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Sie hat zwei Abschlüsse, deshalb bekommt Katja Merk kein Bafög. Das findet sie ungerecht.

23-Jährige schreibt Brief ans Bildungsministerium

Wegen doppeltem Abschluss: Studentin geht jetzt beim Bafög leer aus

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Katja Merk ist gelernte Kinderpflegerin und Erzieherin und hat damit bereits zwei Abschlüsse. Deshalb bekommt sie kein Bafög für ihr Studium Soziale Arbeit. Die 23-Jährige findet das ungerecht. Deshalb hat sie nun einen Brief nach Berlin geschrieben.

München/Feldkirchen – Als der negative Bafög-Bescheid mit der Post ins Haus flattert, fällt Katja Merk aus allen Wolken. Kann das wirklich wahr sein? Der ganze Aufwand für nichts? Monatelang hat sich die 23-Jährige aus Feldkirchen-Westerham im Kreis Rosenheim mit dem Bafög-Amt herumgeschlagen. „Die Dokumente habe ich teilweise fünfmal hingeschickt“, sagt sie. Immer wieder wollte das Amt die Bestätigungen noch mal haben, um ihr die Förderung für das Studium Soziale Arbeit an der Hochschule Fresenius in München zu bewilligen. Abgelehnt wurde der Antrag trotzdem.

Abgelehnt, weil Katja Merk bereits ausgebildete Erzieherin ist und damit zwei Abschlüsse in der Tasche hat. Als Kinderpflegerin und Erzieherin. „In Bayern geht das gar nicht anders. Die Ausbildung ist immer zweistufig“, erklärt sie. Nach den ersten beiden Jahren musste sie den Abschluss zur Kinderpflegerin machen, erst dann konnte sie Erzieherin werden. „Aber das wussten sie von Anfang an“, sagt die 23-Jährige enttäuscht. „Wenn man so lange und oft Kontakt mit dem Amt hat, denkt man schon, dass der Antrag bewilligt wird.“

Die Studiengebühren übernimmt noch die Mutter

Seit zwei Semestern studiert Katja Merk Soziale Arbeit. Vollzeit, 35 bis 40 Stunden in der Woche. Sie will ihre bisherigen Kenntnisse vertiefen und neue Bereiche kennenlernen. Vielleicht will sie später mit Jugendlichen zusammenarbeiten, dabei hilft ihr das Studium. Um Geld zu sparen, wohnt sie zu Hause bei ihrer Mutter und ihrer Schwester. Sie pendelt fast jeden Tag von Feldkirchen-Westerham nach München und zurück. Zusätzlich arbeitet sie auf 450-Euro-Basis wöchentlich etwa 15 Stunden in einem Restaurant. Freizeit hat sie wenig. Die Studiengebühren von über 3000 Euro pro Semester übernimmt noch ihre Mutter. Unterstützung von ihrem Vater bekommt sie nicht. Mit ihm hat sie keinen Kontakt.

Die 23-Jährige erfüllt fast alle Voraussetzungen, um Bafög zu erhalten. Das einzige Problem: ihre beiden Abschlüsse. Dadurch hat sie keine Chance mehr auf finanzielle Unterstützung vom Staat. Das ärgert die 23-Jährige. „Deutschland ist ein Sozialstaat. Aber bei den sozialen Berufen ist er ziemlich unsozial“, sagt sie. „Abgesehen von der schlechten Bezahlung wird man auch nicht gefördert.“ Und das, obwohl Erzieher in Bayern händeringend gesucht werden. Allein im Landkreis München – in Putzbrunn absolvierte sie ihr Anerkennungsjahr – gab es im Juni 170 offene Stellen. Die Gemeinde Haar suchte sogar schon über die Werbeflächen in der S-Bahn und im Radio neues Personal.

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Um auf problematische Förderung aufmerksam zu machen, hat sich Merk nun an das Bildungsministerium in Berlin und die Bundestagsabgeordnete des Landkreises Rosenheim, Daniela Ludwig (CSU), gewandt. Das Ergebnis ist nüchtern: Ministerium und Ludwig berufen sich auf die Rechtslage. An der ist auch nicht zu rütteln. Erst im März dieses Jahres bestätigte das Bundesverwaltungsgericht die bestehende Bafög-Regelung. Merk hat Verständnis dafür. Nicht aber, dass sie sich statt Bafög auf einen Studien- oder Bildungskredit bewerben soll. „Das ist nur für Hochbegabte, einen ausgewählten Kreis oder bestimmte Unis“, sagt die 23-Jährige und winkt ab.

Für das kommende Semester sucht sich Katja Merk einen Werkstudentenjob. Die bisherigen 450 Euro sind ohne Bafög zu wenig. Außerdem will sie ihre Mutter entlasten. „Jetzt heißt es halt noch zwei Jahre richtig Stress“, sagt sie. Aufgeben will sie ihr Studium trotzdem nicht. Denn sie ist überzeugt, dass sie den richtigen Weg eingeschlagen hat.

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