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Diese Chihuahua-Welpen fand die Bundespolizei bei einer Kontrolle auf der A6 in der Oberpfalz.

Einrichtungen in Existenznot

Welpenschmuggel belastet Tierheime

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München - Der illegale Handel mit Hundewelpen boomt. Das trifft die bayerischen Tierheime, die sich um die beschlagnahmten Tiere kümmern müssen. Der Tierschutzbund fordert Hilfe vom Freistaat.

Als sie die beiden Pappkartons sehen, werden die Bundespolizisten stutzig. Zu Recht. Denn in den Kartons drängen sich neun kleine Chihuahua-Welpen, nicht viel größer als die Hand eines Erwachsenen und erst zwischen sieben und zehn Wochen alt. Die Polizei fand die Hundewelpen vor zwei Wochen bei einer Kontrolle auf der A 6 bei Pleystein in der Oberpfalz. Die Tiere kamen aus Rumänien und wurden ohne Papiere, Impfung und Mikrochip transportiert. Weil die Chihuahua-Welpen eigentlich erst nach der Tollwut-Impfung im Alter von zwölf Wochen ausreisen dürfen, stehen sie nun im Nürnberger Tierheim unter Quarantäne. Und das ist kein Einzelfall. 

Der Welpenschmuggel wird zum Problem für die Tierheime in Bayern, die schon ohne diese Zusatzbelastung unter viel Arbeit und finanziellem Druck ächzen. Allein für das Tierheim Nürnberg war es nach eigenen Angaben bereits der fünfte Transport in diesem Jahr, insgesamt 45 Hunde seien im Heim gelandet. Der Deutsche Tierschutzbund hat in den dem Verband angeschlossenen Tierheimen in Bayern im vergangenen Jahr mehr als 350 beschlagnahmte Welpen registriert. Das Problem: Auf den Kosten von mehreren Hunderttausend Euro bleiben die Vereine sitzen, da die Behörden laut Tierschutzbund eine Kostenübernahme verweigern. „Obwohl die Betreuung von Fundtieren zu den kommunalen Pflichtaufgaben zählt, erstattet der Großteil der Kommunen nur einen Bruchteil der anfallenden Kosten“, teilte der Verband mit. 

Auch Gabriele Schwaiger-Weiß vom Tierheim Bad Reichenhall führt diesen Kampf gegen die Kosten. Nur: Ob sie ihn gewinnen kann, liegt nicht in ihrer Macht. „Wir standen in diesem Jahr wieder kurz vor der Schließung“, sagt die Vorsitzende des Tierschutzvereins. Die von den Kommunen finanzierte Fundtierpauschale reiche gerade mal, um die Hälfte der Ausgaben zu decken. „Den Rest müssen wir durch Spenden und Erbschaften reinbekommen“, sagt Schwaiger-Weiß. So eine Erbschaft rettete den Verein in diesem Jahr. „Danach habe ich ein paar Nächte ruhiger geschlafen.“ Aber nur ein paar. Denn große Investitionen sind auch damit nicht möglich, Planungssicherheit gibt es nicht. 

Andreas Brucker vom Landesverband Bayern des Deutschen Tierschutzbundes fordert Unterstützung und vor allem ein klares Konzept der Staatsregierung – gerade im Hinblick auf den Welpenschmuggel: „Wir brauchen dringend einen Maßnahmen- und Finanzierungsplan der Landesregierung, der mit den Tierheimen und den Grenz- und Veterinärbehörden abgesprochen ist, damit der praktische Tierschutz in Bayern stabilisiert werden kann.“ 

Gerade mit den Grenzkontrollen hätten sich die Fälle von aufgegriffenen Hundewelpen gehäuft, sagt Gabriele Schwaiger-Weiß. Auch in Bad Reichenhall klingelte erst vor drei Wochen wieder nachts ihr Notfallhandy. Drei Mischlingswelpen aus Bulgarien wurden gefunden. Im Dezember kamen in einer Nacht 47 Tiere, in der Nacht darauf sogar 170, die dann in Heime mit Quarantänestation weiterverteilt wurden. „Hier wäre Hilfe von der Regierung wirklich wünschenswert.“ 

Doch das bayerische Umweltministerium verweist auf die Kommunen. „Die Kosten für die Unterbringung und Pflege von Fundtieren und gefährlichen Tieren sind grundsätzlich von den zuständigen Gemeinden zu tragen“, sagt ein Sprecher. Auch die Unterbringung von Welpen aus tierschutzwidrigen Transporten sei Aufgabe der örtlich zuständigen Kreisverwaltungsbehörden. Geld vom Ministerium gibt es lediglich für die Reptilienauffangstation in München – mit einem freiwilligen jährlichen Zuschuss von derzeit 331 000 Euro. Zudem plane man mit dem Deutschen Tierschutzbund eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit gegen den Kauf von Welpen, die nicht aus seriösen Zuchten stammen. Von mehr Geld ist aber keine Rede. 

Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, fordert Ministerpräsident Horst Seehofer auf, das Thema Welpenhandel zur Chefsache zu machen. Umweltministerin Ulrike Scharf verweigere Strukturhilfen und sei fachlich überfordert, so seine Kritik. Gabriele Schwaiger-Weiß wünscht sich einfach nur mehr Anerkennung. „Unsere Tierschützer leisten gute Arbeit. Die Leute sollten sich bewusst machen, dass es hier um Lebewesen geht.“ Sie wird auch weiter aufstehen, wenn nachts ihr Notfallhandy klingelt.

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