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Eine Lufthansa-Maschine startet am Flughafen München: Die Fluggesellschaft klagt über hohe Belastungen durch den Emissionshandel.

Die Wachstumskurve knickt ein

München - Bisher wies die Wachstumskurve beim Flughafen München stets steil nach oben. Doch der Horizont verdüstert sich, in der Wintersaison gibt es fünf Prozent weniger Flüge. Schon wittern die Gegner der 3. Startbahn Morgenluft.

Jeder 20. Flug, der im vergangenen Jahr noch im Münchner Winterplan aufgeführt war, wird in dieser Saison gestrichen. Zumindest offiziell löst das bei der Flughafen München GmbH (FMG) keine Panik aus. Ihr Sprecher Ingo Anspach weist auf die Luftfahrtkrisen Anfang der 80er Jahre und nach dem ersten Golfkrieg zu Beginn der 90er Jahre hin.

Langfristig sei es in der Branche immer steil nach oben gegangen. Angesichts der in der Region höchst umstrittenen Ausbaupläne kommen die Minuszahlen der FMG wohl dennoch ungelegen. Zumal im Hintergrund weitere dunkle Wolken auftauchen.

Die Deutsche Lufthansa befürchtet ab dem Jahr 2012 "massive Einbußen" für das Münchner Drehkreuz. Der Grund dafür ist der so genannte Emissionshandel, mit dem die EU den Kohlendioxid-Ausstoß eindämmen will. Alle Fluggesellschaften, die dann im Hoheitsgebiet der EU-Nationen starten oder landen wollen, müssen diese Abgas-Abgabe zahlen. Bei Fernflügen könnten Tickets dadurch um 30 bis 40 Euro teurer werden, rechnet Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) vor. Allerdings könnten die Fluggesellschaften diese Kosten mit umweltfreundlicher Technik relativ leicht vermeiden.

Die Lufthansa nennt den Beschluss in ihrem Politikbrief "ein Symbol für eine widersprüchliche Klimapolitik". Abgesehen davon, dass vollkommen ungeklärt sei, wie Nicht-EU-Airlines zur CO2-Abgabe verpflichtet werden können, handele es sich um Wettbewerbsverzerrung. "Große Drehkreuze wie Frankfurt und München leben vom interkontinentalen Umsteigeverkehr.

Hier sind massive Einbußen zu befürchten." Zukünftig würde etwa der indische Fluggast auf seinem Weg nach New York nicht mehr in Europa zwischenlanden, sondern eben in Dubai, wo die Tickets nicht mit diesen Extraabgaben belastet sind, sagt Lufthansa-Sprecher Peter Schneckenleitner. Sein Unternehmen würde der Emissionshandel jährlich einen dreistelligen Millionen-Betrag kosten.

Die Airline wäre zu diesen Ausgaben auch bereit, signalisiert Schneckenleitner. Aber nur wenn gleichzeitig die europäischen Flugsicherungen vereinheitlicht würden. Damit würde allein die Lufthansa zwölf Prozent Kohlendioxid und Treibstoff einsparen. Wegen der Ineffizienz in der Luft und am Boden verschwende die Airline täglich 1,7 Millionen Liter Kerosin. "Um den Single European Sky bemüht man sich seit 48 Jahren, den Emissionshandel will die EU in vier Jahren durchziehen", sagt Schneckenleiter.

Den Politikbrief der Lufthansa hält inzwischen Horst Seehofer in den Händen, er sagte unserer Redaktion zu, ihn kritisch zu prüfen.

Auch die Kritik von Christian Magerl dürfte ihm schon zu Ohren gekommen sein. Der Landtagsabgeordnete der Grünen kritisiert, dass die Auswirkungen des Emissionshandels im Prognosegutachten zur dritten Startbahn nicht detailliert berücksichtigt wurden. Dem widerspricht FMG-Sprecher Anspach.

Die "preishebenden, aber verkehrssenkenden Auswirkungen" des Emissionshandels seien sehr wohl im Prognosegutachten behandelt worden. Es sei aber nur ein Bestandteil in einem Bündel von Faktoren, die die Fluggastzahlen beeinflussen. Anspach: "Wir sehen keinen Anlass, an unserem Gutachten zu zweifeln. Es gibt keinen Hinweis, dass die prognostizierten Verkehrszahlen nicht erreicht werden."

Dieter Priglmeir

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