Auf der A93 im Inntal

Wegen Maut: Autobahnsperre droht

Kiefersfelden - Achtung, Autofahrer – an diesem Sonntag Vormittag besser nicht auf der Inntalautobahn Richtung Österreich fahren. Wahrscheinlich wird demonstriert – gegen die Maut. Und zwar auf der Autobahn.

Organisator Roland Schmidt spricht von einem „Sonntagsspaziergang auf der Autobahn“, doch das klingt fast schon verniedlichend: Erstmals haben bayerische Behörden die Genehmigung für eine Demonstration auf einer Autobahn erteilt. Und auch auf österreichischer Seite wird demonstriert. Am kommenden Sonntag ab 9.30 Uhr dürfte aus Protest gegen die Mautpflicht ab Staatsgrenze die A93 zwischen Kiefersfelden (Kreis Rosenheim) und Kufstein daher komplett in beiden Fahrtrichtungen gesperrt sein – mehrere Stunden lang.

Sollte die Mautpflicht nicht noch kurzfristig ausgesetzt werden, müssen Autofahrer „mit erheblichen Verkehrsbehinderungen und Staus rechnen“, warnt Polizei-Sprecher Stefan Sonntag. Autos Richtung Süden werden ab Kiefersfelden auf die Bundesstraße umgeleitet, Richtung Deutschland ab Kufstein-Süd. Lkw mit Sonntags-Fahrerlaubnis müssen zwangsweise parken.

Grund der Demos ist, dass die österreichische Autobahngesellschaft Asfinag künftig ab Staatsgrenze eine Vignette für das Befahren der Autobahn verlangt und – das ist neu – dies auch kontrollieren will. Bisher war die Autobahn-Benutzung bis zur Ausfahrt Kufstein-Süd auch ohne „Pickerl“ geduldet – daher konnten Ausflügler und Skifahrer, die etwa Richtung Elmau/St. Johann in die Berge oder einfach nur nach Kufstein wollten, mautfrei ans Ziel kommen.

Das wird künftig nicht mehr gehen – es sei denn, man schert schon an der Ausfahrt Kiefersfelden aus und sucht sich seinen Weg über die enge Straße durch Kiefersfelden hindurch und weiter Richtung Österreich. „Kommt die Maut, werden wir künftig an jedem Wochenende mit Ausweichlern überflutet“, warnt Kiefersfeldens Bürgermeister Erwin Rinner.

Genau das fürchtet auch die Kiefersfeldener Bürgerinitiative „Keine Maut ab Grenze“ und ruft zwischen 10 und 11 Uhr zur Demonstration auf. Auch die Kufsteiner wehren sich. Unter dem Motto „Wir wollen nicht überfahren werden“ wird am Sonntag zeitgleich ebenfalls zu einer Autobahndemo aufgerufen.

Die Demonstrationen finden freilich nur statt, sofern ein Verkehrsgipfel am Freitag in Kufstein ergebnislos endet. Noch hat Bürgermeister Rinner die schwache Hoffnung auf einen Meinungsumschwung. Zuletzt hatten Minister Joachim Herrmann (CSU) und seine Tiroler Amtskollegin Ingrid Felipe (Grüne) das Aussetzen der Kontrollen gefordert – vergebens. Am Freitag in Kufstein werden sie erstmals mit Vertretern des österreichischen Bundesverkehrsministeriums sowie der Asfinag reden können.

Vorerst aber plant der Kiefersfeldener Versammlungsleiter Roland Schmidt die Demo. Er rechnet mit mehreren tausend Teilnehmern. Das Landratsamt Rosenheim hat die Genehmigung zur Demo auf der Autobahn erteilt – mit wohlwollender Duldung des bayerischen Innenministeriums. Eine Demo auf einer deutschen Autobahn – das wäre neu. Zwar gab es ähnliches schon früher mal - man erinnert sich an die tagelange Lkw-Blockade der Inntalautobahn 1984, mit der sich Brummi-Fahrer gegen Zoll-Schikanen wehrten und die dazu führten, dass am Münchner Viktualienmarkt der Blumenkohl knapp wurde. Aber damals wurde die Lkw-Demo geduldet. Jetzt gibt es eine offizielle Genehmigung.

Dirk Walter

Rubriklistenbild: © dpa

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