Dr. Juri Gewitsch.

Pollen im Anflug

Was hilft bei Heuschnupfen? Das rät der Mediziner

Dr. Juri Gewitsch hat eine Hausarzt-Praxis in Planegg bei München. Er ist zudem spezialisiert auf Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren, Notfall- und Reisemedizin.

Wir erwarten ja angeblich einen massiven Birkenpollenflug - ganz grundsätzlich: Wie äußert sich eine allergische Reaktion auf Pollen?

Gewitsch: Wie andere allergische Reaktionen auf Pollen auch - mit Schnupfen, juckenden Augen, eventuell asthmatischen Symptomen.

Welche Mittel helfen am besten bei Heuschnupfen? Und: Wann müssen es tatsächlich Medikamente sein - wann reichen "Hausmittel“?

Antiallergische Tabletten und Augentropfen, kortisonhaltige Nasensprays, eventuell Asthmamedikamente. Ansonsten sollte man natürlich auf möglichst wenig Pollenkontakt achten - also nicht lüften, kein Sport in der Natur, abends duschen und eventuell die Nase spülen, um die Pollen zu entfernen.

Was genau bewirken die genannten Medikamente? Und welche Nebenwirkungen haben Sie?

Sie reduzieren die durch Immunglobulin E vermittelte allergische Reaktion. Die Hauptnebenwirkung ist sicher Müdigkeit, neben Unverträglichkeiten und eventuell Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Die Allergie selbst kann aber auch Müdigkeit verursachen. Moderne Antiallergika haben aber weniger oder keine Müdigkeit zur Folge.

Was ist für Allergiker tabu - was darf ich also keinesfalls machen?

Sport im Freien bei Pollenflug sollte man vermeiden, um nicht einer großen Menge Pollen mit entsprechend starker, eventuell asthmatischer Reaktion ausgesetzt zu sein.

Wie schütze ich mich sonst, also etwa daheim oder in der Arbeit? Und: Warum niest man eigentlich besonders oft im Auto?

Nicht bei starkem Pollenflug lüften! Im Auto niest man nur verstärkt, wenn man mit offenem Fenster oder Dach fährt und dadurch auch wieder viel Pollenflug mitnimmt. Bei Autos mit Pollenfilter und geschlossenem Fahren sollte man nicht vermehrt niesen.

Reagiert auch die Haut auf die Pollen?

Meist nicht, aber eine Allergie kann sich auch immer bei entsprechender Veranlagung ausbreiten. In der Regel ist das aber auf die Schleimhäute beschränkt.

Wie sieht es mit Nahrung aus - Stichwort Kreuzallergien?

Es gibt Kreuzallergien, entsprechende Nahrungsmittel können dann die Allergie verstärken oder selbst zu allergischen Reaktionen führen.

Wenn ich nichts mache - bekomme ich dann tatsächlich Asthma? Wie groß ist das Risiko?

Das kann man nicht pauschal sagen. Manche Menschen haben lebenslang Heuschnupfen, es kommt aber nie zum sogenannten Etagenwechsel, also einer Ausbreitung auf die Lunge. Bei anderen trotz einer antiallergischen Behandlung.

Macht es jetzt doch noch Sinn mit einer Hyposensibilisierung zu beginnen?

Man sollte das nicht gerade in der hochakuten Phase des Heuschnupfens tun. Wenn es aber Spätblüher sind, auf die man reagiert, kann schon noch begonnen werden.

Bleibe ich nach der Behandlung für alle Zeiten "allergiefrei"?

Nein, aber für lange Zeit sind die Symptome gemildert oder weg.

Interview: Barbara Nazarewska

Lesen Sie auch: Pollen-Alarm: Das sollten Allergiker jetzt beachten

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