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Ohne Kosten für Musiknoten macht Singen im Kindergarten richtig Spaß.

Weihnachtslieder: Gema bittet Kitas zur Kasse

München - In den Kindergärten stimmen sich die Kleinsten mit Liedern auf Weihnachten ein. Doch das kann unter Umständen teuer werden: Die Gema kassiert die Kitas ab.

„Sei gegrüßt, lieber Nikolaus, wieder gehst du von Haus zu Haus, alle Kinder lieben dich“: Das Lied des Komponisten Detlef Jöcker schallt im Kindergarten Am Mühlbach in Garching (Kreis München) aus 20 kleinen Kehlen. So ganz sitzt der Text noch nicht bei allen Kindern. Doch daheim üben geht bei diesem Lied nicht. Denn für jede Kopie, die an Eltern weitergegeben wird, sollen Kindergärten eine Abgabe zahlen.

Die Verwertungsgesellschaft (VG) Musikedition bittet die Einrichtungen seit einem Jahr zur Kasse. In einem Lizenzvertrag ist klar geregelt: Für 500 Kopien werden 56 Euro pro Jahr fällig, kirchliche oder kommunale Einrichtungen bekommen eine Ermäßigung und zahlen 44,80 Euro. Je mehr Abzüge, desto teurer wird es. Der Höchstsatz beträgt für bis zu 20 000 Kopien 2224 Euro. Aus organisatorischen Gründen hat die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, kurz Gema, als Partner für die VG Musikedition das Geldeintreiben übernommen. Weder VG Musikedition noch Gema verdienen jedoch etwas daran. Die Gebühren werden an die berechtigten Urheber abgeführt. „Es gibt ein absolutes Kopierverbot für Noten“, erklärt Christian Krauß, Geschäftsführer der VG Musikedition. In der Vergangenheit habe es für Kindergärten keine Möglichkeit gegeben, legal Kopien von Liedern zu machen.

36 000 Kitas hat die Gema Anfang 2010 angeschrieben. Doch nicht alle Kindergärten haben der Lizenzvereinbarung zugestimmt. Im November waren es rund 4000, so Krauß. Viele Kindergärten haben andere Lösungen gefunden. „Wir sehen nicht ein, so viel Geld zu bezahlen“, sagt Cornelia Otto, Leiterin des Garchinger Kindergartens Am Mühlbach. Die Kinder bekommen nur traditionelles Liedgut ausgehändigt. Denn das Urheberrecht erlischt 70 Jahre nach dem Tod des Komponisten. Außerdem habe sich ein Vater bereit erklärt, Liedertexte handschriftlich abzuschreiben, erklärt Otto. So ist die Verbreitung legitim.

Auch im Kindergarten Frühlingsstraße in Fürstenfeldbruck wird viel gesungen. Die Lizenzvereinbarung hat die Leitung nicht unterschrieben. „Der Verwaltungsaufwand ist zu groß“, sagt Leiterin Andrea Nukovic. Zu viel Zeit koste es, um jede Kopie, die für 150 Kinder in sieben Gruppen gemacht werde, abzurechnen. Nukovic spricht sich für einen Pauschalvertrag aus, wie er in Schulen üblich ist.

Die Kultusministerien zahlen die Gema-Gebühren. In Kindergärten ist dies schwieriger, weil sie verschiedene Träger haben. „Schade, wenn Liedersingen im Kindergarten und mit den Eltern zu Hause erschwert würde“, so der Amberger SPD-Landtagsabgeordnete Reinhold Strobl, der sich in einem Brief an Sozialministerin Christine Hader-thauer gewandt hat. Er bittet ebenfalls, mit einem landesweiten Pauschalvertrag den Kindergärten den Ärger mit kostenpflichtigen Kopien zu ersparen. Den schwarzen Peter will sich Krauß von der VG Musikedition indes nicht zuschieben lassen. 2009 seien Gespräche mit Kirche und Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände geführt worden. „Damals herrschte die Auffassung, dass keine Notwendigkeit für Pauschalverträge bestünde.“

von Aglaja Adam

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