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Helfer bei der Bergung des Toten.

Watzmann: Das 100. Opfer der Schicksals-Wand

Schönau am Königsee - Für Bergsteiger ist die Watzmann-Ostwand ein Mythos. Am Wochenende gab es ein trauriges Jubiläum – das 100. Ostwand-Todesopfer. Ein Felsblock riss einen Bergsteiger (52) in den Tod.

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Der Kederbacher war’s, ein Mann mit kolossalem Mut und noch größerem Bart. Er hat die legendäre Watzmann-Ostwand als Erster durchstiegen, 1881 war das, zusammen mit dem Wiener Otto Schück. Der Kederbacher kommt aus Ramsau, mit bürgerlichem Namen heißt er Johann Grill. Mit ihm beginnt der Mythos – und mit ihm beginnt das Sterben an der Watzmann-Ostwand.

1890, knapp zehn Jahre später, erwischt es den Münchner Christian Schöllhorn, er stürzt in die Randkluft, 60 Meter tief. Der Kederbacher birgt ihn und trägt die Leiche ins Tal. Es war der erste Ostwand-Tote, bis zum heutigen Tag sollten ihm noch weitere 99 folgen. Am jetzigen Wochenende, ein trauriges Jubiläum, forderte die Watzmann-Ostwand ihr 100. Todesopfer. Dies teilte die Bergwacht Berchtesgaden mit, die seit über einem Jahrhundert jeden Ostwand-Tod protokolliert.

Ein 52-jähriger, erfahrener Bergsteiger aus Albaching (Kreis Rosenheim) stürzte am Samstag in die Tiefe. Zwei Zweierseilschaften waren gegen 15 Uhr auf dem „Kederbacher Weg“ unterwegs, als am „Kaserereck“, 1900 Meter hoch gelegen, ein großer Felsblock ausbricht. Der Fels erwischt den 52-Jährigen und reißt ihn mit sich. Der Mann, der ohne Seilsicherung unterwegs gewesen sein soll, stürzt 100 Meter tief. Seine drei Kameraden setzen sofort einen Notruf ab, doch der Rettungshubschrauber „Christoph 14“ kann den Mann nicht mehr retten. Er war nach erster Einschätzung der Einsatzkräfte sofort tot, teilte das Bayerische Rote Kreuz (BRK) mit.

Bis zu jenem 100. Unglück hatte die Ostwand die Bergsteiger einige Jahre verschont. Im Dezember 2007 verstarb ein 23-jähriger Bergsteiger aus Tschechien. Er und seine fünf Kameraden wollten eigentlich im „Schöllhornkar“ biwakieren, doch widriges Wetter und Lockerschneelawinen zwangen sie zum Rückzug aus der Ostwand. Dabei rutschte der damals 23-Jährige aus, stürzte und verstarb. Er war das Ostwand-Opfer Nummer 99, seitdem wartete man vor Ort mit Schaudern, wann denn der Berg zum 100. Mal zuschlägt.

Von der Watzmann-Ostwand nahe Ramsau bei Berchtesgaden heißt es, sie sei mit 1800 Metern die längste Steilwand der Alpen. Es ist jedoch nicht der Kletter-Schwierigkeitsgrad, der die Ostwand zur Todesfalle und den 2713 Meter hohen Watzmann zum Schicksalsberg macht. Vielmehr sind es Lawinen und die Felsbrocken, die urplötzlich ins Tal rauschen. Hinzu kommen Wetterumschwünge, die die Ostwand unvermutet zur Falle werden lassen.

Der Watzmann ist Sehnsuchtsort und Gefahr zugleich: Am Wochenende gab es einen weiteren, aufwändigen Rettungseinsatz, diesmal am Watzmann-Südspitzabstieg. Ein einheimischer Berggeher traf auf zwei erschöpfte Bergsteiger aus Würzburg. Der eine hatte seit neun Stunden nichts mehr zu trinken gehabt, teilte das BRK mit. Der Einheimische versorgte ihn notdürftig. Die Bergwacht startete daraufhin eine großangelegte Suche samt Rettungshubschrauber, Suchmannschaften waren im Einsatz. Schließlich fanden sie die beiden Männer, die sich offensichtlich inzwischen erholt hatten. Der Abstieg gelang selbstständig. „Viel Aufwand mit glimpflichem Ende“, sagte der Leiter der Ramsauer Bergwacht, Rudolf Fendt. „Leider kommt es wieder gehäuft zu ähnlichen Situationen, die bei treffender Selbsteinschätzung leicht vermeidbar wären.“

Stefan Sessler

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