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Die Wetterstation auf dem Wendelstein (im Vordergrund). Hinten links ist die Kuppel des Observatoriums zu sehen. Es gehört zur Ludwig-Maximilians-Universität München und wird nicht geschlossen.

Wendelstein: Ein Stück Tradition endet

Brannenburg – Der Deutsche Wetterdienst muss sparen, die Schließung der Wendelstein-Wetterwarte ist beschlossene Sache. Nach fast 130 Jahren werden die Messungen ersatzlos eingestellt.

Am 8. Oktober 1883 begann die Geschichte – nach ziemlich genau 129 Jahren wird sie enden. Die mit vier Beamten besetzte Wetterwarte des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wird im Herbst schließen, entschied wie schon kurz berichtet der Vorstand des DWD in Offenbach. „Die Station wird abgebaut“, bestätigt Thomas Schuhmacher, DWD-Verantwortlicher in München.

Grund dafür ist ein Beschluss des Bundestages, wonach die Bundesverwaltung Stellen einsparen muss – pro Jahr zwei Prozent. Auch der Wetterdienst, eine dem Bundesverkehrsministerium unterstellte Bundesbehörde, bleibt nicht ungeschoren. Eigentlich dachte der DWD an eine Automatisierung der Wetterwarte. Doch am Wendelstein gebe es atypische Bedingungen – etwa Frost und Schneeverwehungen, so dass die Daten ohnehin nicht repräsentativ für die gesamte Region seien. Schuhmacher fügt aber gleich an: „Wir müssen aber unbedingt einen alternativen Standort finden.“ Er soll zwischen 1000 und 2000 Meter hoch gelegen sein – eventuell biete sich eine andere Bergstation oder ein Bergrestaurant an.

Leicht gefallen sei dem Wetterdienst der Beschluss nicht, ergänzt Uwe Kirsche, Pressesprecher der DWD-Zentrale in Offenbach. „Das ist natürlich traurig.“ Denn eine über 129 Jahre gepflegte Messreihe von Wetterdaten „bricht jetzt ab“.

In der Tat war die Wetterwarte auf dem Wendelstein, die auf dem Gebiet von Brannenburg im Landkreises Rosenheim liegt und die Postadresse Wendelstein 4 hat, die erste Alpenstation im „königlich bayrischen meteorologischen Stationsnetz“. Pionier der Wetterforscher war der renommierte Münchner Meteorologe Dr. Fritz Erk. Im Jahr 1962 wurde das heutige Dienstgebäude auf dem Gipfel erbaut. Es ist in die Jahre gekommen – akuter Stromausfall und ein Rohrbruch zwangen die DWD-Beamten zum Verlassen der Station. Was mit dem Gebäude geschehen soll, ist ungewiss – es wird an die Bundesvermögensverwaltung fallen, die das Haus entweder neu vermieten oder aber abreißen kann.

Vor allem in Brannenburg wird der Beschluss bedauert. Die Gemeinde werde versuchen, die Station doch noch zu retten, versichert Bürgermeister Mathias Lederer. Der Rosenheimer Landrat Josef Neiderhell nennt die Schließung „sehr, sehr bedauerlich“. Die Station sei deutschlandweit eine Institution.

Auch eine Internet-Petition gegen die Schließung gibt es – sie hat schon fast 1400 Unterstützer. Die Kommentare sind eindeutig. „Den Abbruch der weit über ein Jahrhundert lang laufenden Datenreihen halte ich angesichts der aktuellen Klimaproblematik für absolut unverantwortlich“, schreibt ein Nutzer. Ein anderer ärgert sich über die „Ignoranz“ des DWD. Auch der Bahnmeister der Zahnradbahn beschwert sich – er sei auf die Wetterdaten wie Temperatur, Niederschlagsmenge und Wind angewiesen. „Aus unserer Erfahrung mit diesen Daten können wir bereits noch im Talbereich entscheiden, ob Lawinensprengungen an der Zahnradbahntrasse und der Skiabfahren nötig sind.“ Wie es aussieht, wird sich der Bahnmeister die Daten bald anderweitig besorgen müssen.

Dirk Walter und Ludwig Simeth

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