Susanne Breit-Kessler, evangelische Regionalbischöfin für München und Oberbayern.

Wer anständig ist, kann nicht anders

Anstand ist mehr als Höflichkeit - Gastkolumne von Regionalbischöfin Susanne Breit-Kessler*

„Bitte“ und „Danke“ sind kleine, aber feine Worte. Abwarten, bis das Gegenüber ausgeredet hat, aufstehen, wenn ein alter oder ein Mensch mit Behinderungen einen Platz benötigt: Alles sehr anständig.

Ein gebrummeltes „hoppala“, wenn man anderen auf den Fuß gestiegen ist, ist dagegen wenig erquicklich. Ich bin dankbar, wenn ich in Mails nicht mit einem saloppen „Hallo“angesprochen werde. Hallo? Das Zusammenleben gewinnt an Qualität, wenn Menschen wissen, was sich gehört und was nicht. 

Anstand ist die Außenseite einer inneren Haltung, die einen anderen Menschen achtet. Die obendrein darauf schaut, dass er oder sie nicht übersehen, beschämt, gedemütigt oder ungerecht behandelt wird. Anstand ist mehr als bloße Höflichkeit oder Etikette. Ein anständiger Mensch: Das ist einer, der sich dafür entscheidet, respektvoll mit anderen umzugehen. Einem anständigen Menschen kann man vertrauen – das macht das Leben deutlich einfacher. 

Anstand verlangt Mut

„Das gehört sich (nicht)“ ist allerdings ein Satz, der hoffnungslos aus der Mode gekommen ist. Schade. Ich bekenne mich gerne zu solch nostalgischen Formulierungen - mehr noch zu der Mentalität, die dahinter steckt. Anstand könnte zum Beispiel weltweite Finanzkrisen verhindern, weil dann ehrlicherweise nur verkauft und gekauft würde, was man verstehen oder bezahlen kann. Das habe ich von redlichen Bankern und ehrbaren Kaufleuten gelernt. Anstand kann unbequem werden. Er kostet etwas. 

Gelegentlich die Sympathie anderer, wenn man nicht bei ihren Hetzereien in den unsozialen Medien mitmacht. Manchmal nächtliche Ruhe oder die Gesundheit, wenn ich an die denke, die sich gegen Fundamentalisten jeder Couleur engagieren und dafür von ihnen drangsaliert werden. Er verlangt Mut, wenn man denen in den Weg tritt, die schon wieder jüdische Mitbürger anspucken und attackieren. Aber wer anständig ist, kann nicht anders. Er bleibt bei der eigenen Überzeugung und sorgt nicht bloß für sich selber, sondern vor allem für seine Mitmenschen. Übrigens: Schamlos sind bloß die Unanständigen. Wer Anstand hat, kann sich auch schämen, vor allem für sich selbst.

*Susanne Breit-Kessler ist noch bis 1. Dezember evangelische Regionalbischöfin für München und Oberbayern. Künftig schreibt sie alle zwei Wochen eine Kolumne im Bayernteil.

Sie erreichen die Autorin per E-Mail unter: bayern@merkur.de

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