Werben für Bayern in New York: Trachtler aus Mammendorf (Kreis Fürstenfeldbruck).

Weltsprache Bairisch: Mundart verbreitet bis Neuseeland

Regensburg - Der bairische Dialekt hat sich weit über die Grenzen des Freistaats hinaus verbreitet. Die Mundart ist unter anderem in Rumänien, Oberitalien und sogar Neuseeland erhalten geblieben. Jetzt beschäftigen sich Wissenschaftler mit dem Thema.

Im Bergdorf Lusern in Oberitalien wohnt ein außergewöhnliches Völkchen. „Huamat“ nennen die Bewohner ihre Heimat, die Ziege ist die „goas“, die Sonne die „sunn“. Ihre Sprache, das „Zimbrische“, klingt vertraut - nicht Italienisch, sondern vielmehr Bairisch. Das ist kein Zufall und kommt nicht nur in den Bergen Italiens vor.

Denn dank früherer Auswanderungswellen sind über Jahrhunderte in mehreren Ländern kleine bairische Sprachinseln erhalten geblieben, sagt Sprachwissenschaftler Hermann Scheuringer von der Universität Regensburg. Zusammen mit Kollegen aus dem In- und Ausland lädt er ab heute zum Regensburger Dialektforum, das sich mit dem Thema „Bairisch in der Welt“ beschäftigt.

In Oberitalien ist der bairische Dialekt schon seit fast 1000 Jahren beheimatet. Aufgrund einer Dürre in der Gegend um das Kloster Benediktbeuern im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen hungerten und starben viele Menschen. Die Kirche besaß Besitztümer in Italien, und so begann eine große Völkerwanderung über die Alpen.

In der Abgeschiedenheit der Berge ist der Dialekt so in einigen Dörfern fast in seiner ursprünglichen Form erhalten geblieben. „So entstehen dann Wörter, die man hierzulande nicht mehr versteht“, sagt Scheuringer. Wie zum Beispiel „Ertag“ und „Pfinztag“ für Dienstag und Donnerstag. Ein Bayer und ein Bairisch-Sprechender in Oberitalien würden sich zwar verstehen - „aber nur sehr schwer“, sagt der Professor.

Im Bergdorf Lusern spricht fast jeder der 300 Bewohner Zimbrisch, zudem natürlich Italienisch, manchmal auch Deutsch. Es wird viel Wert auf die bairische Mundart gelegt, sogar in der Schule bekommen die Kinder den Dialekt vermittelt. Ebenso in Rumänien. Dort sprechen rund 5000 Menschen einen bairischen Dialekt. Erste Siedlungen im rumänischen Banater Bergland entstanden bereits im Jahr 1828. Noch heute ist der nordmittelbairische Dialekt hier vertreten und wird - auch von jüngeren Bewohnern - gesprochen.

Das ist in Neuseeland anders. Nur noch fünf Menschen - im Alter zwischen 80 und 95 Jahren - sprechen dort die vom Aussterben bedrohte Mundart. Sie sind die Nachkommen einer Gruppe von 100 Auswanderern, die in den 1860er und 1870er Jahren die Strapazen einer über dreimonatigen Fahrt nach Neuseeland auf sich nahmen. Auch auf der anderen Seite der Welt weist die Sprache einige bairische Kennwörter auf - wie zum Beispiel „diats“ (ihr) oder „enk“ (euch). Im Laufe der Zeit hat sich der Dialekt auch mit dem Englischen vermischt. So wird die Weihnachtszeit „Christmaszeit“ genannt, Schulferien sind „Schulholidays“. Darüber hinaus werden englische Begriffe für Gegenstände verwendet, die zur Zeit der Einwanderung noch nicht existierten - wie zum Beispiel für Waschmaschine („washing machine“) oder Dusche („shower“).

Wie in Neuseeland wird das Bairische auch in den USA wohl in den nächsten 20 bis 30 Jahren aussterben. Aber das sei nun einmal der normale Lauf der Dinge, sagt Scheuringer. „Die Jüngeren gehen immer mehr zur Landessprache über.“

Andreas Günthner / Christine Cornelius

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