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Ein Bild von der Festnahme des Täters.

Die weinerliche Show des Töginger Sextäters

Töging - Matthias A. (40) hat eine 16-Jährige vergewaltigt, niedergestochen und mit Benzin übergossen. Jedoch sieht er sich selbst als Opfer.

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Das Geständnis

Polizei überwachte den Täter permanent

Man muss offenbar beim Kleinkinder-Schwimmen beginnen, um die Geschichte von Matthias A. zu verstehen. Denn der Mann, der im vergangenen Sommer auf brutalste Art die Schülerin Carmen K. in einem Maisfeld bei Töging folterte – er ist seiner eigenen Darstellung nach von klein auf selbst Opfer gewesen.

Zum Prozessbeginn vor dem Landgericht Traunstein erzählte der 40-Jährige gestern in einer weinerlichen Show, wie er auf die schiefe Bahn geriet: Mit wenigen Monaten wurde er vom Baby-Schwimmen ausgeschlossen – er hatte andere Kinder gebissen. Im Pfadfinder-Alter fand seine Mutter Messer unter seiner Matratze. Sie steckte ihren Sohn ins Heim. Und machte alles noch schlimmer … Gefesselt an Händen und Füßen wird Matthias A. am Dienstag von zwei Beamten in den Sitzungssaal 136 geführt.

Die Bilder vom Blutbad in Töging

Bilder: Bluttat in Töging

Auf der Anklagebank beginnt er seine Lebensbeichte. Schuld an allem seien seine Eltern: „Bei vielen ist Heim-Erziehung ein Sprungbrett in die Kriminalität.“ Überhaupt: Immer waren es die anderen, die ihn letztlich in die Zelle brachten, erzählt A.. Und meistens waren es Frauen – angefangen bei seiner Mutter, die ihn selbst auf ihrer Beerdigung nicht sehen wolle, bis zu seiner ersten Freundin, die ihn an die Justiz verraten habe! Sein Opfer Carmen K. muss sich die Tiraden nicht anhören. Weil A. ein Geständnis angekündigt hatte, konnten die Richter auf eine Ladung der schwer traumatisierten Schülerin als Zeugin verzichten.

So muss sie auch nicht A.’s Schilderung von jenem 21. Juli 2009 hören: Bereits drei Wochen vor der Tat hat Matthias A. Carmen auf dem Weg zum Reiterhof in Dorfen beobachtet. „Ich saß auf einer Bank an einer dicken Eiche und habe mit meinem Multimedia-Handy gechattet. Da kam sie in Reiterklamotten angeradelt. Ich bin ihr mit Abstand gefolgt, um herauszufinden, wann sie wiederkommt.“ Laut Staatsanwalt Volker Ziegler hatte A. sich in den Wochen zuvor wiederholt vorgestellt, ein Mädchen zu fesseln, sexuell zu missbrauchen, mit dem Messer zu quälen und zu töten.“ A. gesteht, sich an einer Tankstelle vier Flaschen Brennspiritus, Handschellen und ein Messer besorgt zu haben. Mit einer Schaufel gräbt er im Maisfeld eine Grube: Sie ist für Carmen gedacht.

„Mein Plan war, Carmen zu vergewaltigen und zu töten“, sagte A. mit verstockter Miene. Doch als er Carmen am vierten Dienstag nach der ersten Begegnung auflauert, läuft alles anders: „Dass sie versuchte, sich mit mir zu unterhalten, lief gegen meinen Plan. Sie hatte keine Angst vor meinem Messer. Sie wehrte sich auch nicht, als ich sie auszog. Doch ich war zu nervös, um den Geschlechtsverkehr auszuüben. Ich wollte sie auch nicht mehr töten.“ Viel brutaler hatte Carmen selbst es zu Protokoll gegeben: Er bedrohte sie mit dem Messer, fesselte sie, legte sich auf sie, befummelte sie auf erniedrigendste Weise. Das Mädchen muss sich auf den Bauch drehen. Zunächst will er sie nur quälen, sticht ihr leicht mit dem Messer in Hals und Nacken.

Ziegler: „Dann stach er heftiger zu, auch um sie als Zeugin auszuschalten.“ Weil er denkt, sie sei tot, lässt A. von ihr ab und entfernt sich ein Stück. Carmen will fliehen – und läuft erneut ihrem Peiniger in die Arme. Wieder sticht er auf sie ein, übergießt sie mit Grillanzünder. Nur weil er offenbar gestört wird, zündet er sein Opfer nicht an und flieht. Carmen kann trotz 27 Stichverletzungen gerettet werden.

Unfassbar: Für die Schilderung seines Verbrechens gestand die Jugendkammer des Landgerichts dem mehrfach vorbestraften Vergewaltiger „schutzwürdige Interessen“ zu – und schloss die Öffentlichkeit von der Verhandlung aus. Nur über sein bewegtes Leben hinter JVA- und Anstaltsmauern erzählte A. ausführlich öffentlich. Etwa vom Oktober 2008, als er nach fast zwei Jahrzehnten auf einmal vor niedersächsischen Gefängnistoren steht. Er hat keine Arbeit, keine Wohnung – nur noch die Omi in Töging. Bei ihr verbringt er die nächsten Monate, muss sich jeden Tag bei der Polizei melden. Bis zu jenem Julitag 2009.

Eine Entschuldigung kommt Matthias A. nur schwer über die Lippen. Er habe einen Brief an Carmen geschrieben, aber nicht gewagt, ihn abzuschicken, sagt er. Dann wendet er sich an den Vater des Mädchens: „Für die Sache gibt es eigentlich keine Entschuldigung. Mir fehlen die passenden Worte.“ Ein Urteil wird für den 31. März erwartet.

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Die Strafakte des Vergewaltigers

Mit 13 Jahren wird der am 17. März 1969 in Mainz geborene Matthias A. erstmals straffällig: Er begeht Diebstähle, bricht mit einer Freundin in ein Ferienhaus ein und legt einen Brand. Daraufhin stecken ihn seine Eltern in ein Heim. Dort fliegt er nach sechs Jahren raus, weil er die Kasse geklaut hat. Auch Erpressung steht in seiner Strafakte. 1991 wird A. erstmals als Sexualtäter aktenkundig: Im August verurteilt ihn das Amtsgericht Gifhorn (Niedersachsen) wegen sexueller Nötigung zu neun Monaten Haft – vorerst auf Bewährung.

Nur zehn Tage nach dem Urteil vergewaltigt der Arbeitslose eine Frau. Im Mai 1992 die Quittung vom Landgericht Hildesheim: Drei Jahre Knast plus Unterbringung in einem Landeskrankenhaus. Die folgenden 16 Jahre verbringt A. unter Aufsicht von Ärzten oder Justizbeamten. Doch bei seinem ersten Freigang am 10. April 2000 begeht er wieder einen sexuellen Übergriff. Erst im Oktober 2008 öffnen sich für A. die Gefängnistore. Nur neun Monate später folgt das Horror-Verbrechen von Töging.

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