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Nicht jammern, sondern machen, ist das Motto von Michaela Zischek (Mitte), die sich derzeit in einem Frauenhaus in Tansania engagiert. Sie hilft mit, diesen Mädchen, allesamt Opfer von Gewalt, eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Weltfrauentag

Eine Bayerin packt in Tansania an

Rohrdorf/Arusha – Raus aus dem bequemen Leben, rein in die Ungerechtigkeit Tansanias. Michaela Zischek will Probleme nicht einfach hinnehmen, sondern mit anpacken. Derzeit engagiert sie sich in einem Frauenhaus in Tansania.

Eigentlich war alles perfekt. Die Stadt, die Beziehung, der Job. Eigentlich. Aber irgendwie war da diese Unzufriedenheit. Michaela Zischek verfiel kurz vor ihrem 30. Geburtstag ins Grübeln. „Lebensfragenszeugs eben“, sagt die gebürtige Rohrdorferin (Kreis Rosenheim). Schnell war ihr klar: Sie muss etwas verändern. Sie liest etwas über die Endzwanzigerkrise – raus aus der Bequemlichkeit, Pläne schmieden, Banken überfallen, hieß es da. „Das mit den Banken habe ich erstmal sein lassen und stattdessen Pläne geschmiedet“, sagt die Politologin. Und ihr Plan hat sie nach Arusha in Tansania verschlagen.

Nun ist sie an einem Ort, an dem sie neun Wochen lang als Freiwillige in einer Art Frauenhaus arbeitet. Junge Frauen bekommen dort eine berufliche Perspektive – für eine Zukunft ohne Gewalt. Die Vergangenheit der Mädchen, die im Faraja Women Development Center in Arusha leben, ist düster. Junge Frauen, vergewaltigt, misshandelt und, weil sie schwanger waren, aus der Schule geworfen. Von ihren Familien verstoßen. Viele von ihnen sind Opfer von Kinderheirat, Menschenhandel oder Genitalverstümmelung. Die Faraja Young Women Development Organization bietet ihnen eine berufliche Perspektive. Sie können dort für ein Jahr eine Ausbildung zur Köchin oder Schneiderin machen und bekommen Unterricht in Englisch, Mathe und Gesundheitserziehung. Währenddessen kümmert sich das Center auch um ihre Kinder.

Micha Zischek will dabei helfen. Die PR-Beraterin sieht ihre Arbeit aber alles andere als uneigennützig: „Ich bin keine Samariterin, ich bin hier, um etwas über Afrika zu lernen.“ Zischek ist eine energische Frau, die so schnell nichts aus der Fassung bringt. Aber dann sind da diese Geschichten, die der 29-Jährigen nahe gehen. Immer dann, wenn sie unvermittelt mit der Gewalt konfrontiert wird, unter der die jungen Frauen leiden mussten. Eines der Mädels hat sie mal gefragt, warum sie keine Narben hat. „Schlägt Dich Dein Freund nicht?“, wollte sie wissen. „Nein, natürlich nicht“, antwortete Zischek. Die junge Frau aus Afrika war total verblüfft: „Wow, auch nicht dein Vater?“ In solchen Momenten ist Michaela Zischek sprachlos. Aber sie will die Frauen nicht als Opfer sehen, sondern „als junge Frauen, die Dank der Ausbildung und psychologischen Betreuung im Center die Möglichkeit auf eine selbstbestimmte Zukunft haben. Sie haben genug durchgemacht – Mitleid hilft ihnen nicht weiter.“

Die Oberbayerin arbeitet im Büro der Leiterin mit, gibt Englisch-Unterricht und Yoga-Kurse oder geht mit den Frauen zum Fußballspielen. Und sie will die Frauen finanziell unterstützen. Dazu hat sie sich etwas Besonderes überlegt. Ihre Keine-Geschenke-zum-30.-Geburtstag-Aktion. „Ich hab’ doch schon alles, was ich brauche, deshalb habe ich alle, die mir etwas schenken wollten, gebeten, stattdessen etwas für das Center zu spenden“, erklärt Zischek. Mehr als 2177 Euro hat sie bereits mit ihrer Aktion im Internet gesammelt. „Von dem Geld werden neue Klassenzimmer gebaut“, sagt sie.

Momentan ist im Center Platz für 30 Frauen und ihre Kinder. Am Ende ihres Ausbildungsjahres sollen die Frauen für sich und ihre Kinder sorgen können, auf eigenen Beinen stehen. Mit dem geplanten Gebäude können jedes Jahr 20 weitere Frauen eine Ausbildung absolvieren. Michaela Zischek hat jetzt noch eine Woche in Afrika. Sie ist froh, dass ihre Minikrise sie nach Arusha geführt hat. Sie geht aber nicht mit dem Gefühl, „dass sie irgendjemanden gerettet hat“. Sie wollte hier vor allem eines: etwas lernen. Und das hat sie: Wer unzufrieden ist, sollte nicht nur jammern. Sondern: etwas tun.

Christiane Breitenberger

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