Mann sticht mehrere Menschen in Finnland nieder

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Zum Tag der Muttersprache

Erstaunliche Entdeckungen: Wo die Welt Bairisch spricht

München - Am 21. Februar ist Tag der Muttersprache. Bei uns sprechen die Menschen Bairisch, das weiß jedes Kind. Aber es gibt auch Flecken auf dieser Erde, wo man nicht damit rechnet, dass Bairisch die Lieblingssprache ist.

Pünktlich zum Tag der Muttersprache haben wir uns mal auf allen Kontinenten umgeschaut und acht erstaunliche Bairisch-Entdeckungen gemacht.

  • 1. Leavenworth – das bayerische Dorf in Amerika
Bayerisches Brauchtum: In Leavenworth ganz normal.

Das Städtchen Leavenworth im US-Bundesstaat Washington ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich. Es gibt ein Nussknackermuseum mit 5000 Nussknackern, aber das ist nicht der Grund, warum jedes Jahr über zwei Millionen Gäste nach Leavenworth kommen. Der Grund ist bairisch. Einige Menschen hier können wirklich unfallfrei „Grüß Gott“ und „Sacklzement“ sagen, viele Einwohner haben bayerische Wurzeln. Aber es kommt noch besser: Leavenworth spricht nicht nur Bairisch. Es sieht auch aus wie Bayern. Wie ein bayerisches Bergdorf mit Fachwerkhäusern, weiß-blauen Rautenflaggen und einer „Alpenhof Mall“. Warum machen die Amis das? Weil sie es können. Anfang der 1960er-Jahre drohte die Stadt zu veröden, regelrecht auszusterben. Da beschlossen sie, aus dem Ort ein, nun ja, echt bayerisches Bergdorf zu machen. Schräg. Seitdem boomt Leavenworth. Bairisch wirkt weltweit. Das wäre hiermit bewiesen.

  • 2.  St. Louis – Oachkatzlschwoaf im Mittleren Westen
Bier in Amerika: Brauer Florian Kuplent und seine Kinder.

Das Bier von Florian Kuplent, 41, schmeckt den Amerikanern. Sein Märzen wird jedes Jahr beim Oktoberfest der Urban Chestnuts Brewery in St. Louis ausgeschenkt. Die Stolperfalle ist der Name: „Oachkatzlschwoaf“ – oh weh. Auf dem Ettikett ist ein Eichhörnchen abgebildet. „Der Name ist für die Amerikaner schwierig auszusprechen“, sagt Brauerei-Chef Kuplent. „Aber nach ein paar Mass wird’s leichter.“ Er freut sich jedes Mal, wenn sich seinen Gästen die Zunge fast verknotet, wenn sie ein „Oachkatzlschwoaf“ bestellen. Kuplent, der ursprünglich aus Mühldorf kommt und 2002 nach Missouri zog, bietet in den USA ein Stück Bayern in Flüssigform an: „Zwickel“, „Dorfbier“, „Stammtisch“ oder „Wolpertinger“, so nennt er seine anderen Biere. Der Brauer ist froh über ein bisschen alte Heimat in der neuen Heimat. „Wenn man Bairisch ein paar Wochen nicht spricht“, sagt er, „dann verlernt man es recht schnell.“

Aber bei jedem Schluck von seinem Bier wird er daran erinnert, wie schön diese Sprache ist. Prost, Heimat!

  • 3. Der „Gruberneger“ in Sao Bento, Brasilien

Die Geschichte vom „Gruberneger“ schrieb Josef Blau auf, 1958, deshalb der despektierliche Begriff. Im 18. Jahrhundert wandern viele Böhmer- und Bayerwäldler nach Sao Bento in Brasilien aus. Kurios: Einheimische nehmen die Mundart an, wie sie „zwischen Neuern und Kötzting üblich war“. Auch Anton Rodriguez, ein Waisenbub, um den sich ein bayerischer Bauer namens Gruber kümmert. Als Erwachsener wird Anton Dienstbote. Als am Bahnhof neue Aussiedlerfamilien ankommen, tritt der Schwarze auf sie zu und bietet an: „Därfe enk nix trogn, Leutla?“ Die Bayern machen große Augen und fragen: „Ja seids denn es a dätsch?“ Anton sagt: „Des tät i moin!“ Der Bayer ist perplex: „Daßts aber so schwoaz seids?“ Anton kontert: „Bist’s ös so lang da seids wia ich, seids a alle schwoaz.“ Leider nicht überliefert: das Gschau der verdutzten Bayern.

