Fronleichnamsprozessionen

Waffen: Ein Ort darf, der andere nicht

Bad Endorf/München - Der Streit um das Tragen von Waffen bei Fronleichnamsprozession im Chiemgau ist mit einem salomonischen Urteil beigelegt worden. Ein Ort darf, der andere nicht.

In Stephanskirchen bei Rosenheim dürfen die Gebirgsschützen ihre Karabiner weiterhin tragen, im benachbarten Bad Endorf bleiben die Gewehre hingegen im Schrank. Darauf haben sich Vertreter des dortigen Pfarrverbandes und der Gebirgsschützen geeinigt, wie das Erzbischöfliche Ordinariat am Donnerstag in München mitteilte. Das vom Pfarrverbandsrat angestrebte Waffenverbot hatte nicht nur bei Gebirgsschützen Kopfschütteln ausgelöst.

Bei der Stephanskirchener Fronleichnamsprozession - dieses Jahr am 30. Mai - begleiten künftig nur mehr vier bewaffnete Schützen den sogenannten Himmel, unter dem die Monstranz getragen wird. „Auf diese Weise soll gewährleistet werden, dass das Allerheiligste nicht durch Waffen tragende Gebirgsschützen verdeckt ist“, erläuterte das Ordinariat. Die übrigen Schützen reihten sich mit ihren Karabinern hinter dem Himmel in der Prozession ein. Bei der Endorfer Prozession sind Waffen hingegen wie bisher auch tabu.

An Fronleichnam steht der Herr im Mittelpunkt

„Wir hoffen, dass es eine wegweisende Entscheidung ist für die Kirche im Umgang mit Traditionsgruppen“, kommentierte der Hauptmann der Bad Endorfer Gebirgsschützenkompanie, Josef Entfellner, den Kompromiss laut Ordinariat. Und der zuständige Pfarrer Stefan Bauhofer fügte hinzu: „Wir wünschen uns, dass Frieden einkehren möge. An Fronleichnam stehen nicht wir im Mittelpunkt, sondern der Herr.“

Angst vor falschem Signal an Kinder

Das geplante Waffenverbot hatte in der Chiemgauregion viel Staub aufgewirbelt. Dem „Münchner Merkur“ sagte der Landeshauptmann der bayerischen Gebirgsschützen, Karl Steininger: „Hier geht es um eine Jahrhunderte alte Tradition.“ Die Geschichte der Gebirgsschützen reiche bis ins 14. Jahrhundert. Pfarrverbandsrätin Brigitte Schiebel hatte hingegen argumentiert, das öffentliche Zurschautragen von Waffen sei unzeitgemäß. „Was ist das für ein Signal an die Kinder, wenn ich heutzutage eine Waffe tragen muss, um mich zu schützen“, hatte sie in der Zeitung gefragt.

Dem Erzbischöflichen Ordinariat musste daran gelegen sein, es sich mit den Gebirgsschützen nicht zu verscherzen. Denn die Traditionstruppe fehlt bei praktisch keinem katholischen Fest am bayerischen Alpenrand. Der emeritierte Papst Benedikt XVI. ist Ehrenmitglied der Kompanie Tegernsee. Und als Kardinal Reinhard Marx sein Amt als Münchner Erzbischof antrat, schossen ihm Gebirgsschützen vor dem Liebfrauendom einen laut tönenden dreifachen Ehrensalut.

Vom Berchtesgadener bis zum Werdenfelser Land gibt es 47 Kompanien. Ihnen gehören 12.000 Mitglieder an. Einst waren die Gebirgsschützen im Alpenraum kämpfende Truppen, Heute gelten sie als Hüter des sogenannten wehrhaften Brauchtums im Freistaat. Ihre Schutzpatronin ist die Muttergottes Maria, Schutzherr der jeweilige Ministerpräsident.

dpa/lby

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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