Warum geht der Feuerwehr der Nachwuchs aus?

München – Noch sind die Personalsorgen der Feuerwehren ein kleines Strohfeuer, bald könnten sie aber ein echter Flächenbrand werden. Denn den Wehren in Bayern drohen die Leute auszugehen. Eine Werbekampagne soll nun das Image der Rettungskräfte aufpolieren.

Zum Jahreswechsel waren sie wieder besonders gefordert – die örtlichen Feuerwehren. Verirrte Raketen sorgen jedes Jahr für unzählige Feuerkatastrophen. Dann hilft nur noch eines: Die Feuerwehr anrufen. Doch was tun, wenn die nicht kommt? Oder nur in Notbesetzung? Momentan ist das noch unvorstellbar. Bald könnte dieses Szenario bittere Realität werden. Denn den Wehren droht ein Personalnotstand.

7729 freiwillige Feuerwehren mit rund 320 000 aktiven Helfern gibt es aktuell in Bayern. Eine stolze Zahl, wie Alfons Weinzierl, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes Bayern, zufrieden feststellt. Er versichert: „In Bayern gibt es noch keine Personalprobleme.“ „Noch“ ist hierbei das entscheidende Wort. Denn auch bei den bayerischen Feuerwehren sind die fetten Jahre vorbei. Das muss auch der Feuerwehr-Chef eingestehen. „Mittel- und langfristig könnte es schwer werden die Zahlen zu halten“, gibt er zu. „Und dann bekommen wir ein Problem.“

Doch woran liegt das? Fast jeder kleine Bub träumt doch davon, eines Tages im roten Auto mit Blaulicht zu sitzen. Das Problem: Es gibt immer weniger Kinder im Freistaat. Stichwort demografischer Wandel. „Die Geburtenzahlen sind rückläufig. Weniger Nachwuchs bedeutet gleichzeitig weniger Kinder, die später Feuerwehrler werden möchten“, erklärt Weinzierl. Die Flaute in bayerischen Geburtstationen ist aber nur ein Grund. Denn vom Kindertraum „Feuerwehrmann“ bleibt spätestens in der Pubertät nicht mehr viel übrig. Das weiß auch Weinzierl: „Es wird zunehmend schwieriger, Jugendliche für das Ehrenamt zu begeistern. Viele haben keine Lust oder Zeit dazu“, sagt er. Aktuell seien zwar noch rund 50 000 Jugendliche in den freiwilligen Feuerwehren in Bayern aktiv, „Aber es ein deutlicher Rückgang zu befürchten.“

Für Abhilfe soll eine breit angelegte Werbekampagne sorgen, die das angestaubte Image der Feuerwehr aufpolieren soll. Gemeinsam mit dem Innenministerium startet deshalb ab September 2011 ein dreijähriges Projekt, mit dem gezielt Nachwuchskräfte angeworben werden sollen. „Wir planen Reklame auf Bussen, Aktionstage in Schulen und vieles mehr“, verrät der Feuerwehr-Chef.

Soweit der Blick in die Zukunft. Aber auch aktuell gibt es schon einige Brennpunkte, die Anlass zur Sorge geben. Weil Berufstätige immer häufiger Einsätzen fern bleiben, sind die Tagesalarmschichten zunehmend unterbesetzt. Gründe hierfür: Zum einen seien laut Weinzierl viele Freiwillige Pendler, die „nicht einfach mal schnell zu einem Einsatz in die Heimat ausrücken können“. Zum anderen klagen immer mehr Feuerwehrler darüber, dass sie sich nicht trauen vom Arbeitsplatz weg zu einem Einsatz zu fahren. „In Betrieben sind die Personalstrukturen zunehmend ausgedünnt, da kann man nicht einfach gehen“, erklärt Weinzierl. Und obwohl der Gesetzgeber das ausdrücklich erlaubt und die Ehrenamtler eigentlich nichts zu befürchten haben, schwebe die Angst vor Kündigungen wie ein Damoklesschwert über den Freiwilligen. Der Fall einer Feuerwehrfrau aus Althegnenberg, der bayernweit für Aufregung sorgte, dürfte diese Furcht noch verstärkt haben. Die junge Frau war nach einem Einsatz zu spät zur Arbeit gekommen und anschließend gefeuert worden.

Thomas Fritzmeier

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