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Auf geht’ ins Gebirge: Am Bahnhof Neustadt war der Bahnsteig am Sonntag rappelvoll.

Wanderer-Ansturm: Berg statt Wiesn

München - Nicht nur auf der Wiesn wuselte es am Wochenende nur so vor Leuten, sondern auch in den Bergen. Während die einen Bergretter entspannte Tage hatten, mussten die anderen dutzende Male ausrücken. Auch wegen eines armen Ochsen.

24 Grad, blauer Himmel und Sonnenschein lockten am Wochenende tausende Bergsteiger ins Gebirge. Parkplätze waren rappelvoll, vor den Berghütten gab es Schlangen, die denen auf dem Oktoberfest in nichts nachstanden. „20 Minuten für ein Bier anstehen war da völlig normal“, erzählt ein Bergsteiger vom Heimgarten. Heino Seeger, Chef der Bayerischen Oberlandbahn, zeigte sich hingegen zufrieden mit dem Ansturm auf die Berge am Wochenende. „Unsere Züge waren sehr gut besetzt“, sagt Seeger. Extra-Waggons seien aber nicht nötig gewesen.

Weniger entspannt ging es da schon bei der Garmisch-Partenkirchener Bergwacht zu. „An diesem Wochenende waren überdurchschnittlich viele Leute in den Bergen unterwegs“, erzählt Einsatzleiter Hannes Zollner. Und sehr viele Leute bedeuten in der Regel auch sehr viele Einsätze. 13 Mal waren die Garmischer Bergretter von Freitag bis Montag ausgerückt. Kreislaufbeschwerden, Felsstürze oder schlichtweg überforderte Bergsportler hielten die Retter auf Trab. „Einen Mann mussten wir aus einem Klettersteig retten, der konnte nicht mehr vor und nicht mehr zurück“, sagt Zollner. Ein Hubschrauber wurde angefordert, aus dem sich ein Bergretter abseilte und den Mann bergen konnte.

Solche physischen und psychischen Blockaden bei den oftmals wenig erfahrenen Bergsportlern häufen sich seit einigen Jahren: Kürzlich veröffentlichte der Deutsche Alpenverein eine Statistik, der zufolge die sogenannte Blockierung der Sportler am Berg um 30 Prozent zugenommen hat.

Doch auch erfahrene Kletterer waren am Wochenende nicht vor Unfällen gefeit. Ein 26-jähriger Soldat aus der Bad Reichenhaller Gebirgsjägerkaserne stürzte am Samstagvormittag rund 20 Meter über steiles Schrofengelände ab – ein Gelände mit vielen Steinen und Felsen, an dem auch mit Hilfe der Hände geklettert wird. Der junge Mann erlitt Verletzungen an Kopf, Armen und Beinen. Ein Freund, der mit ihm gemeinsam am Berg unterwegs war, alarmierte die Rettungskräfte. Ein Hubschrauber der österreichischen Bergrettung flog den Verunglückten ins Tal. Der deutsche Hubschrauber war gerade bei einem anderen Einsatz.

Doch nicht auf allen Bergen war so viel los. Die Retter der Bergwacht Bayrischzell mussten nur einmal ausrücken – ein erschöpfter Bergsteiger wurde ins Tal gefahren. Während an manchen Gipfelkreuzen ein ungestörtes Erinnerungsfoto praktisch unmöglich war, war auf der Vogelkarspitze im Karwendel das Feld frei für einmalige Schnappschüsse. Ein wenig mehr Trubel gab es in Oberau im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Dort fand gestern die mittlerweile traditionelle Demonstration der Oberauer statt, die einen Tunnel für den verkehrsgeplagten Ort fordern. Dazu legten die rund 800 Bürger den Verkehr durch das Dorfzentrum lahm und sorgten so für lange Rückstaus bei den heimkehrenden Bergsteigern.

Bei der Garmisch-Partenkirchener Bergwacht jedenfalls wird es ab heute wieder ein wenig ruhiger zugehen. Auch wenn der eine oder andere Einsatz nicht nur für Stress bei den Retter sorgte. „Am Samstag rief bei uns ein Bergwanderer an, er hätte eine erhängte Person an einem Weidezaun gesehen“, erzählt Hannes Zollner. Daraufhin habe sich sofort ein Trupp von Bergrettern auf den Weg dorthin gemacht.Anstelle des Erhängten fanden sie an der Stelle aber einen Ochsen, der sich mit seiner Glocke um den Hals am Zaun verfangen hatte. Dem Ochsen wurde unverzüglich geholfen.

Von Patrick Wehner

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