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Kardinal Marx und der Augsburger Bischof Zdarsa (mit Hut)

Freistaat arbeitet an Konzept

Weltbild-Filialgeschäft entgeht der Pleite

München – Beim Pleitekonzern Weltbild ist es gelungen, eine Art Brandschutzmauer gegen ein weiteres Umsichgreifen der Insolvenz auf andere Konzernteile einzuziehen.

So haben sich kirchliche Weltbild-Eigner, Banken und Buchhandelspartner Hugendubel jetzt auf eine Finanzierung des gemeinsamen Filialgeschäfts unter dem Dach der DBH Buchhandels GmbH geeinigt. Insgesamt sollen der DBH mit ihren insgesamt 320 Filialen und 3100 Beschäftigten dadurch 30 Millionen Euro zufließen, die zu zwei Dritteln von der Kirche und zu einem Drittel von Banken kommen. Teil des Plans ist dem Vernehmen nach, dass Hugendubel binnen vier Wochen ein Sanierungsgutachten mit mutmaßlich bitteren Perspektiven für viele Filialen und deren Beschäftigte vorlegt.

„Es muss eine Filialbereinigung geben“, betont ein Insider. Deren genauer Umfang müsse nun ermittelt werden. Fast jeder zweite Laden könne sich am Ende als nicht zukunftsfähig erweisen, warnt der Experte vor. Hugendubel und Weltbild-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz wollen sich dazu nicht äußern. Das Schlimmste wenigstens scheint zumindest vorerst verhindert. Denn zuletzt hatte sich die Hugendubel-Familie geweigert, sich an der Rettung der mit Weltbild gemeinsam betriebenenen Tochter DBH zu beteiligen. Der Familienkonzern wollte vielmehr die eigenen 77 Hugendubel-Filialen aus dem Verbund lösen und so dem Strudel der Weltbild-Pleite entgehen, was für die in der DBH verbleibenden Weltbild-Filialen fatal gewesen wäre.

Vor allem die Kirche habe aber nun verhindert, dass auch die DBH Insolvenz anmelden musste, heißt es aus Verhandlungskreisen. Allerdings gilt auch Hugendubel als angeschlagen. Der Familienkonzern betreibt viele teuere Standorte in Innenstadtlagen, die bei der drohenden Filialbereinigung kaum alle ungeschoren davonkommen dürften. Finanziell sind die Münchner auf die jetzt vereinbarten 30 Millionen Euro Darlehen von Kirche und Banken angewiesen.

Damit bleibt die Insolvenz derzeit auf die Augsburger Weltbild-Zentrale mit ihren 2200 Beschäftigten beschränkt. Für sie sucht Geiwitz derzeit nach neuen Investoren, nachdem die kirchlichen Eigner vor Monatsfrist den Geldhahn zugedreht hatten. Es hätten sich mehrere Interessenten gemeldet, die allerdings noch keinen Einblick in die Bücher des Pleitekonzerns genommen haben, bestätigt ein Sprecher des Insolvenzverwalters. Von verbindlichen Übernahmeangeboten sind Geiwitz und Weltbild wohl noch Wochen entfernt.

Möglich ist auch, dass es länger als bis Ende März dauert, bis ein Käufer für möglichst große Teile der Weltbild-Gruppe gefunden ist, sagen Experten. Nur bis dahin ist allerdings die Finanzierung des Pleiteunternehmens gesichert, für das monatlich allein knapp acht Millionen Euro Personalkosten anfallen.

Hinter den Kulissen arbeitet dem Vernehmen nach deshalb der Freistaat Bayern an einem Finanzierungskonzept über Ende März hinaus, um die Zeit zu einem mutmaßlichen Verkauf von Weltbild ohne weiteren Schaden für das Unternehmen überbrücken zu können. Endgültig gerettet sind derzeit weder Weltbild noch DBH.

T. Magenheim-Hörmann

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