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Dank neuer Software arbeitet Stefan Kaiser heute entspannt und effektiv. Er hat eine Sehbehinderung. 

Geschichte sollte jeder Chef kennen

Münchner Firma beweist mit Stefan Kaiser, wie gut Inklusion gelingen kann

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Stefan Kaiser ist IT-Experte – und schwer sehbehindert. Sein Arbeitgeber hat seinen Arbeitsplatz so ausgestattet, dass er sein Können uneingeschränkt einbringen kann. Davon profitieren auch Kollegen und das Unternehmen. Ein Beispiel dafür, wie gut Inklusion gelingen kann.

München – Stefan Kaiser sitzt aufrecht auf seinem Schreibtischstuhl, seine rechte Hand ruht entspannt auf der Maus, während er eine Zahlentabelle auf seinem Computermonitor studiert. Der 44-Jährige hat sein gesamtes Berufsleben bei der Wacker Chemie AG in München verbracht. Doch die meiste Zeit davon saß er nicht so entspannt an seinem Arbeitsplatz. Das hat mit seiner angeborenen Sehbehinderung zu tun. Er leidet unter dem grauen und dem grünen Star. Seine Sehfähigkeit schwankt zwischen fünf und zehn Prozent. Ohne entsprechende Hilfen ist sein IT-Job undenkbar. Mühsam war es trotzdem lange. Er musste sich ständig nach vorne beugen, um den Bildschirm direkt vor Augen zu haben. Oder die ausgedruckten Unterlagen auf seinem Schreibtisch entziffern zu können. Das waren körperlich extrem anstrengende Tage für ihn.

Dass er heute so entspannt Statistiken erstellt, verdankt er seinem Arbeitgeber. Die Wacker Chemie AG hat nicht nur Kaisers Schreibtisch, sondern auch die von zwei sehbehinderten Azubis völlig neu ausgestattet. Sie arbeiten inzwischen mit einer speziellen Software, die es ihnen ermöglicht, mit einem Mausklick alles groß zu zoomen. Blaue Markierungen helfen Kaiser und seinen Kollegen, den Überblick zu behalten, wo die Schreibmarke gerade steht. Für Menschen mit noch weniger Sehvermögen gibt es sogar eine Vorlese-Funktion.

„Die Arbeit ist für mich nicht nur einfacher geworden – ich arbeite nun auch viel effizienter“

Die Lizenz für die Software hat Wacker 4000 Euro gekostet. Dazu kommt eine Dokumenten-Kamera, die ausgedruckte Unterlagen mit nur einem Klick einscannt und auf den Bildschirm projiziert. Kaiser arbeitet seit Ende 2016 mit dem System. Er sagt: „Die Arbeit ist für mich nicht nur einfacher geworden – ich arbeite nun auch viel effizienter.“

(Lesen Sie auf Merkur.de* einen Bericht über das Scheitern der Inklusion im Landkreis Ebersberg.)

Seinen Ausbildungsplatz im Labor bekam Philipp Ellguth trotz Fehlbildung seiner Hände. Er wurde übernommen.

Die Wacker Chemie AG engagiert sich seit Jahren für das Thema Inklusion am Arbeitsplatz. Nicht nur mit Worten. Die neue Software ist nur eine von vielen Arbeitserleichterungen, die das Unternehmen angeschafft hat. Die Quote der Mitarbeiter mit Behinderung liegt bei 8,7 Prozent – und damit deutlich über den gesetzlich geforderten fünf Prozent. „Inklusion heißt für uns, dass alle Mitarbeiter – auch die gesundheitlich eingeschränkten – ihre Potenziale entfalten können, um zum Unternehmenserfolg beizutragen“, betont Arbeitsdirektor Christian Hartel. Das Unternehmen profitiere, weil es gute Fachkräfte halten kann. Und von den neuen Technologien und Arbeitshilfen hätten letztendlich alle Arbeitskräfte etwas, sagt er. „Gerade für ältere Mitarbeiter können sie ebenfalls eine Erleichterung sein.“

Auch Bayerns Sozialstaatssekretär Johannes Hintersberger ist überzeugt: „Inklusion in der Arbeitswelt wird in der Zukunft noch eine viele größere Rolle spielen als heute schon.“ Er hat sich am Donnerstag lange mit Stefan Kaiser unterhalten und sich von ihm die Software präsentieren lassen. Doch Hintersberger war nicht nur gekommen, um zu sehen, wie selbstverständlich Inklusion ablaufen kann. Er überbrachte Wacker auch ein Emblem, das das Sozialministerium zuvor erst vier Mal an Unternehmen übergeben hat: eine Auszeichnung für beachtliches Engagement für die Inklusion von Menschen mit Behinderung im Arbeitsleben.

Die Staatsregierung unterstützt Arbeitgeber bei der Inklusion mit einer jährlichen Förderung in zweistelliger Millionenhöhe. Außerdem hat sie ein Info-Portal eingerichtet (www.arbeit-inklusiv.bayern.de), auf dem sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer die wichtigsten Fragen beantwortet werden.

Auch was das angeht, ist Wacker vielen Unternehmen schon einen Schritt voraus. Es gibt sogenannte Vertrauenspersonen. Philipp Ellguth ist einer davon. Er leidet unter einer angeborenen anatomischen Fehlbildung seiner Hände. Vor 15 Jahren konnte er am Wacker-Standort Burghausen trotzdem eine Ausbildung zum Chemielaboranten beginnen. Danach wurde er übernommen. Heute unterstützt er nebenbei Kollegen mit Behinderung dabei, Hilfsmittel zu beantragen oder Förderungen einzuholen. Und er gibt neue Ideen zur Arbeitserleichterung an seinen Arbeitgeber weiter. Aus Erfahrung weiß er: Neue Ideen entstehen immer, wenn laut über Inklusion nachgedacht werden darf.

*Merkur.de ist Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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