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Walter Mixa will zurück nach Augsburg. Im Juli – so heißt es – werde er zum Papst nach Rom reisen.

Walter Mixa gibt nicht auf

Augsburg - Der frühere Augsburger Bischof Mixa hofft offenbar auf seine Rehabilitierung. Während Spekulationen über vermeintliche Intrigen gegen Mixa kursieren, ist man sich in Kirchenkreisen sicher: Ein Zurück nach dem Rücktritt ist undenkbar.

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Mixa wieder im Bischofspalais

„Die Annahme eines Rücktritts ist ein endgültiger Akt. Das kirchliche Verfahren für die Neubesetzung des Bischofsstuhls läuft ja längst.“ Mit diesen Worten reagierte der bisherige Sprecher des Priesterrates im Bistum Augsburg, Bernhard Ehler, auf Medienberichte, nach denen der frühere Augsburger Bischof Walter Mixa auf eine Rehabilitierung hofft. In der „Welt am Sonntag“ zeigt sich Mixa, der nach Prügel- und Untreuevorwürfen am 21. April beim Papst um seine Entlassung gebeten hatte, enttäuscht über das Vorgehen der Kirchen-Verantwortlichen. Dabei bezog er sich auf den gegen ihn erhobenen Missbrauchsverdacht, der sich nicht bestätigt hatte.

Priesterwallfahrt in Rom

Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx lobt die Aussagen von Papst Benedikt XVI. zum Thema Missbrauch beim Abschluss des Priesterjahrs. „Ich glaube, der Papst hat den richtigen Ton getroffen“, sagte Marx gestern in Rom. Er habe das Thema nicht zum Zentrum des ganzen Treffens gemacht, aber er habe es auch nicht verschwiegen. Wie in den vergangenen Monaten schon mehrfach habe er „deutlich gemacht, dass die Kirche auf diese dunklen Seiten schauen muss. Dies hat er in einer Art und Weise getan, die nach vorne weist.“ Marx war mit 36 Priestern aus dem Erzbistum bei dem Treffen. Auch der bisherige Sprecher des Augsburger Priesterrates, Bernhard Ehler, war in Rom. „Es wurde grundsätzlich der Blick nach vorn gerichtet. Wir müssen das Vertrauen der Gläubigen auf der Basis unseres Glaubens zurückgewinnen.“ Durch die neuen Schlagzeilen werde aber wieder Verunsicherung gestreut. Eine schnelle Nachfolgelösung für Augsburg sei wünschenswert. Doch es dürfe auch kein Schnellschuss sein, den man hinterher bereue.

kna/cm

In der „Welt am Sonntag“ wird behauptet, höchste Würdenträger der Kirche seien maßgeblich daran beteiligt gewesen, dass Mixa zu Unrecht unter Verdacht geraten sei. Dabei bezieht sich das Blatt auf Ermittlungsergebnisse, wonach die falsche Anschuldigung gegen Mixa auf einer acht Sätze langen Notiz beruhe, die keinen konkreten Hinweis auf eine Straftat erhielt. Dieses Papier habe der Augsburger Weihbischof Anton Losinger am 3. Mai der Generalstaatsanwaltschaft übergeben. Das angebliche Missbrauchsopfer habe erst aus der Presse von dem Fall erfahren und den Verdacht umgehend als unbegründet zurückgewiesen. Losinger verteidigte sein Vorgehen. Er habe die volle Unterstützung der Bischofskonferenz.

Auch Helmut Mangold, Vorsitzender des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Augsburg, betont: „Das Vorgehen um den Verdacht des Missbrauchs ist ganz strikt nach den Richtlinien der Bischofskonferenzen erfolgt, die auch Mixa unterschrieben hat.“ Wenn man von einem Verdacht erfahre, müsse er sofort an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet werden. Allerdings hätte das vertraulich behandelt werden müssen. Mangold hält aber die Vorgänge zuvor - die geleugneten, dann eingestandenen Prügel von Heimkindern und die finanziellen Ungereimtheiten im Umgang mit Geldern aus der Waisenhauskasse - für die eigentlichen Gründe, die zur Annahme des Rücktrittsgesuch geführt haben. Mixa hätte von Anfang an offen und ehrlich auf die Vorwürfe reagieren müssen.

Inzwischen kursieren Geschichten, nach denen Mixa drei Tage nach seinem Rücktrittsangebot dieses zurückgezogen habe. Später sei er vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, dem Freisinger Erzbischof Robert Zollitsch, und dem Münchner Erzbischof Reinhard Marx „gezwungen“ worden, ein erneutes Rücktrittsschreiben an den Papst zu richten. Doch es gibt auch eine andere Lesart. Zu fragen wäre, ob nicht Marx und Zollitsch sogar im Auftrag des Papstes noch einmal mit Mixa gesprochen haben. In Kirchenkreisen ist man sich einig, dass Mixa durch die geleugneten Prügel und die Finanzunregelmäßigkeiten seine Wahrhaftigkeit eingebüßt hatte.

Laut Mangold würden nun Märchen konstruiert, aus denen man einen schönen Krimi schreiben könnte. „Die Sache ist erledigt. Man muss jetzt einen Weg in die Zukunft finden. Einen Weg, der auch die Würde von Mixa berücksichtig.“ Einen Rücktritt vom Rücktritt hält er für chancenlos. Er hofft aber, dass der Papst nach gegebener Zeit für Mixa eine Aufgabe im Vatikan finde. Das Hauptproblem sei jedoch, dass dieser zurück wolle in die Diözese Augsburg. Das aber würde die Spaltung nur verstärken.

Der Diözesanratsvorsitzende wünscht sich, dass Mixa einen Ratgeber findet, „der ihm klarmacht, wie die Wirklichkeit aussieht“. Und die beschreibt ein Insider so: „Was wäre das für ein öffentliches Echo, wenn der Papst den Rücktritt eines Bischofs zurücknähme, der Kinder geprügelt und gelogen hat und dem man Veruntreuung von Geldern zur Last legt?“ Mangold sieht es so: „Walter Mixa lebt in einer Fantasiewelt. Das ist anscheinend das Problem.“

Claudia Möllers

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