  • 4. Lusern – eine Käseglocke in Italiens Bergen
Bairische Sprachinsel im Trentino: das Dorf Lusern.

Wenn die Bewohner von Lusern, einem winzigen Bergdorf im Trentino, von der Heimat sprechen, sagen sie „huamat“, die Ziege ist die „goas“, die Sonne die „sunn“. Die Sprache heißt „Zimbrisch“ – und sie hört sich irgendwie bekannt an. Irgendwie Bairisch. Tatsächlich ist es ein mittelhochdeutscher Dialekt, wie er hierzulande vor vielen Jahrhunderten auch gesprochen wurde. In dem abgelegenen Bergdorf hat er sich wie unter einer Käseglocke gehalten. Es ist ein Bairisch, wie es unsere Urahnen gesprochen haben. Denn es ist so: Vor knapp 1000 Jahren hat in der Gegend um das Kloster Benediktbeuern eine Hungersnot geherrscht. Etliche Familien zogen daraufhin nach Lusern, aus der puren Not heraus, das Kloster hatte hier Besitztümer. Natürlich brachten die Bayern ihre Sprache mit in die Berge. Inzwischen sprechen gerade noch knapp 1000 Menschen Zimbrisch. Die Huamat-Sprache ist schwer bedroht.

  • 5. Benzinbumbn in der Karpatenukraine

Stell Dir vor, Du läufst durch ein Dorf in der Karpatenukraine, hockst Dich in eine Wirtschaft – und verstehst jedes Wort, das die Leute um Dich herum reden. So ist das zum Beispiel in der Gegend um Komsomolsk. Hermann Scheuringer war dort, er ist Professor für Sprachenwissenschaften an der Uni Regensburg, ein Experte für bairische Sprachinseln. Auswanderer, die Bayern vor langer Zeit verlassen haben, haben in der Alltagssprache ihre Muttersprache bewahrt. „Den Menschen dort“, sagt er, „fehlt oft der moderne technische Wortschatz.“ Eine Tankstelle nennen sie „Benzinbumbn“. Und: Sie sagen „Göld“ zu „Geld“ und „vül“ zu „viel“, klingt fast ein bisschen wie Oberpfälzerisch. Dabei kommen sie eher aus Niederbayern, wo die Menschen heute „Geid“ oder „vui“ sagen, das „l“ im Lauf der Jahrhunderte also vokalisiert haben. Warum diese Entwicklung bei manchen bayerischen Ukrainern ausblieb? „Des woaß der Herrgott“, sagt der Professor. Sprachinseln – eine Wissenschaft für sich.

  • 6. Windhoek – Oktoberfest in Namibia, Afrika

„Die Kirchdorfer“ heizen beim Oktoberfest in Afrika richtig ein. Das Publikum schunkelt, prostet, singt: „Und i nimm di bei da Hand, weil i di mog und i sog: Heit is so a scheener Dog.“ Tausende grölen das „Fliegerlied“ mit. Das gelbe Zelt, das ausschaut wie ein riesiges Oasen-Zelt, bebt. Jedes Jahr Ende Oktober steigt zwei Tage lang Bayerns Party Nummer eins mitten im Herzen Namibias, in Windhoek. Die Musiker aus Holzkirchen, München und Rosenheim, die sonst auch im Hacker-Zelt auftreten, schmettern Gassenhauer wie „Schickeria“ von der Bühne. Sprachbarrieren gibt’s beim Mitsingen nicht. „Die Leute verstehen uns perfekt“, sagt Bandleader Thomas Wohlschläger, „weil die meisten Deutsch sprechen.“ Das rührt noch aus Zeiten, als Namibia eine deutsche Kolonie war. Nur manchmal hakt’s beim Bairischen ein bisschen. Beim Bierbestellen zum Beispiel. Wer „a Hoibe“ sagt, der bleibt meist auf dem Trockenen sitzen. Schon fünf Mal hat er mit der Band in Namibia gespielt und erlebt, wie sich die Afrikaner für seine Kultur begeistern. Bei ihnen fließt das weiß-blaue Wiesn-Blut offensichtlich in den Adern. Bairische Musi – ein Exportschlager der Sonderklasse. Verrückte Globalisierung.

