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Bei dem Horror-Unfall starben vier jungen Frauen.

Horror-Unfall mit vier Toten: Autofahrer freigesprochen

Freyung - Nach einem Unfall mit vier getöteten jungen Frauen ist ein junger Autofahrer vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen worden.

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Mit vielen Tränen, mit vielen Schuldvorwürfen war gerechnet worden vor dem Prozess um den tragischen Unfalltod von vier Mädchen vor neun Monaten bei Waldkirchen. Die Polizei hatte daher eigens Beamte fürs Amtsgericht Freyung abgestellt, die die Angehörigen der Opfer und den angeklagten Koch Thomas A. (19) trennen sollten.

Doch Urteil und Reaktionen fielen anders aus als von vielen erwartet: Um 14.08 Uhr sprach Amtsrichter Klaus Fruth am Mittwoch Thomas A. frei. Viele Zuschauer reagierten fassungslos. Der Unfall vom 20. April 2009 war „eine Tragödie, wie ich sie noch nie erlebt habe“, gestand Richter Fruth ein. Fünf Mädchen und drei Jungs hatten sich an jenem Abend an der Baywa in Waldkirchen verabredet, wollten mit ihren Autos zu McDonald’s nach Freyung fahren. „Die Mädels wirkten glücklich“, berichtete Zeuge Michael H. (18) dem Gericht. Jeanett B. (19) hatte gerade erst ihren Führerschein gemacht, wollte ihre neue Freiheit auskosten. „Ganz langsam fuhr sie los“, sagte Judith F. (14) aus, die im Wagen ihres Freundes Thomas A. hinter Jeanetts Fiat Bravo mitfuhr. In der Senke der Staatsstraße 2132 zwischen Schiefweg und Wotzmannsreuth riss Thomas A. offenbar der Geduldsfaden.

Judith: „Er setzte zum Überholen an. Als wir auf Höhe des Fiats waren, habe ich den Mädels rübergewinkt. Doch Jeanett blickte starr auf die Fahrbahn.“ Als ihm auf der Gegenfahrbahn ein Mazda entgegenkam, musste Thomas rasch wieder einscheren – nach Ansicht von Staatsanwalt Stefan Berger jedoch zu rasch: „Der Angeklagte ist bei seinem Überholvorgang rücksichtlos und grob verkehrswidrig gefahren.“ Als er im Rückspiegel den Zusammenprall von Jeanetts Wagen mit dem Mazda, dem er selbst gerade noch ausweichen konnte, sah, soll er nur noch „Scheiße, Scheiße“ geschrien haben. Die Ermittlungen ergaben, dass Fahrerin Jeanett B. offenbar aufs Bankett geraten war, das Lenkrad verriss und ihr Auto ins Schleudern kam. Die Fahrerin sowie ihre Begleiterinnen Nicole F., Christina S. und Tanja S. (alle 17) hatten keine Überlebenschance.

Thomas A. hielt sofort an, hastete zu Unfallstelle. Er konnte nichts mehr tun. Polizisten, die zuerst am Unfallort eintrafen, sagte er apathisch: „Wegen mir ist es passiert.“ In späteren Vernehmungen gab er zu, dass er seine Freundinnen nur deshalb an der unübersichtlichen Stelle überholt hatte, um rascher auf die Toilette zu kommen. Auch Kratzer an seinem Suzuki Swift, die auf eine Berührung mit Jeanetts Fiat schließen ließen, schienen ihn anfangs schwer zu belasten. Denn die Staatsanwaltschaft ging in ihrer Anklage davon aus, dass Jeanett von Thomas A. entweder abgedrängt oder doch so erschreckt wurde, dass sie das Lenkrad verriss. Nichts von alldem war im Prozess schließlich nachweisbar.

Gutachter Hubert Rauscher: „Auch ein isolierter Fahrfehler von Jeanett B. ist als Unfallursache möglich.“ So blieb Staatsanwalt Stefan Berger nur der Schluss: „Auch wenn ich mir zu 90 Prozent sicher bin, ich kann dem Angeklagten nicht mit der erforderlichen Sicherheit nachweisen, dass er die Hauptursache für den Unfall gesetzt hat.“ Dem schloss sich der Richter an. Um 14.15 Uhr verließ Thomas A. das Gericht als freier Mann. Er will nun seine Kochlehre abschließen und „mein Auto abbezahlen“. Das waren auch die einzigen Worte, die er zum Prozess beitrug.

Horror-Unfall in Ostbayern: Vier Mädchen sterben

Zeugin: Ich spüre keine Wut in mir

Sie hat den Horror-Unfall von Waldkirchen, bei dem vier Mädchen starben, überlebt – doch Hannelore M. (49) leidet noch immer unter den Folgen. Am 20. April 2009 war sie auf dem Heimweg von ihrer Arbeit in einer Krankenhaus-Kantine, als ihr auf der Staatsstraße 2132 zwischen Schiefweg und Wotzmannsreuth plötzlich der Suzuki Swift von Thomas A. entgegenkam: „Ich sah vier Scheinwerfer nebeneinander, dachte noch, das wird jetzt aber eng – und ging auf die Bremse.“

Dann habe sie einen Filmriss ­gehabt. Sie spürte noch, dass es „einen Schepperer“ gab: „Danach beugte sich eine Frau zu mir ins Auto und fragte, wie es mir geht.“ Ihr Mazda war mit dem ins Schleudern geratenen Fiat Bravo von Jeanett B. (19) kollidiert. Beide Fahrzeuge gerieten in Brand, nur Köchin Hannelore M. konnte lebend gerettet werden. „Ich erfuhr erst im Krankenhaus von einer anderen Patientin, dass bei dem Unfall vier Mädchen ums Leben gekommen waren. Das war ein Wahnsinn, dieses Gefühl gönne ich nicht meinem ärgsten Feind.“

Fünf Wochen lag sie im Krankenhaus, noch heute beeinträchtigen sie die erlittenen Brüche und inneren Verletzungen. Wut für den als Unfallverursacher angeklagten Thomas A. empfand sie nach ihrer Aussage gestern im Freyunger Amtsgericht dennoch nicht: „Man muss sich damit abfinden. Darüber zu spekulieren ginge mir viel zu sehr an die Substanz.“

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