Der Verurteilte mit seinem Anwalt (links). foto: piffer

Waffenhandel im Landratsamt: Mitarbeiter muss hinter Gitter

Laufen/Altötting - Ein beispielloser Fall von illegalem Waffenhandel hat sich ausgerechnet an einem Landratsamt abgespielt. Ein Mitarbeiter verscherbelte von Bürgern abgegebene Gewehre und Pistolen für viel Geld.

Wegen illegalen Waffenhandels in sieben Fällen hat das Schöffengericht Laufen im Berchtesgadener Land den ehemaligen Waffensachbearbeiter Rainer M. aus dem Landratsamt in Altötting zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Der 49-Jährige habe über Jahre hinweg aus Profitgier mit Schusswaffen gehandelt. Seine unversteuerten Nebeneinkünfte dürften sich laut Gericht auf mindestens 90 000 Euro summiert haben.

Auf Rainer M. war die Kripo im Zuge der Ermittlungen gegen die sogenannte „Altöttinger Autobumserbande“ gestoßen. Dabei stellte sich heraus, dass einer aus der Bande Waffen und Waffenschein direkt von dem Sachbearbeiter aus dem Landratsamt bezogen hatte, berichtete vor Gericht ein Kripobeamter. Im Gegenzug habe M. für Reparaturen an seinen Autos nichts bezahlen müssen. Den Verkauf von 372 Waffen konnten die Ermittler belegen. 200 weitere waren bekannt, aber die Kripo stellte die Arbeit ein, weil sie personell dazu nicht mehr in der Lage war.

Die Gewehre, Pistolen und Revolver stammten größtenteils von Bürgerinnen und Bürgern, die die Schießeisen zur Entsorgung, teilweise auch zur Verwertung im Landratsamt abgegeben hatten. Keiner von denen hatte eine Ahnung, dass damit illegale Geschäfte gemacht würden, berichtete der Kripobeamte von seinen Gesprächen mit den einstigen Besitzern. Die Waffen wurden im Amt übergeben, dabei hätten die Türen zu Kollegen aber auch zum Abteilungsleiter meist offen gestanden - auch als Interessenten die Waffen im Landratsamt abholten und die Kaufsummen in bar über den Tresen geschoben wurden. Doch weder Käufer noch Kollegen ahnten, dass M. in aller Öffentlichkeit Straftaten beging. Zu groß war offenbar das Vertrauen in den 49-Jährigen, der gleich nach der Mittleren Reife im Landratsamt eine Lehre begonnen hatte und sich den Ruf eines kompetenten und korrekten Mitarbeiters erworben hatte.

Er hatte ungehinderten Zugang zu den in der Asservatenkammer des Amtes gelagerten Waffen. Von dort holte er rund 150 Pistolen und Revolver unbemerkt ab und brachte sich zu sich nach Hause. Zusammen mit seinen eigenen Waffen lagerte M. so im Keller seines Mehrfamilienhauses in Kirchweidach fast 200 Schusswaffen und 50 Kilogramm Munition - versperrt nur durch eine einfache hölzerne Kellertüre. „Ich mag nicht daran denken, was alles hätte passieren können, wenn ein Einbrecher dorthin gelangt wäre“, sagte der Vorsitzende Richter.

In dem Keller zerlegte M. die Waffen, fotografierte und katalogisierte sie und stattete sie mit Preisschildern aus. Vor Gericht erklärte er dies damit, dass er sich so auf eine Prüfung als Waffenexperte vorbereiten wollte. „Ich möchte nichts beschönigen, aber ich wollte diese Waffen wirklich nicht verkaufen“, beteuerte der Angeklagte.

Doch er handelte nicht nur illegal mit Waffen, sondern betrog dabei auch seine Kunden. Wie ein Kripobeamter dem Gericht schilderte, hatte M. von einer Witwe aus Neuötting zwei Pistolen zum Weiterverkauf erhalten. Er erzählte der Frau von einem Interessenten, der 500 Euro für die Pistolen zahlen würde - tatsächlich aber verkaufte er das Stück, eine Rarität, für 2300 Euro an einen Sammler.

Die Staatsanwaltschaft forderte gestern eine vierjährige Freiheitsstrafe, der Verteidiger schlug eine maximale Strafe von zwei Jahren und neun Monaten vor. Genauso fiel die vom Gericht verhängte Freiheitsstrafe dann aus. Zudem werden 30 000 Euro, die M. durch den Waffenhandel verdient hat, und Waffen im Wert von 20 000 Euro einbehalten.

Der Richter kritisierte auch das Landratsamt Altötting. Dort sei es M. sehr leicht gemacht worden. „Der Grundsatz ,Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser’ ist im Landratsamt Altötting wohl unbekannt“, sagte er.

Robert Piffer

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