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Gigaliner

Lang-Lkw ab Januar zugelassen

Weg frei für die Gigaliner

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München - Nach einer fünfjährigen Testphase dürfen Lang-Lkw ab Januar auf ausgewählten Strecken regulär fahren. Für die einen sind sie Teil des Verkehrsproblems – andere sehen in ihnen eine Lösung.

Am Wochenende geht der Feldversuch zu Ende. Fünf Jahre lang hat die Bundesregierung den Einsatz von Lang-Lkw, von vielen Gigaliner genannt, getestet und untersucht (wir berichteten). Zum neuen Jahr erlaubt Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) den überlangen Lastwagen den Regelbetrieb, eine entsprechende Änderungsverordnung wurde am Dienstag im Bundesanzeiger veröffentlich. Fahren dürfen die Transportriesen allerdings nur auf Strecken, die von den Bundesländern als „geeignet“ betrachtet werden. Autofahrer erkennen die neuen Lastwagen an einem reflektierenden Schild mit der Aufschrift „Lang-Lkw“.

Lang-Lkw im Überblick

„Für uns ändert sich nicht viel“, sagt Wolfgang Thoma. Er ist Geschäftsführer von Ansorge Logistik im Allgäu, einem der 60 Unternehmen, die an dem Feldversuch teilgenommen haben. 19 davon sitzen in Bayern, sie können derzeit bis zu 70 Lang-Lkw einsetzen. „Wir haben im Moment vier Lang-Lkw angemeldet, drei davon werden wir auch im neuen Jahr einsetzen“, sagt Thoma. Aufstocken will er vorerst nicht, dafür gebe es noch zu wenig Strecken, auf denen die überlangen Lastwagen fahren dürfen.

Rund 11 600 Straßenkilometer sind bundesweit im sogenannten Positivnetz aufgeführt. Etwa 70 Prozent davon sind Autobahnen. In Bayern dürfen die Lang-Lkw auf rund 3500 Kilometern Strecke fahren. Neben den Autobahnen gehören auch einige Bundesstraßen zu den erlaubten Abschnitten. Dazu kommen Zufahrtswege zu verschiedenen Umschlagpunkten. Einige Beispiele aus der Region:

Im Kreis Dachau dürfen Lang-Lkw über die B 471 das Gewerbegebiet Gada A 8 anfahren, ebenso das Gewerbegebiet Schwarzer Graben im Osten Dachaus. Ein weiterer genehmigter Streckenabschnitt führt von der B 471 nach Karlsfeld – zum Lkw-Hersteller MAN. Im Kreis Freising dürfen etwa verschiedene Logistikunternehmen im Gewerbegebiet Eching-Ost angefahren werden, darunter auch die Firma Schenker. Auch der Logistikpark in der Römerstraße in Neufahrn ist aufgeführt. Im Kreis Erding ist die Strecke von der Autobahn zum Flughafen und dem Gewerbegebiet Schwaig Nord erlaubt, in Eichenau im Kreis Fürstenfeldbruck die Fahrt zu Aldi Süd im Gewerbegebiet Süd. Die Streckenabschnitte sind in der Regel bis zur Zieladresse festgelegt. Auf den Straßen werden die Abschnitte aber nicht gekennzeichnet oder ausgeschildert.

Wolfgang Thoma, Geschäftsführer von Ansorge Logistik

„Jede weitere Strecke, die wir fahren wollen, müssen wir genehmigen lassen“, sagt Thoma. Das Positivnetz kann fortlaufend geändert werden. „Uns fehlt oft die letzte Meile. Da bringen uns 11 000 Kilometer nicht viel, wenn wir von der Autobahn nicht runter dürfen.“ Sein Wunsch: Eine Generalerlaubnis, um Industriegebiete anfahren zu dürfen.

Bis zuletzt standen die Lang-Lkw in der Kritik. Als Argumente wurden der Straßenverschleiß und fehlende Parkplätze ins Feld geführt. Die „Allianz pro Schiene“ befürchtet außerdem bis zu 7000 zusätzliche Lkw-Fahrten pro Tag, weil der Transport mit Lang-Lkw billiger werde. Auch sieht das Verkehrsbündnis die Gefahr, dass künftig die Gewichtsgrenze von 44 Tonnen gekippt werden könnte – wie schon in Schweden oder den Niederlanden. Das Bundesverkehrsministerium hat jedoch immer wieder betont, es bleibe bei der aktuellen Grenze.

Wolfgang Thoma indes plädiert schon jetzt für eine Grenze von 60 Tonnen – allerdings nur beim kombinierten Verkehr von Schiene und Lkw. „Auch ich möchte keine 60-Tonner auf der Autobahn von Hamburg bis München sehen.“ Vom Nutzen der Lang-Lkw ist er aber überzeugt. „Wir machen aus drei normalen Lkw zwei lange. Wir bündeln also den Verkehr.“ Dass der Verkehr trotzdem mehr werden wird, bestreitet Thoma nicht. „Aber das liegt an den Zuwächsen im Güterverkehr. Man muss sich nur mal ansehen, was Amazon, Zalando und Co für Güterströme erzeugen.“ Wie viel auf den Straßen unterwegs ist, bestimme letztlich der Verbraucher.

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