Die Kirche und die Medienwelt: Kardinal Marx verabschiedet Erich Jooß (links) als langjährigen Direktor des Sankt Michaelsbundes und begrüßt dessen Nachfolger Stefan Eß

Weltoffen, katholisch, belesen: Ein Medienprofi geht von Bord

München – Ein leidenschaftlicher Bücherfreund und Literaturliebhaber, ein Medienprofi durch und durch, ein Schöngeist, Autor und Geschichtenerzähler – und ein liebenswerter Mensch: Erich Jooß ist nach 35 Jahren im katholischen Verlagshaus Sankt Michaelsbund in München verabschiedet worden.

27 Jahre war der promovierte Germanist Geschäftsführender Direktor des Medienhauses, zu dem die Münchner Kirchenzeitung gehört, das Münchner Kirchenradio und Fernsehen. Der Verband betreut auch gut 1200 Büchereien in Bayern.

„Ein geistiger Mensch wird nie in den Ruhestand gehen“, stellte Kardinal Reinhard Marx bei der Feier im Künstlerhaus am Lenbachplatz fest. Der Erzbischof würdigte die „qualitätsvolle und immer loyale Arbeit“ für die Kirche. Der Michaelsbund sei unter Jooß’ Leitung immer seiner Aufgabe gerecht geworden, Menschen ein umfassendes Bild des Lebens zu vermitteln und ihnen zum Glauben zu verhelfen.

Mit seiner Lobeshymne auf das Buch und die Bedeutung des Lesens sprach der Münchner Erzbischof dem scheidenden Medien-Experten aus der Seele. Bei aller notwendigen Beschäftigung mit den neuen Medien sei das Lesen die Grundlage für jegliche Bildung. Christliche Bildung müsse sich immer der Zeit stellen. Hier konnte der Kardinal nicht umhin, Weltbild ins Spiel zu bringen – das Verlagshaus, von dem sich die katholischen Bischöfe trennen wollen. Die Entscheidung, den Verlag zu verkaufen, sei „nicht als Signal zu verstehen, dass sich Kirche aus der Welt der Medien, der Öffentlichkeit zurückzieht“, betonte Marx und fügte hinzu: „Das wäre verheerend.“ Die Kirche werde keine Zukunft haben, wenn sie nicht immer wieder neu Kommunikation in Gang setze.

Erich Jooß wäre nicht Erich Jooß, wenn er seiner Kirche nicht noch einige freundlich kritische Anmerkungen hinterlassen hätte. „Herr Kardinal, Sie mögen verzeihen, aber unsere Kirche braucht eine größere Breite an qualifizierten Mitarbeitern, nicht nur Theologen“, hielt er ein Plädoyer für die Laien. In seinem Arbeitsleben waren es gerade Priester, die ihn unterstützt haben. So erinnerte Jooß an seinen Vorgänger Pfarrer Hans Schachtner, der ihn in Schutz genommen hatte, als er ein Skandaltheaterstück in München in der Kirchenzeitung positiv besprochen hatte. „Als Rauch Satans in der Kirche bin ich damals bezeichnet worden“, erinnert sich Jooß schmunzelnd. Als gefordert wurde, ihn zu entlassen, habe sein Chef ihm den Rücken gestärkt.

Katholisch sein, heiße offen zu sein, einladend. Derzeit sei die Versuchung sehr groß, „im eigenen Saft zu schmoren“. Um ihre gesellschaftliche Kraft zu erhalten, müsse die Kirche auch mit Literaten und Künstlern im Gespräch bleiben. „Mir hat die Öffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils ermöglicht, bis heute in der Kirche zu bleiben“, sagte Jooß.

Zum Medienunternehmen Weltbild merkte der 65-Jährige an, er verstehe, „dass man sich gewaltig ärgert“. Zugleich gab er zu bedenken, dass es sich bei dem Unternehmen um einen „Massenversender“ handle, bei dem die bestellten Bücher nicht mehr angefasst würden. Jooß bleibt weiter Vorsitzender des Medienrates der bayerischen Landeszentrale für neue Medien. Das Gremium hatte ihn erst im Frühjahr im Amt bestätigt. Mitmischen wird der Medienmann, der über 50 Bücher geschrieben hat, auch in der Literatenvereinigung „Die Turmschreiber“. Jooß’ Nachfolger Stefan Eß (45) ist seit 1. September im Amt.

Claudia Möllers

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