zwar aus juristischer Sicht nachvollziehen, trotzdem macht sie ihn wütend. „Wenn ein alter Mensch in die Hose macht, weil niemand da ist, der mit ihm auf die Toi­lette geht, dann ist das für ihn der Horror, da hilft auch nicht die Begründung, dass die Pflegekraft im Nebenzimmer einen Patienten versorgen musste, der noch elendiger dran ist…“

Fussek betont, dass es ihm nicht darum gehe, Pflegekräfte auf der Anklagebank zu sehen. „Da gehört eigentlich die ganze Gesellschaft hin.“ Aber natürlich haben Angehörige ein Recht darauf, dass sie das Pflegepersonal informiert, wenn es mit der Pflege überfordert ist. „Stephanie Flähmig und ihre beiden Mitstreiter haben alles richtig gemacht.“

Fussek hofft, dass die Diakonie, der Träger des Stephanusheimes, jetzt nicht glaubt, dass auf der Station alles in Ordnung war, sondern dass man alles daran setze, die Pflege dort zu verbessern. Das scheint tatsächlich der Fall zu sein. Denn unabhängig vom Ausgang der Ermittlungen hat man in Dinkelsbühl die zunächst beurlaubte Heimleitung durch eine neue ersetzt.

WdP

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