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Weil er einen Strafzettel nicht bezahlt hatte, drohte einem Familienvater Gefängnis - ein spontaner Spender half dem Mann kurz vor dem Weihnachtsfest.

Ein Weihnachtsmärchen für 17 Euro

Aschaffenburg – Ein spontanes Weihnachtsgeschenk hat einen türkischen Familienvater vor dem Gefängnis gerettet. Er konnte einen geringen Geldbetrag nicht bezahlen. Da half ein anderer aus.

Wie viel Geld muss man zu Weihnachten ausgeben, um einen Menschen glücklich zu machen? 10, 50 oder 100 Euro? Eine Pauschal-Antwort gibt es nicht. Einem türkischen Familienvater reichten jetzt aber 17 Euro – und zwar in bar – zum Glücklichsein. Denn mit diesem spontanen Geld-Geschenk ersparte ihm ein hilfsbereiter Bürger einen Knast-Aufenthalt. Ein kleines Weihnachtswunder.

Mitte Dezember meldet sich der Türke bei der Polizeiinspektion Aschaffenburg. Er ist vorgeladen, weil gegen ihn ein Haftbefehl der Staatsanwaltschaft Deggendorf vorliegt. Der Mann hat irgendwann einen Strafzettel in Höhe von fünf Euro nicht bezahlt. „Eigentlich eine Kleinigkeit, die mit der Zeit aber immer teurer geworden ist“, erklärt Oberkommissar Detlef Brinkmann, der den Fall damals bearbeitet hat. Mit Verfahrenskosten beläuft sich die Forderung aber inzwischen auf 37 Euro. Zahlbar bis Ende Dezember, ersatzweise Haft. Viel Geld für den türkischen Familienvater. Und vor allem: Geld, das er nicht hat.

„Er hat mir erklärt, dass er arbeitslos ist und seine Kinder zu Weihnachten nicht frieren sollen“, erinnert sich Brinkmann. Er könne lediglich 20 Euro anzahlen. Den Rest werde er dann am Monatsende in bar bringen, verspricht der verzweifelte Mann.

Was dann passierte, ist für Brinkmann eine „echte Weihnachtsgeschichte“: Ein eigentlich unbeteiligter Mann aus Hessen tritt vor. Er stand in der Schlange hinter dem Türken und hatte das Gespräch mitgehört. Er zückt spontan seinen Geldbeutel und legt die fehlenden 17 Euro auf die Theke. „Ich übernehme das, dann ist die Sache erledigt und der Mann kann wieder ruhig schlafen“, so sein kurzer Kommentar. Nach der Motivation für sein Handeln gefragt, antwortet der Helfer: „Weihnachten steht vor der Türe, und man kann so auch etwas zum Frieden auf Erden beitragen.“ Und zur Freiheit. Denn dank der spontanen Spende des Mannes kann der türkische Familienvater anschließend die Wache als freier Mann verlassen.

„So etwas habe ich in meiner knapp 37-jährigen Dienstzeit noch nie erlebt“, sagt Brinkmann, der von der Hilfsbereitschaft des Mannes immer noch beeindruckt ist. „Es muss an der vorweihnachtlichen Stimmung gelegen haben. Oder warum zahlt sonst ein völlig Fremder die Schulden eines anderen Bürgers?“

Der edle Spender hatte übrigens weniger Glück. Nach den 17 Euro musste er den Beamten auch noch seinen Führerschein aushändigen. Deshalb war er überhaupt erst zur Polizeiinspektion gekommen.

Thomas Fritzmeier

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