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Blühende Wildblumen retten Hummeln im Herbst. Leider aber werden sie immer öfter weggemäht. So bleiben den Hummeln oft nur wenige Silberlinden in den Städten. Da deren Nektar nicht reicht, verhungern viele Tiere.

Silberlinde hat zu Unrecht schlechten Ruf

Warum viele Hummeln im Herbst verhungern

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Tote Hummeln sind im Herbst ein häufiger Anblick, vor allem unter Silberlinden. Früher dachte man, der Baum sei giftig für sie. Zu unrecht. Im Gegenteil: Er ist eine der letzten Nahrungsquellen im Herbst und lockt so viele Hummeln an, dass der Nektar nicht für alle reicht. Aber auch Wildblumen können Hummelsterben verhindern.

München – Bunt blühende Hängegeranien in Balkonkästen und ein sauber gemähter Rasen – das ist für den Münchner Bienenspezialist Nick Dany kein schöner Anblick. Er denkt da nicht wie ein Verkäufer in einem Gartencenter, er denkt viel mehr an die einheimischen Insekten. Und die tun ihm leid, wenn er penibel gepflegte Gärten sieht, in denen kaum etwas blüht, höchstens vielleicht irgendwo eine Zierpflanze. „Mit nektararmen Blühpflanzen können unsere Insekten nichts anfangen, im schlimmsten Fall sind sie sogar giftig“, sagt der Geschäftsführer der Dany Bienenwohl GmbH, einem Münchner Unternehmen für Imkereibedarf und Imkereiprodukte.

Nick Dany: Unternehmer und Bienenspezialist.

Findet eine Hummel fünf Tage lang nichts zu fressen, verhungert sie. Im Herbst werden die Blühpflanzen selten. Nick Dany appelliert deshalb an Gartenbesitzer, Wildblumen im Rasen blühen zu lassen. Sie bieten Hummeln und Bienen im kargen Herbst Nahrung. Das können aber auch Zierpflanzen in Töpfen und Balkonkästen, vorausgesetzt, es sind die richtigen. Perfekt für heimische Hummeln und Bienen sind zum Beispiel Rittersporn, Efeu, Lavendel, Salbei, Glockenblumen, Kugeldistel, Steinbrech, Königskerze, Kornblume, Klatschmohn, Melisse, Pfefferminze, Thymian, Mohn oder auch Efeu, vorausgesetzt, man schneidet ihn nicht vor der Blüte ab.

„Wissenschaftler raten heute zudem, in Städten mehr Silberlinden zu pflanzen“, sagt Nick Dany. Dass der Baum früher als Todesbaum für Hummeln galt, ist auf eine falsche Schlussfolgerung von Wissenschaftlern zurückzuführen, erklärt er. In den 1970er Jahren führten Wissenschaftler einen Versuch mit Hummeln durch. Sie sperrten acht Hummeln zu einigen Blüten der Silberlinde, ein paar Tage später waren die Hummeln tot. Man glaubte, der Nektar der Blüten enthielte Mannose – eine Zuckerart, die Menschen nicht gut verstoffwechseln können und die für Bienen und Hummeln in Mitteleuropa giftig ist. Doch die Annahme war falsch – in zweierlei Hinsicht: Zum einen enthält der Nektar der Silberlinde keine Mannose, sie ist in vor allem in Algen und Meerespflanzen enthalten. Zudem sind die acht Hummeln bei dem Versuch nicht vergiftet worden, sondern schlicht verhungert, weil die Blüten zu wenig waren, um acht Hummeln satt zu machen. Die Silberlinde ist zu Unrecht in Verruf gebracht worden. Mit verheerenden Folgen: Sie wurde vielerorts abgeholzt.

Die Silberlinde ist äußerst robust bei Hitze und hält Trockenheit besser aus als heimische Lindenbäume. Sie kommt ursprünglich aus Südeuropa und blüht zwei Wochen nach den bei uns heimischen Linden, der Sommer- und der Winterlinde. Vermutlich locken die Silberlinden auch deshalb im Herbst mehr Hummeln an, als sie ernähren können, weil ihr Nektar das sehr effektive Lockmittel Koffein enthält. Dieses ist aber für Insekten nicht giftig.

Von Susanne Sasse

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