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Entschärfung der Fliegerbombe in Augsburg.

Fliegerbombe hielt Stadt in Atem

Während Evakuierung in Augsburg: Mann blieb und soll geklaut haben

Am 25. Dezember 2016 mussten 54 000 Augsburger ihre Wohnungen in der Altstadt für die größte Bomben-Evakuierung der Nachkriegszeit verlassen. Die Zeit nutzte Seref B. offenbar, um zwei Wohnungen in der Zone auszuräumen.

Es schien eine sichere Sache: Am 25. Dezember 2016 mussten 54 000 Augsburger ihre Wohnungen in der Altstadt für die größte Bomben-Evakuierung der Nachkriegszeit verlassen. 

Die Zeit der Entschärfung nutzte Seref B. (50) laut Staatsanwaltschaft dazu, zwei Wohnungen in der Zone auszuräumen. Weil er in der vermeintlichen Geisterstadt aber doch nicht so allein war, landete der vorbestrafte Dieb gestern auf der Anklagebank. 

Der aus dem Gablinger Gefängnis vorgeführte Angeklagte bestritt die Vorwürfe im Amtsgericht energisch: „Ich bin mir sicher, dass ich das nicht gemacht habe.“ Vielmehr sei er an jenem Tag selbst durch Einbruchsgeräusche aus der Wohnung unter ihm wach geworden. Selbst nachschauen wollte er angeblich nicht: „Ich wollte denen nicht gegenüberstehen.“ Also habe er die Türen auf- und zugeschlagen und die Täter so vertrieben. 

Zeuge fehlen 500 Euro Bargeld, Fernseher, Rasierer und DVD-Recorder

Kurz danach sei er nachschauen gegangen und habe viele Sachen im Flur herumliegen sehen. „Ich habe es aufgesammelt. Ein Fernseher lag auf der Treppe, erst später fiel mir wieder ein, dass ich ihn zu mir genommen hatte.“ Nicht nur mit Blick auf eindeutig den Angeklagten belastende DNA-Spuren runzelte Richterin Susanne Scheiwiller  heftig die Stirn. Schließlich hatte eine Streife Seref B. noch am Tattag mit einem Verstärker im Rucksack und einem Trolley mit Flachbild-Fernseher im Sperrgebiet angetroffen. 

„Das wollte ich umtauschen in Drogen“, entschuldigte sich der Mann. Das vermeintliche Diebesgut als Fundsache sozusagen. Doch Zeuge Salvatore C. (47) räumte auf mit diesen Ausflüchten. Ihm allein wurden an jenem Tag 500 Euro Bargeld, Fernseher, Rasierer und DVD-Recorder entwendet. „Ich hatte mich schon einen Tag zuvor zu meinen Eltern evakuiert, dort Weihnachten gefeiert, bis der Anruf von der Polizei kam und ich die Bescherung daheim sah.“

Erst nach fast drei Wochen durchsuchte die Polizei Seref B.‘s Wohnung

Der Nachbarsbub, der die Evakuierungsaufforderung ebenfalls ignoriert hatte,  verriet ihm dann, er habe Seref B. durch den Türspion beobachtet, wie er einen Fernseher durchs Treppenhaus schleppte. Kurz zuvor habe er Türen splittern gehört. C.: „Doch als der Bub den Polizei-notruf wählte, sagte man ihm, die Polizei dürfe die Sperrzone selbst nicht betreten. Diese Bomben-Evakuierung war doch wie ein Freibrief zum Einbrechen.“ 

Lesen Sie auch: Die größten Bombenevakuierungen B ayerns

Der Kriminaldauerdienst stellte nach der Bomben-Entschärfung zwar die beiden aufgebrochenen Wohnungstüren fest - Seref B.s Wohnung aber wurde erst am 14. Januar durchsucht. „Da war nichts mehr zu finden“, so Kommissar Erich S. (56). Das Urteil soll kommenden Mittwoch verkündet werden.

tz

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