  • 7. FCB-Zentrale in Nakhon Si Thammarat, Thailand
Das FC-Bayern-Haus in Thailand. Es gehört Rainer Scheidl.

Jetzt wird’s bayerisch-romantisch. Vor 22 Jahren lernt Rainer Scheidl im Urlaub seine thailändische Frau Nonglak kennen. Es funkt. Als sie ihn das erste Mal in München besucht, landet sie an einem Freitag – ihr Schatzi wartet schon sehnsüchtig. Mit Tickets für das FC Bayern-Spiel am Samstag. Nanglok ist verzaubert. Sie muss wieder zurück, aber irgendwann bleibt sie für immer. Sobald sie Deutsch beherrscht, bringt Scheidl ihr Bairisch bei. „Schau ma moi“, „Schleich di“, „I mecht zoin“ – haut sie inzwischen raus wie eine Muttersprachlerin. Mindestens zwei Mal im Jahr fliegen die beiden für einige Wochen ins südliche Thailand, in Nakhon Si Thammarat haben sie ein Haus. Ein pinkes Haus – mit knalliger FC-Bayern-Dekoration. Jeder im Ort kennt es, die Lokalzeitung berichtet, Touristen machen Fotos. Scheidl reist stets mit Weißwürsten und Senf an, dann gibt es eine Party – und jeden Samstag schaut die ganze Nachbarschaft bei ihm Bundesliga. „Schee, wenn die in der Allianz Arena frieren, und mia dringa a Weißbier in der Kurzen“, sagt der 53-jährige selbstständige Messebauer und lacht. In vier Wochen geht’s wieder los. Rainer Scheidl, Thailands Bayern-Botschafter im doppelten und dreifachen Sinn.

  • 8. Opotiki – Hennadreck in Neuseeland
Mit Dirndl und Madl in Opotiki, Neuseeland: Lisa Wanger und Annabell.

Annabell, 2, sitzt immer mal wieder neben ihrem CD-Player. Ganz genau lauscht sie dann der Musik. Was singen die denn da? „Sepp Depp Hennadreck, beißt da Katz an Wedl weg.“ Sie ist Fan von dem bayerischen Kinderlied der Biermösl-Blosn, es läuft in Dauerschleife. Die Worte nachzuplappern ist ganz schön schwierig. Für Annabell ist der bairische Text eine doppelte Herausforderung. Das Mädel mit den blauen Augen wohnt in Opotiki, Neuseeland. Bairisch redet dort niemand. Außer ihrer Mama. Die kommt aus Saulgrub im Kreis Garmisch-Partenkirchen.

Im Jahr 2005 hat es Lisa Wanger nach Neuseeland verschlagen. Dort lernte sie Annabells Papa Elliot Shaw, 28, kennen. Ihre Wurzeln kann sie vor allem beim Sprechen nicht leugnen. „Zefix“, sagt sie, „ich fluche immer noch auf bairisch.“ Während der Papa Englisch mit der Tochter redet, unterhält sich Wanger, die Grundschullehramt studiert, nur auf Deutsch mit dem süßen Blondschopf. Ein paar bairische Wörter sind da automatisch immer mit dabei, sagt sie. „Gach“ oder „Fleischpflanzerl“ zum Beispiel. „Ich will, dass Annabell das Bairische zumindest versteht“, sagt die Mama. Aber „Ammerl“ – so nennt sich die Kleine selbst – hat’s jetzt schon voll drauf. „Pfiadi“ und „Schoaß“ sind ihre Lieblingswörter. Wenn das mal keine Basis ist.

Tag der Muttersprache

Der Internationale Tag der Muttersprache ist ein von der Unesco ausgerufener Gedenktag zur Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit. Er wird seit 2000 am 21. Februar begangen. Von den rund 6000 Sprachen, die weltweit gesprochen werden, sind nach Schätzung der Unesco die Hälfte vom Verschwinden bedroht. Sprachliche und kulturelle Vielfalt repräsentieren, so die Organisation, universelle Werte, die Einheit und Zusammenhalt einer Gesellschaft stärken. Der Tag der Muttersprache erinnert an die Bedeutung des Kulturgutes Sprache.

Carina Lechner, Stefan Sessler und Manuela Schauer

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