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Was passiert bei der Hitze eigentlich mit den bayerischen Seen?

Wann kippt Wasser um?

Was die Hitze mit Bayerns Seen macht

München - An Bayerns Badeseen werden mittlerweile bis zu 28 Grad gemessen. Aber wieviel Hitze vertragen unsere Seen eigentlich, bevor sie umkippen?

In den vergangenen Tagen hieß es: Sonne satt in Bayern – da durfte der Besuch am nächstgelegenen Badesee nicht fehlen. Dabei ist der Sprung in viele bayerischen Seen derzeit gar nicht mehr so erfrischend. Denn manche Gewässer kratzen schon an der 30-Grad-Marke. Am Wörthsee wurde zuletzt eine Wassertemperatur von 27 Grad gemessen, genau wie am Chiemsee. Am Waginger See oder dem Simssee sind es sogar 28 Grad. Badewannen-Temperaturen. Müssen sich die Badegäste deshalb Sorgen machen? Schließlich kann so ein Gewässer ja irgendwann umkippen.

„Die großen Seen kippen so schnell nicht um“, beruhigt Herwig Stibor, Professor für Aquatische Ökologie an der LMU München. „Sie haben genügend Tiefenvolumen, um die warmen Temperaturen auszugleichen.“ Der Chiemsee beispielsweise ist 73 Meter tief. Weil kälteres Wasser eine größere Dichte hat, sinkt es nach unten. Tiefe Seen haben also genug Kaltwasserreserven in der Tiefe, um die Hitzewelle zu überstehen.

Aber wann spricht man von einem „umgekippten“ Gewässer? „Da gibt es keine saubere Definition“, erklärt Stibor. „In der Regel bezeichnet man einen See dann als umgekippt, wenn die Fische sterben.“ Und das passiert, wenn zu wenig Sauerstoff im Wasser vorhanden ist. Je kälter das Wasser, desto mehr Sauerstoff kann gelöst werden. Heizt die Sonne die Seen auf, wird nicht nur weniger Sauerstoff gelöst, die Fische veratmen auch gleichzeitig mehr.

Besonders die heimische Forelle oder der Saibling brauchen viel Sauerstoff. Bei anhaltender Hitze kann es sein, dass davon nicht mehr genügend vorhanden ist. Bei kleineren Weihern und Fischzuchtanlagen kommt das immer wieder vor. Im Juni musste etwa die Feuerwehr Frischwasser in den unterfränkischen Bürgleinsee pumpen, um die Fische zu retten. Besonders flache Gewässer sind gefährdet. „Wenn es jetzt noch weitere zwei oder drei Wochen so heiß bleibt, könnte es für manche kleineren Weiher kritisch werden“, sagt Stibor. Für die großen bayerischen Seen sieht er aber keine Gefahr.

Trotzdem kann eine anhaltend hohe Wassertemperatur auch hier Auswirkungen haben. Fäulnis und Algenbildung nehmen zu, wie eine Sprecherin des Bayerisches Landesamts für Umwelt erklärt – besonders in nährstoffreichen Seen oder staugeregelten Gewässern. Auch Bakterien bilden sich schneller. Diese Werte werden aber streng überwacht.

Für Badegäste gilt es zudem noch einen weiteren Effekt zu beachten. An der Oberfläche ist das Wasser derzeit sehr aufgeheizt. Aber schon nach wenigen Metern kann die Temperatur stark abnehmen. „Wenn die Seen jetzt an der Oberfläche 27 Grad haben, können sie trotzdem nach ein paar Metern schon 12 oder 13 Grad kalt sein“, sagt Stibor. Wer also mit Wucht in den See hüpft, trifft schnell auf kalte Wassermassen – und das kann Krämpfe zur Folge haben. Also Vorsicht, auch wenn die kühle Erfrischung lockt.

Spätestens im Herbst regenerieren sich die Seen dann von alleine. „Das muss man sich wie eine große Waschmaschine vorstellen“, sagt Stibor. Kalte und warme Wassermassen mischen sich und gleichen sich aus. Dafür muss es aber nicht erst Herbst werden. „Schon nach ein paar kühleren Tagen startet der Ausgleich.“ Das könnte schon in den nächsten Tagen passieren: Denn der Deutsche Wetterdienst sagt starke Unwetter, Regen und kühlere Temperaturen voraus.

Dominik Göttler

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