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Wer langsamen Schrittes unterwegs ist, kann auch sorglos an ein paar Kühen vorbeilaufen.

Nach tödlichem Angriff

Experte erklärt: Darum werden Kühe wild

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München - Vorsicht auf der Alm! Das liebe Vieh, das dort grast, kann ganz schön gefährlich werden, wenn es sich bedroht fühlt. In Tirol kam am Montag eine Wanderin, 45, zu Tode – sie starb nach einer Kuh-Attacke. Solche Fälle gibt es immer wieder. Schuld ist meist der Mensch.

Plötzlich stürmten 20 Kühe und Kälber auf sie zu, eine Naturgewalt von bis zu 600 Kilo pro Tier. Sie überrannten die 45-jährige Wanderin aus Rheinland-Pfalz. Rettungskräfte versuchten eine Dreiviertelstunde lang, die Frau zu reanimieren. Dann starb sie auf der Pinnisalm im österreichischen Stubaital.

Tragische Szenen wie die vom Montag kommen immer wieder vor. 2012 zum Beispiel verletzte eine Kuh zwei Rosenheimer auf der Kranzhornalm nahe Kufstein. Die Schuld bei den Tieren zu suchen, wäre aber falsch. Meist sind es Unerfahrenheit und falsches Verhalten der Menschen, die ein Unglück provozieren.

„Kühe sind absolut nicht aggressiv“, sagt Klaus Reiter, 60, der sich mit dem Verhalten von Nutztieren beschäftigt und an der TU München lehrt. Allerdings kann es zu Situationen kommen, in denen die Tiere glauben, sich verteidigen zu müssen. „Die meisten Unfälle passieren, wenn ein Hund im Spiel ist“, sagt der Experte. Gerade dann, wenn er nicht angeleint ist. Die beiden Bayern, die 2012 angegriffen wurden, hatten einen dabei, die 45-jährige Wanderin auch. Tatsächlich geht die österreichische Polizei davon aus, dass die Kühe es auf den Hund abgesehen hatten.

Besonders vorsichtig sollte sein, wer, wie im aktuellen Fall, an einer Herde mit Jungtieren vorbeizieht. „Dann ist jeder Eindringling eine Gefahr für die Tiere“, sagt Reiter. Zumal sie Menschen in der Regel nur selten begegnen. Die Muttertiere wollten natürlich ihre Kälber schützen. In solchen Situationen geben sie über die Haut Pheromone ab, die die anderen Kühe warnen: Verteidigungsfall. Insofern rät Reiter, vorsichtshalber einen Bogen um die Herde zu machen.

Auf Almen ist das aber gar nicht so leicht. Wanderwege führen hier oft durch eingezäunte Weidegebiete. Abschrecken muss das in der Regel aber nicht. Wer sich langsam bewegt, die Tiere nicht ärgert oder ihnen auf die Pelle rückt, hat im Grunde nichts zu befürchten.

Keine Hunde, möglichst auf Abstand bleiben, langsam gehen. Für Stefan Kloo, 55, Almbauer vom Spitzingsee und Mitglied des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern, sind das Grundregeln. Und genau da, sagt er, liege das Problem. Viele Menschen, ob aus der Stadt oder vom Land, wüssten einfach nicht mehr, wie sie sich in der Natur verhalten sollten. „Man muss einen gewissen Respekt vor den Tieren haben“, sagt er. „Die wollen halt ihre Ruhe, wie wir auch.“ Dass Wanderer oder Touristen diese Regel missachten, erlebt er immer wieder. Manche ärgern die Tiere, andere piesacken sie, um ein gutes Foto zu bekommen. Erst kürzlich, erzählt Kloo, habe sich eine ganze Schulklasse vor einer Herde Kühe aufgebaut. 50 Schüler umzingelten ein paar Kühe – aus purer Gaudi.

Das kann auch zum Schaden der Tiere sein. Vor zwei Jahren zum Beispiel musste Kloo ein Kalb einschläfern lassen. Es hatte sich vor einer Gruppe Jogger erschreckt, war über eine Böschung gestolpert und hatte sich das Rückgrat gebrochen. „Es war ein Opfer der Freizeitwelt.“

Natürlich weiß auch Kloo, wie gefährlich eine Kuh sein kann – vorausgesetzt, sie fühlt sich provoziert und setzt zur Attacke an: Wer in dieser Situation einen Hund dabei hat, sollte ihn so schnell wie möglich loslassen. Da die Rinder es auf ihn abgesehen haben, laufen sie ihm hinterher. Für den Wanderer gelte dasselbe: laufen, so schnell es geht – in die andere Richtung.

Kuhexperte Reiter gibt denselben Rat. Im Notfall, sagt er, könne man auch versuchen, sich „mit ausgebreiteten Armen und lauten Schreien“ zu wehren. Aber nur, wenn Wegrennen keine Option mehr ist.

Von Marcus Mäckler

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