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Die Gartenbank aus Lärchenholz zeigen Kurt Sedlbauer und Bärbel Frieser von der JVA Straubing.

Filzpantoffeln aus dem Knast

Warum die Justizanstalten einen Online-Shop haben

Hochwertige Manufaktur-Produkte aus dem Gefängnis? Hört sich seltsam an, gibt es jedoch ab sofort zu kaufen. Denn der Online-Shop www.haftsache.de ist eröffnet. Bayerns Justizminister Bausback stellte die Internetseite im Justizpalast vor.

München – Ein schicker Hocker aus Holz für 45 Euro. Lässige Notebook-Hüllen aus Merinowoll-Filz und Lederriemen für 30 Euro. Schmiedeeiserne Pfannen, wie man sie von anno dazumal kennt, für 85 Euro. Alles handgemacht. Alles in schlichtem, modernen Design. Hinter diesen schicken Produkten stehen keine namhaften Marken, auch wenn man das zunächst vermuten könnte. Häftlinge der Justizvollzugsanstalten (JVA) in Bayern haben sie gefertigt.

Der Hocker kommt aus den Werkstätten der JVA in Straubing, die Notebook-Tasche aus der Schneiderei der JVA München, die Pfanne wird in der Schlosserei der JVA Bernau (Landkreis Rosenheim) geschmiedet. Der Freistaat will diese Arbeiten nun vermarkten – im digitalen Zeitalter funktioniert dies natürlich am besten im Internet, mit einem eigenen Online-Shop. Justizminister Winfried Bausback (CSU) stellte ihn in der Lichthalle des Justizpalastes in München vor.

Die Seite, auf der sich Liebhaber hochwertiger Manufaktur-Produkte ab sofort mit Hausschuhen, Küchen- und Grillutensilien, Gartenmöbeln, Wohnaccessoires, Taschen und vielen weiteren Artikeln eindecken können, heißt „www.haftsache.de“. 70 Produkte gibt es dort unter dem gleichnamigen Label zu kaufen. „Damit dürfte für jeden Geschmack etwas dabei sein“, sagte Bausback.

Den kreativen Input lieferten „Industrial-Design“-Studenten der TU München. Aber auch die Häftlinge durften ihre Ideen bei der Produktion mit einfließen lassen. Pfeffer- und Salzstreuer aus Edelstahl etwa haben Häftlinge der JVA in Würzburg eigenständig entwickelt. Unter der Aufsicht von Handwerks-Meistern werden die Kreationen in die Tat umgesetzt. So manches Produkt ist mit einem Augenzwinkern versehen. Die bayerische Version des Brettspiels „Mensch ärgere Dich nicht“ erscheint in abgeändertem Stil und heißt „Reg di ned auf.“

Die roten Filzpantoffeln aus warmer Merinowolle gefertigt gibt es für 25 Euro.

Nicht nur online machen die Produkte etwas her. Die Besucher im Justizpalast konnten sich von der Qualität der Waren selbst überzeugen. Einzelne Kreationen wurden dort ausgestellt. Die Anerkennung für die Handwerkskunst der Häftlinge sei für diese besonders wichtig, machte Bausback deutlich. „Es ist eine Wertschätzung, dass sie Teil der Gesellschaft sind.“ Die Arbeit in den Werkstätten mache für die Häftlinge die Wiedereingliederung in die Gesellschaft leichter. Ermögliche einen Neustart in ein straffreies Leben. Die Hälfte der Straffälligen hat keine Berufsausbildung, ein Drittel steht ohne Schulabschluss da. Hier gelte es mit Ausbildungsangeboten gegenzusteuern. Nach Angaben des Justizministeriums stehen in den Arbeits- und Wirtschaftsbetrieben der Anstalten rund 400 Ausbildungsplätze zur Verfügung.

Die Häftlinge erhalten nicht nur Lob für ihre Waren, sondern auch ein kleines Plus auf ihren Lohnzetteln. Die Gewinne des Projekts sollen laut Sprecher Philipp Linden in den Staatshaushalt zurückfließen.

Magdalena Kratzer

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