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Vulkanasche rötet die Sonne

München - Die Vulkanasche aus Island wirbelt den Luftverkehr durcheinander - doch Klima und Gesundheit leiden wohl nicht. Sonnenuntergänge werden dafür noch schöner. Eine kleine Nachlese.

Hat die Aschewolke Folgen fürs Wetter?

Auf das aktuelle Wetter hat die Wolke aus Island praktisch keine Auswirkungen - sagt der Meteorologe Helmut Malewski vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Wenn es aber regne, könnten die Staubteilchen auch auf dem Boden sichtbar werden. „Das ist ähnlich wie der Saharastaub, der dann auswäscht und Reste auf dem Auto hinterlassen kann. Nach Regen sieht es im Moment aber nicht aus." Die Aschewolke ist laut DWD über Deutschland kaum sichtbar. „Man kann am blauen Himmel nur eine leicht milchige Trübung erkennen", sagte Malewski. „Was hier ankommt, sind nur noch die Staubteilchen." Langfristige Folgen erwartet der DWD nicht. „Dass die Wolke das Sommerwetter beeinflusst, ist eher unwahrscheinlich."

Gibt es nun rötere

Sonnenuntergänge?

Gut möglich. „Wenn das Wetter schön bleibt, könnten wir etwa eine Woche lang schöne Purpurlichter beim Sonnenuntergang bekommen", sagt Claudia Hinz, Wettertechnikerin auf dem 1838 Meter hohen Wendelstein in Bayrischzell (Kreis Miesbach). Seit gestern Abend wirkt sich die Vulkanasche in Südbayern aufs Wetter aus, so dass am Samstag zum ersten Mal die Chance auf abendliche Purpurlichter bestehe, so Hinz.

Die Chancen stehen heuer aber schlechter als bei Vulkanausbrüchen in den vergangenen beiden Jahren: „Die Asche müsste mindestens 15 Kilometer hoch geschleudert werden, damit intensive Licht-Phänomene auftreten", so Hinz. Die Asche aus Island sei nur elf bis zwölf Kilometer hoch gekommen. „Wenn diese Asche ausgewaschen wird und herunterkommt, dann haben wir Kondensationskeime, um die herum sich Hochnebel und Wolken bilden", erklärt die Wettertechnikerin - der Gau für Romantiker, die nur graue Wolkenwände bekämen.

Wann ist es Asche, wann nur Nebel?

Wer nicht sicher ist, ob der Nebel vor seiner Tür wirklich Nebel ist - oder Aschestaub - kann sich mit Hilfe einer Wetterstation schlau machen: „Wenn die Luftfeuchte bei 30 Prozent liegt und man draußen keine Sicht hat, dann ist dort Vulkanasche", weiß Hinz.

Hat die Wolken

Folgen fürs Klima?

Die riesige Aschewolke über Europa hat nach Einschätzung des Hamburger Max-Planck-Instituts für Meteorologie keine Auswirkungen auf das weltweite Klima. „Die Asche selbst macht nicht viel", sagte die Physikerin Claudia Timmreck. Der Flugverkehr reagiere zwar sehr empfindlich darauf, nicht aber das Klima. „Der wirkliche Effekt von Vulkanen hängt davon ab, wie viel Schwefel in die Stratosphäre kommt. Und bei diesem Vulkan ist nicht so viel Schwefel rausgekommen." Falls die Wissenschaftler beobachten, dass nach dem Vulkanausbruch in Island doch mehr Schwefel in die Stratosphäre gelangt als bisher gedacht, könne das für das Klima ebenfalls relevant sein. „Aber das werden wir vielleicht in zwei Monaten wissen."

Gab es jemals schon

Vulkanausbrüche mit

Einfluss aufs Klima?

Ja. In der Geschichte gab es immer wieder gewaltige Vulkanausbrüche, die für weltweite Wetterkapriolen sorgten. So ging 1816 als „Jahr ohne Sommer" in die Annalen ein: Grund war eine gewaltige Aschewolke, die im Jahr zuvor bei einem der stärksten Vulkanausbrüche der Neuzeit auf der heute zu Indonesien gehörenden Insel Sumbawa freigesetzt wurde. Auch einem deutschen Dichterfürsten ging das vom Vulkan Tambora verursachte schlechte Wetter damals offenbar auf die Nerven: „Erster schöner Tag", notierte Goethe Ende Juni 1816 im Tagebuch.

Als „Monster-Eruption" bezeichnet der Würzburger Vulkanologe Bernd Ziamowski den Ausbruch des Laki auf Island 1783/1784, bei dem riesige Gasmengen freigesetzt wurden. Der Naturkatastrophe wird sogar Einfluss auf die Weltgeschichte zugeschrieben: Die folgenden Missernten und Hungersnöte in Europa dürften beim Ausbruch der Französischen Revolution eine Rolle gespielt haben.

Ist die Aschewolke

gefährlich für die

Gesundheit?

Laut Umweltbundesamt droht bislang keine Gefahr für die Gesundheit. „Die Messergebnisse lassen keine signifikant erhöhten Feinstaubkonzentrationen erkennen", teilte das Umweltbundesamt mit. „Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz der Gesundheit sind - auch für empfindliche Menschen - in Deutschland derzeit nicht erforderlich."

