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Die meisten Wälder in Bayern sind inzwischen wieder aufgeräumt, es gibt kaum noch Waldstücke, die wegen umgestürzter Bäume gesperrt sind.

Forstunfälle nach Orkan Niklas

"Die Gefahr im Wald wird unterschätzt"

München - Auch mehr als zwei Monate nach Orkan Niklas sind Bayerns Wälder noch nicht völlig sicher. Martin Fink, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung, sagt: Die Gefahr wird unterschätzt.

Mehr als zwei Monate ist es her, dass Orkan Niklas in Bayern einiges durcheinandergewirbelt hat. Besonders die Wälder südlich von München hat der Wirbelsturm schlimm erwischt. Allein im Kreis Starnberg fielen 50 000 bis 100 000 Festmeter Schadholz an. Mittlerweile sind kaum noch Schäden sichtbar. Doch ungefählich ist es abseits der Wege im Wald noch nicht. Am Mittwoch ist ein 19-Jähriger in Uffing (Kreis Garmisch-Partenkirchen) bei Forstarbeiten von einem Baum, der unter Spannung stand, erschlagen worden. Am Donnerstag wurde ein Waldbesitzer im Kiental bei Erling (Kreis Starnberg) bei Räumarbeiten schwer verletzt. Abseits der Wege kann es noch immer gefährlich sein, warnt Martin Fink, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung in Starnberg. An den Unfällen ist nicht nur Leichtsinn schuld, sagt er. Denn manche Gefahren sind nicht sichtbar.

Wird die Gefahr in den Wäldern zwei Monate nach Orkan Niklas unterschätzt? 

Ja, das wird sie. Durch den Orkan haben sich die Bäume nach vorne und hinten bewegt, die Wurzelteller haben sich dadurch gelockert. Das sind Gefahren, die nicht unbedingt sichtbar sind. Beim nächsten Sturm werden wieder Bäume umstürzen. Und durch jeden neuen Sturm gibt es wieder neue Gefahrenstellen.

Zwei Waldbauern sind diese Woche bei Aufräumarbeiten verunglückt. Waren sie nicht ausreichend gewarnt?

Die Waldarbeitgefahr wird generell unterschätzt – das zeigen die tragischen Unfälle. Besonders routinierte Arbeiter sind oft zu leichtsinnig. Wir haben nach Niklas Kurse angeboten. Um zu zeigen, wie Bäume unter Spannung reagieren, wenn man sie abschneidet. Das haben wir im Wald vorgeführt. Viele Teilnehmer waren geschockt, was man alles berücksichtigen muss.

Was raten Sie Waldbesitzern?

Auf keinen Fall alleine in den Wald gehen. Immer zu zweit. Und man sollte immer ein Handy dabei haben. Wir haben in den Wäldern in unserem Landkreis Starnberg überall Meldestellen eingerichtet. Wenn man einen Notruf absetzt, kann man jetzt eine Treffpunktnummer angeben, so dass die Rettungsleitstelle sofort weiß, wo sie die Einsatzkräfte hinschicken muss. Im Wald stehen Hinweisschilder mit der Nummer, außerdem kann man sie im Internet abrufen. Jeder Waldbesitzer sollte diese Nummer außerdem in seiner Arbeitskleidung oder in seinem Helm haben.

Bald sind auch wieder die ersten Schwammerlsucher unterwegs. Was sollten sie beachten?

Sie sollten nicht nur auf den Boden schauen, um Schwammerl zu finden – sondern immer wieder auch nach oben. Dort wo Bäume gekippt stehen oder abgebrochene Äste in den Kronen hängen, sollten sie beachten, dass immer wieder etwas runterfallen kann. Diese Stellen rate ich dringend zu umgehen. Wer Schwammerl sammeln geht, muss dieses Jahr besonders achtsam sein.

Wie weit sind die Aufräumarbeiten in den oberbayerischen Wäldern bereits abgeschlossen?

Wir haben fast alles aufgeräumt. Ich würde sagen, etwa 95 Prozent der Arbeiten sind abgeschlossen. An einigen Stellen, an denen Niklas besonders gewütet hat, wird noch aufgeräumt. Allerdings gibt es dort Hinweisschilder oder Absperrungen. Aber man muss immer beachten, dass durch lokale Gewitterstürme wieder neue Gefahrenzonen entstehen, die vielleicht noch nicht gesichert sind.

Gab es bei früheren Orkanen im Nachhinein auch häufig tragische Forstunfälle?

Dafür, dass Niklas ein eher lokaler Orkan im oberbayerischen Raum war, sind es relativ viele Unfälle. Bei Orkan Wiebke vor 25 Jahren waren ganz Bayern und Hessen betroffen. Damals war die Technik noch längst nicht so weit wie heute. Dank der Spezialmaschinen Harvester müssen wir viel weniger mit der Motorsäge machen, vieles ist leichter geworden und geht schneller. Trotzdem passieren fast noch mehr Unfälle. Das liegt meiner Meinung daran, dass die Gefahr einfach unterschätzt wird.

Interview: Katrin Woitsch

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