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Gefährliche Geschosse: Die Bayern sind vergleichsweise schwer bewaffnet. Im Freistaat leben 150 000 Sportschützen und Jäger, die tagtäglich mit Gewehrmunition wie dieser zu tun haben.

Bundesweit dritthöchste Zahl legaler Schusswaffen

Waffenland Bayern

München - In Bayern gibt es knapp 1,1 Millionen legale Schusswaffen. Obwohl die Zahl seit 2009 stark zurückgegangen ist, sind die Bayern noch immer vergleichsweise schwer bewaffnet. Das hat vor allem einen Grund:

Egbert Urbach ist leidenschaftlicher Jäger – und damit in Bayern in guter Gesellschaft. Aber es ist eine Leidenschaft, für die er sich oft rechtfertigen muss. Besonders dann, wenn ein Mensch durch eine Schusswaffe ums Leben gekommen ist. Urbach weiß: Für Waffengegner spielt es keine Rolle, dass bei den wenigsten Straftaten legale Waffen im Spiel sind. Waffengegnern ist jeder suspekt, der seine Freizeit mit Schusswaffen verbringt. Also auch Jäger und Sportschützen.

Laut Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ist die Zahl der Waffenbesitzer in den vergangenen vier Jahren um 32,5 Prozent zurückgegangen. Doch noch immer kommen im Schnitt auf 1000 Einwohner in Bayern 88 Schusswaffen. Im deutschlandweiten Vergleich liegt Bayern damit auf Platz drei hinter Rheinland-Pfalz und dem Saarland. 1,1 Millionen Pistolen und Gewehre sind im Freistaat registriert – dazu kommt eine große, kaum schätzbare Menge illegaler Waffen. Und die sind laut Innenministerium das größere Problem: Denn bei weniger als zehn der 1500 Straftaten mit Schusswaffen pro Jahr waren legale Waffen im Spiel.

Die bayerischen Waffenbehörden überprüfen die Einhaltung der Vorschriften äußerst streng. Für Hausdurchsuchungen gibt es jedoch nur eine rechtliche Grundlage, wenn die Polizei konkrete Hinweise bekommt. Freiwillig werden die wenigsten illegalen Waffen abgegeben – weil den Besitzern auch dann eine Anzeige droht, wenn sie sich selbst melden.

In der Waffenverwertungsstelle des Landeskriminalamts (LKA) sind vergangenes Jahr 19 000 Waffen vernichtet worden, 13 000 davon waren erlaubnispflichtig. Besonders 2009 habe das LKA einen ganzen Schwung bekommen, berichtet Sprecher Ludwig Waldinger. Das war kurz nach dem Amoklauf in einer Schule in Winnenden, bei dem ein 17-Jähriger mit der Sportpistole seines Vaters 15 Menschen getötet hatte.

Damals hat Gerhard Furnier viel diskutiert, erinnert er sich. Und der Landessportleiter des bayerischen Sportschützenbundes tut das auch jetzt noch immer wieder. „Sportschützen und Jäger sind die zuverlässigste Gruppe unter den Waffenbesitzern“, betont er jedes Mal. Die Regeln sind streng, die Ausbildung intensiv. Die immer wieder diskutierte Forderung, dass Sportwaffen gesammelt in den Schützenheimen aufbewahrt werden sollten, bezeichnet er als kontraproduktiv. „Wenn man bei mir zu Hause einbricht, kann man höchstens eine Waffe ohne Munition erbeuten – wenn jemandem aber ein Einbruch in ein Schützenheim gelingt, hat er direkt eine ganze Waffensammlung.“

Innenminister Herrmann stellt sich hinter die 69 485 bayerischen Jäger und die 86 440 bayerischen Sportschützen. „Ich stehe voll zu den in Bayern fest verwurzelten Traditionen der vielen Schützenvereine.“ Dabei denke er auch an Ausnahmesportler wie die Biathletin Magdalena Neuner. Auch die Jagd sei ein seit Jahrhunderten gewachsenes Kulturgut, das eine wichtige Funktion beim Erhalt der vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt erfüllt. Das ist genau das, was der Landesjagdschulleiter Egbert Urbach in jeder Diskussion zu erklären versucht. Er sagt: „Von einer Waffe geht keine Gefahr aus – nur von der Person dahinter.“

Katrin Woitsch

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