Die Einschätzung teilt auch der Allergieexperte und Lungenarzt Prof. Karl-Christian Bergmann von der Europäischen Stiftung für Allergieforschung in Berlin. „Selbst wenn einige Teilchen aus der Staubwolke in die Atemwege gelangen würden, lösten sie keine akuten Störungen der Gesundheit von Allergikern aus, auch nicht bei Asthmatikern mit vorgeschädigten oberen oder unteren Atemwegen, also Nase und Bronchien."

Der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes der Pneumologen, Andreas Hellmann, sagte dagegen: „Dreck in der Atemluft stellt bei chronischen Atemwegserkrankungen immer ein zusätzliches Risiko dar." Der Augsburger Spezialist für Lungen- und Bronchialheilkunde empfahl Asthmatikern gerade jetzt die regelmäßige Kontrolle per Peak-Flow-Meter und die Anpassung der Medikamente. Obwohl ihm keine Studien zu den gesundheitlichen Belastungen durch Vulkanasche bekannt seien, sollten Risikopatienten bei steigender Belastung vorsichtiger sein, betonte der Mediziner gestern.

In England, wo eine höhere Aschekonzentration vorliege, sei eine entsprechende Warnung bereits erfolgt. Menschen mit Atemwegserkrankungen sollten dort bei Reizungen der Augen oder Atemwege, bei Halsweh oder trockenem Husten ihre Aktivitäten im Freien einschränken.

Viele Flüge fallen nun aus. Bekommt man sein Geld zurück?

Ja. Egal ob teure Airline oder Billigflieger - Passagiere haben bei einem Flugausfall in jedem Fall Anrecht auf Rückerstattung ihres Tickets. Darauf hat die EU-Kommission hingewiesen, nachdem sich europaweit Klagen von Passagieren häuften. Wenn ein Fluggast nicht umbuchen wolle, müsse er sich nicht mit einem Gutschein zufriedengeben, sondern könne sein Geld zurückverlangen. Die Summe müsse das Unternehmen bar auszahlen, auf das Konto überweisen oder der Kreditkarte gutschreiben.

„Die Passagierrechte gelten für alle europäischen Fluggesellschaften", sagte eine Kommissionssprecherin - inklusive Billigairlines wie Ryanair. „Jeder Kunde sollte auf sein Recht pochen." Zudem müssten sich auch außereuropäische Fluggesellschaften daran halten, wenn sie von Europa aus starteten. Wer zum Beispiel mit einer amerikanischen Airline von Paris nach New York fliege, habe bei Stornierung des Fluges Anrecht auf Geld. Wer mit derselben Airline von New York nach Paris fliege, habe diesen Anspruch dagegen nicht. Betroffenen Fluggästen rät die EU-Kommission, sich bei den nationalen Behörden zu beschweren - in Deutschland ist das Luftfahrt-Bundesamt in Braunschweig zuständig.

Was müssen Airlines

bei Verspätungen und Absagen tun?

Nach EU-Recht sind Airlines dazu verpflichtet, ihre Kunden über Verspätungen und abgesagte Flüge rechtzeitig per SMS, Mail oder am Flughafen schriftlich zu informieren. Bei einer längeren Wartezeit müssen sie Passagieren Getränke, Verpflegung oder eine Hotelübernachtung zahlen. Fällt der Flug aus, können Kunden wählen zwischen der Erstattung des Tickets oder einer Umbuchung. Anspruch auf eine Entschädigung haben Passagiere nicht.

Wie müssen sich

Pauschalurlauber

jetzt verhalten?

Pauschalurlauber müssen sich über mögliche Folgen des Vulkanausbruchs informieren. Wenn die massiven Folgen öffentlich bereits bekannt sind, seien Urlauber verpflichtet, sich selbst danach zu erkundigen, ob ihr Flug stattfindet oder abgesagt werde, sagte Paul Degott, Fachanwalt für Reiserecht in Hannover. Möglicherweise könnten sie sich anschließend den Weg zum Flughafen schon einmal sparen.

Fahren sie doch zum Flughafen und fällt ihre Verbindung aus, könnte Urlaubern eine Mitschuld angerechnet werden: „Der Kunde des Reiseveranstalters hat dann am Entstehen des Schadens mitgewirkt", erklärt Degott. „Entweder, weil er die Nachrichten über die Entwicklung überhaupt nicht verfolgt oder weil er sie ignoriert hat." Der Veranstalter könnte argumentieren, dass die Ansprüche des Kunden etwa auf Reisepreisminderung nicht in vollem Umfang gelten.

Ist der Wechsel des

Zielflughafens ein Reisemangel?

Ja. Muss eine Maschine zum Beispiel bei der Rückkehr aus dem Urlaub woanders landen als geplant, sei das als Reisemangel zu werten, erklärt Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg. „Dafür kann der Reisepreis gemindert werden, etwa im Umfang von rund fünf Prozent."

Ist absehbar, dass sich ein Abflug in den Urlaub etwa wegen chaotischer Zustände am Flughafen erheblich verspäten wird, dürfen Pauschalurlauber unter Umständen sogar auf die Reise verzichten - bei Kurzreisen bis zwei Wochen Dauer. jhd/ar/dpa

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