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Die kalten Tage wegböllern: In Berchtesgaden ist das Weihnachtsschießen noch ein fester Bestandteil des Festes. Vor so einer Kulisse böllert es sich besonders schön.

Was passiert rund um Heilig Abend in Bayern

Weihnachtsbrauchtum: Böller, Perchten und ein Schnaps

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München – Christbaum, Krippe und Co. – das ist ja alles schön und gut. Aber die Tage um Weihnachten herum haben mehr Brauchtum zu bieten – die Perchten zum Beispiel. Was die Leute früher gruselte, ist heute kaum mehr als ein Touristengag. Aber neue Bräuche sind schon im Entstehen.

Rauhnächte

„Brauchtum lebt“: Experte Michael Ritter.

Manche nenne sie nur „die Zwölf“ – das klingt nämlich per se schon unheimlich und macht neugierig auf das, was dahinter steckt. Die Zwölf, das sind die Nächte zwischen dem Weihnachtstag und dem Dreikönigsfest, auch Rauhnächte genannt. „Früher glaubte man, dass in dieser Zeit die göttliche Ordnung außer Kraft gesetzt ist“, sagt Michael Ritter vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege. Der historische Hintergrund ist nicht ganz klar. Dem Volksglauben zufolge trieben sich in diesen Nächten aber Dämonen und böse Geister herum. Das Totenheer, die „Wilde Jagd“, zog durch die Lande. Um sich zu verteidigen, gingen die Bauern mit glühenden Kohlen oder Weihrauch durch die Stallungen – daher kommt möglicherweise auch der Name Rauh-, beziehungsweise Rauchnacht.

Weihnachtsschießen

Andere hielten sich nicht lange mit Segnungen auf, sondern griffen gleich zur Waffe: Beim Weihnachtsschießen, das noch heute in Berchtesgaden zelebriert wird, ging es einst darum, die Kalte Jahreszeit mit möglichst viel Lärm zu vertreiben. Heutzutage wird das Christkind eine Woche vor Heiligabend zum ersten Mal mit den bekannten Handböllern „eingeschossen“. Das eigentliche Weihnachtsschießen findet aber an Heiligabend von 23.30 bis 24 Uhr statt. Dann ist Ruhe – und die Menschen feiern die Christmette. Nur während der Wandlung sind nochmals sechs Schüsse zu hören.

Perchtenlauf

Zu den Rauhnächten gehören aber auch die Perchtenläufe, bei denen gruselige Gestalten mit fratzenhaften Gesichtern durch die Straßen laufen. Dabei gibt es die Schönperchten, die für das Gute stehen, und die Schiechperchten, die das Gegenteil bedeuten. Der Begriff Percht kommt aus dem 12. Jahrhundert, sagt Ritter. Es ist das mittelhochdeutsche Wort für glänzend und verweist auf das Fest der Erscheinung des Herrn (Epiphanias), also das Dreikönigsfest. Früher glaubte man, die Perchten könnten Haus und Hof im neuen Jahr vor Unglück bewahren und Fruchtbarkeit bringen.

Heute ist von all dem Aberglauben kaum mehr etwas übrig. Stattdessen gibt es „in vielen Bereichen eine Tendenz zur Eventisierung“, sagt Ritter. Oder anders: Perchten sind was für Touristen – was nicht abschätzig gemeint ist. Denn dass das Brauchtum sich verändert und entwickelt, ist das Natürlichste der Welt. „Mit Bräuchen ist es wie mit Lebewesen“, sagt Ritter. „Sie werden geboren, wachsen, entwickeln sich. Manche gehen zurück oder sterben.“

Christbaumloben

Schmücken und staunen: das Christbaumloben.

Andere wiederum keimen neu auf, zum Beispiel das sogenannte Christbaumloben. Das entstand vor etwa 100 Jahren im schwäbischen Raum. Die Nachbarn besuchten sich an den Weihnachtstagen, lobten den Christbaum der Gastgeber und tranken einen Schnaps. Was früher eine soziale Funktion hatte, ist heutzutage laut Ritter „ein eher ironisch-spaßhaftes Vergnügen“. Das Christbaumloben ist jedenfalls auf dem Vormarsch und breitet sich derzeit „in ganz Bayern aus“.

Wer alles auf einmal will, kann sich natürlich auch erst beim Perchtenlauf gruseln, dann den Baum loben und alles mit einem guten Schnaps verdauen. Prost – und frohe Weihnachten.

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