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Tritt nach 24 Jahren nicht mehr an: Bruni Mayer.

Wahl in Rottal-Inn: Die Königin dankt ab

Pfarrkirchen - 24 Jahre hat Bruni Mayer als Landrätin regiert. Mit dem Abschied der 64-Jährigen endet eine Ära. Jetzt übernimmt ein Mann das Ruder im Landkreis Rottal-Inn.

Für manche war sie die Königin des Rottals. Bruni Mayer lenkte die Geschicke ihres Landkreises mit einer fast mütterlichen Leidenschaft. Jetzt, nach 24 Jahren an der Macht, will sie nicht mehr antreten. Ihr Alter, sagt die 64- Jährige, das spüre sie mittlerweile. Außerdem hat sie ihren wichtigsten Berater verloren. Ihren Ehemann, Ludwig Mayer, den König des Rottals. Oder, wie viele ihn nannten, der „Biasch“.

Vor sechs Jahren war Mayer nach schwerer Krankheit verstorben. Wenn die Landrätin Rat sucht, geht sie an sein Grab, erzählt sie. „Du kannst ned nur schlafen. Hilf mir“, sagt sie dann. Doch Ludwig kann ihr nicht mehr helfen.

Mit ihm fing alles an. Ludwig Mayer regierte im Rottal ab 1972 als CSU-Landrat. Volksnah, durchsetzungsfähig und wohl auch ein wenig selbstherrlich. Im Laufe der Jahre griff er zu rechtlich unsauberen Methoden. Wie der Spiegel damals berichtete, verwendete er eine Spende an ein Krankenhaus in Höhe von 40 000 Mark lieber für Kirchen und Kindergärten. Dann verschaffte er dem Kreiskrankenhaus eine Intensivstation sowie eine Röntgenanlage. Für ihn war es kreatives Verhandeln, rechtlich aber war es Subventionsbetrug. Die Bezirksregierung setzte den eigensinnigen und aufmüpfigen Landrat 1983 ab. Trotz allem wurde er ein Jahr später wiedergewählt. Das Verwaltungsgericht aber hob das Votum auf, der König des Rottals musste abdanken.

Dann kam Bruni. 1987 trat sie auf Anraten ihres Mannes für eine unabhängige Wählergemeinschaft an. Als einzige Frau unter sechs Bewerbern setzte sie sich durch. Viele, die damals ihr die Stimme gaben, meinten eigentlich Ludwig. Nun war sie die Königin und er ihr engster Berater. Es dauerte bis zur zweiten Amtsperiode, dann hatte sich Bruni von ihm „freigeschwommen“, wie sie sagt.

Die gelernte Modistin hatte zunächst keine Ahnung von Verwaltung. Doch unerschrocken setzte sie sich gegen die männliche Übermacht durch. Sie war volksnah, einfühlsam, beliebt – oft auch stur und emotional. Im Juli wurde sie mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet. „Sie kann stolz sein auf ihr Lebenswerk“, lobte Innenminister Joachim Herrmann. 39 Jahre hatten die Mayers die Macht im Landkreis. Nun ist ihre Ära zu Ende.

Bei der Abstimmung am Sonntag trat kein Mayer mehr an. Auch keine Frau. Am Ende siegte die CSU mit großem Vorsprung. 60,28 Prozent der Wähler entschieden sich für Michael Fahmüller. Die Wahlbeteiligung lag bei 41,44 Prozent. Bei der vorherigen Landratswahl 2005 hatten noch 72 Prozent ihre Stimme abgegeben.

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