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Die Versorgung von alten Angehörigen kostet nicht nur Zeit und Geduld, sie stürzt auch vor allem die pflegenden Frauen immer häufiger in existenzielle Not. Weil sie nicht arbeiten gehen können, ist ihre Rente später oft viel geringer.

Wenn Pflege arm macht

München - Der VdK, der allein in Bayern 600.000 Mitglieder und damit so viele wie nie zuvor hat, setzt in diesem Jahr die Pflege von Angehörigen auf seine Agenda. Der Sozialverband übt massiv Kritik am Pflegekonzept.

Die Menschen in Deutschland werden durchschnittlich älter als je zuvor und bleiben dabei gesünder denn je. Sagt Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK. Das war es dann aber auch schon mit positiven Meldungen, die Mascher bei einer Pressekonferenz des Sozialverbands vorgestellt hat. „Pflege als Armutsrisiko“ lautete das Thema, viele der Fakten des VdK dazu sind bekannt, und dennoch gibt es bislang für viele Probleme noch immer keine Lösung.

So etwa die Gefahr, durch Pflege in die Armut zu rutschen. Davon seien vor allem Frauen betroffen. „Die Pflege von alten und kranken Angehörigen zu Hause ist zu 70 Prozent Frauensache“, sagt die VdK-Präsidentin. „Der oftmals notwendige Ausstieg aus dem Beruf bedeutet Einkommensverluste, die auch ein eventuell gezahltes Pflegegeld nicht wettmachen kann“, ärgert sich Mascher.

25 Prozent der Frauen über 65 Jahre verfügen in Bayern laut dem Statistischen Landesamt über ein Nettoeinkommen von unter 500 Euro im Monat. Bei den gleichaltrigen Männern trifft dies jedoch nur auf drei Prozent zu, wie Mascher, die auch Präsidentin des VdK Deutschland ist, kritisierte. Diese Frauen bräuchten mehr finanzielle Sicherheit, damit die Entscheidung für die Angehörigenpflege nicht das Abbiegen in die Einbahnstraße zur Armut bedeute. Die reduzierten Rentenanwartschaften für die Zeiten der Pflege erhöhten zudem die Gefahr der Altersarmut. Daher forderte Mascher die Angleichung der Rentenanwartschaften von Zeiten der Pflegetätigkeiten und Zeiten der Kindererziehung.

Denn für ein Jahr häusliche Pflegetätigkeit in Pflegestufe I werde derzeit nur ein Rentenanspruch von 7,42 Euro erworben, für ein Jahr Kindererziehung dagegen 27,47 Euro. Gebe es keine Angleichung in naher Zukunft, verschärfe sich die finanzielle Situation der Pflegenden weiter, da die Zahl der Pflegefälle in Bayern ansteige.

Zudem forderte der VdK die rasche Umsetzung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs, damit etwa Demenzkranke ein Recht auf mehr Leistungen aus der Pflegeversicherung bekommen. Derzeit werde vielen Demenzkranken die Anerkennung einer Pflegestufe verweigert. „Wir erwarten, dass Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr das Versprechen seines Vorgängers Philipp Rösler einlöst, damit es zügig deutliche Verbesserungen für diese Menschen und ihre Angehörigen gibt“, sagte Mascher.

In der regionalen bayerischen Betrachtung der Verteilung von Pflegebedürftigkeit ist auffällig, dass diese von Region zu Region sehr unterschiedlich ausfällt. In 17 bayerischen Landkreisen, vor allem im Norden und Südosten, finden sich laut VdK durchschnittlich 35 oder mehr Pflegebedürftige pro 1000 Einwohner, mit einem Spitzenwert von 49 in der Stadt Passau und dem niedrigsten Wert im Landkreis Freising mit 15. Die Regionen mit den höchsten Pflegebedürftigkeitsquoten sind gleichzeitig die strukturschwächsten Bayerns, die beispielsweise vom Wegzug der jungen Leute geprägt sind. „Es stellt sich also die Frage, wer dort eigentlich die Pflege übernehmen soll“, sagte Ulrike Mascher.

Der VdK hat nach eigenen Angaben in Bayern derzeit rund 595 000 Mitglieder und damit so viele wie nie zuvor. Seit Jahresbeginn traten dem Sozialverband 32 000 Mitglieder bei. Als Ursache für die große Zahl der Eintritte nannte der Landesverband den gestiegenen Beratungsbedarf der Bevölkerung in Fragen rund um Rente, Schwerbehinderung, Kranken- und Pflegeversicherung.

Von Patrick Wehner

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