Situation in den Alpen spitzt sich zu

Der warme Tod bedroht Bayerns Gletscher

München - Die Situation in den Alpen spitzt sich zu: In 20 bis 30 Jahren könnte es in Bayern nur noch einen einzigen Gletscher geben. Das zeigt ein Bericht, den Umweltminister Marcel Huber am Montag vorgestellt hat.

Marcel Huber (CSU) kann sich gut erinnern. Schon als Bub war der bayerische Umweltminister gern in den Bergen – und beeindruckt vom Blaueis, einem Gletscher in den Berchtesgadener Alpen. Heute hinterlässt der Anblick der Eisfläche noch immer bleibenden Eindruck – einen traurigen. Vor 35 Jahren war das Eis „wesentlich mächtiger“, beschreibt Huber, der gestern den ersten Bayerischen Gletscherbericht vorstellte. Dieser zeigt, wie der Klimawandel bereits seine Spuren hinterlassen hat, welche Entwicklung zu erwarten ist – und welche Einflussfaktoren dem Eis zusetzen.

Die Daten bestätigen den Eindruck: Die Massive schrumpfen unaufhörlich. Das ist nicht neu – das Ausmaß schon. In den vergangenen 200 Jahren ist die Eisfläche von vier Quadratkilometern auf 0,7 geschrumpft. Von den fünf Gletschern im Freistaat (siehe Kasten) wird es in 20 bis 30 Jahren wohl nur noch einen geben – den Höllentalferner an der Nordseite der Zugspitze.

„Der Bericht soll aufklären, aufrütteln und aktivieren“, betonte Huber. „Gletscher sind Mahnmale des Klimawandels. Sie reagieren besonders schnell und stark auf die Veränderungen des globalen Klimas. “ Der Minister sagte, dass die Temperaturen in den Alpen „doppelt so schnell ansteigen wie im globalen Durchschnitt“. Bis zum Jahr 2100 sei ein Plus von drei bis sechs Grad zu erwarten. Die hohen Temperaturen brächten nicht nur den Verlust der „Naturwunder“ mit sich – sondern auch häufiger Naturkatastrophen und die Zunahme an alpinen Gefahren wie Murenabgängen und Steinschlägen. Außerdem verschieben sich Vegetationszonen und Lebensräume. Für Huber ist klar: Jeder muss mithelfen, das Klima zu schützen. „Auch Bergsportler.“

Dem stimmt der Vizepräsident des Deutschen Alpenvereins (DAV), Ludwig Wucherpfennig, zu. Es sei wichtig, „den Bergsport natur- und umweltverträglich zu gestalten“. Das fängt schon bei der Anreise an. Doch Wucherpfennig befürchtet: „Für die bayerischen Gletscher kommen die Bemühungen zu spät. Der Bericht könnte in 20 Jahren ein Rückblick sein.“

Das möchten zum Beispiel die Mitarbeiter der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB) verhindern. Deshalb wird jedes Jahr ein Teil des Scheeferners mit Planen abgedeckt, um das Schmelzen zu verhindern. „Es ist unsere Aufgabe, den Gletscher zu schützen“, sagt Pressesprecherin Verena Lothes. Doch: „So ganz werden wir den Rückgang nicht aufhalten können.“

Dem stimmt Christoph Mayer zu. Der Experte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München hat mit seinem Kollegen Wilfried Hagg den Bericht verfasst. Von der Abdeck-Aktion auf der Zugspitze hält er nichts. Im Gegenteil: Mayer findet es „kontraproduktiv“. Es diene „nur dem Skigebiet“. Der Gletscherrückgang sei „ein Indikator“ für den Klimawandel, den man „nicht schützen muss“ – sondern beobachten, um zuverlässige Erkenntnisse zu gewinnen.

So nüchtern sieht man das in Garmisch-Partenkirchen nicht. Immerhin ist der Schneeferner der „höchstgelegene Gletscher in Deutschland“, sagt Lothes. „Und der gehört zur Zugspitze dazu.“

Katrin Martin

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