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Mehr Lohn und bessere Verträge: Beschäftigte im öffentlichen Dienst ziehen morgen auf die Straßen.

Warnstreik im öffentlichen Dienst

Protestaktionen in vier bayerischen Städten

Sie fordern mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen. Deshalb gehen morgen in vielen Städten Bayerns Beschäftigte im öffentlichen Dienst auf die Straße, um zu protestieren. Sie wollen vor der dritten Verhandlungsrunde ein deutliches Signal an die Arbeitgeber senden.

München - Erst vergangene Woche haben in Nürnberg etwa 2000 Beschäftigte im öffentlichen Dienst gegen ihre Arbeitsbedingungen protestiert. Gegen befristete Verträge und fehlende Arbeitsplatzsicherheit. Für mehr Lohn und eine einheitliche Urlaubsregelung. Vor der dritten und vorerst letzten Verhandlungsrunde am Donnerstag wird noch einmal bundesweit gestreikt. In Bayern sind am morgigen Dienstag Demonstrationen geplant. In Augsburg, Erlangen, München und Regensburg gehen Mitarbeiter von Schulen, Hochschulen, Uni-Kliniken, Studentenwerken und Ministerien auf die Straße. Auch Autobahn- und Straßenmeistereien streiken. „Aber die Autofahrer werden davon nichts merken“, sagt Luise Klemens, Verdi-Landesbezirksleiterin in Bayern.

Der Forderungskatalog ist komplex. „In Behörden gibt es eine steigende Zahl von grundlos befristet Beschäftigten“, kritisiert Luise Klemens. „Immer mehr Menschen haben eine Befristung nach der anderen. Das ist kein Zustand.“ An Universitäten schätzt sie die Zahl der befristet Beschäftigten auf bis zu 70 Prozent. Nicht nur deshalb sind Uni-Mitarbeiter aufgerufen, morgen ihre Arbeit niederzulegen. Sondern auch, weil Erzieher von Kinder-Betreuungseinrichtungen in Universitäten laut Verdi weniger verdienen als Beschäftigte in kommunalen Einrichtungen.

Darüber hinaus fordern die Streikenden eine Lohnerhöhung von sechs Prozent, was die Arbeitgeber in den ersten beiden Verhandlungsrunden als „nicht finanzierbar“ abgewehrt hatten. „Der öffentliche Dienst tut sich schwer zum Beispiel Ingenieure zu finden“, begründet Luise Klemens die Forderung. Für Auszubildende soll es nach Ansicht der Arbeitnehmervertreter eine Übernahme-Regelung geben, zudem sollen sie einheitlich 30 Tage Urlaub bekommen und damit allen Kollegen gleichgestellt werden. Diese Maßnahmen würden Ausbildungsberufe laut Luise Klemens für junge Leute attraktiver machen und dem Lehrlingsmangel entgegenwirken. Ihre Erwartungen für morgen sind sehr groß. „Die Streiks sind ein deutliches Signal an die Arbeitgeber. Sie werden Eindruck machen!“

Die Bildungsgewerkschaft GEW beteiligt sich ebenfalls an den Warnstreiks. Sie hat Lehrer und Uni-Mitarbeiter aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen. Mit einschneidenden Unterrichtsausfällen ist jedoch laut GEW-Vorsitzendem Anton Salzbrunn nicht zu rechnen. „Streiken dürfen nur angestellte Lehrkräfte, nicht die Beamten.“ Weshalb damit zu rechnen sei, dass sich befristet Angestellte aus Angst um ihre Job-Verlängerung den Streiks fernhielten. Für die rund 12 000 angestellten Lehrer an staatlichen Schulen erhofft sich die GEW sechs Prozent mehr Lohn und eine verbesserte Staffelung der Lohngruppen. Auch wissenschaftliche Mitarbeiter und Hilfskräfte an Universitäten sollen bessergestellt werden.

Ob die Streikenden Erfolg haben, wird sich am Donnerstag bei der nächsten Verhandlungsrunde zeigen. Verdi-Landesbezirksleiterin Luise Klemens ist jedenfalls zuversichtlich: „Wir gehen davon aus, dass wir in den Verhandlungen einen kräftigen Schritt in Richtung Einigung machen.“

Corinna Erhard

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