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Der Tüftler und sein Meisterwerk: Wenzel Ellenrieder wollte, dass junge Leute im Straßenverkehr sicher unterwegs sind – sicherer, als auf zwei Rädern. Deshalb hat er eine Gesetzeslücke genutzt und den Ellenator erfunden.

KFZ-Tüftler Nutzt Gesetzeslücke

Der Ellenator – ein Auto für 16-Jährige

Dösingen - Wenzel Ellenrieder wollte ein sicheres Auto für 16-Jährige bauen. Dafür ist der Mechaniker aus dem Allgäu erfinderisch geworden. Herausgekommen ist der Ellenator – ein pfiffiges Fahrzeug, das bei den Jugendlichen auf dem Land gut ankommt.

Für Leute wie Wenzel Ellenrieder gibt es im Allgäu ein Wort: ein „Mächeler“. Das steht für einen, der Geschick in den Händen und Ideen im Kopf hat. Und der nach Feierabend originelle Erfindungen verwirklicht. „Ich bin leidenschaftlicher Mechaniker“, sagt der 54-Jährige nicht ohne Stolz. Vor drei Jahren kam dem Kfz-Meister und Autohändler aus Dösingen (Landkreis Ostallgäu) die Idee seines Lebens: ein vollwertiges Auto für Jugendliche. Dank einer Gesetzeslücke dürfen auch schon 16-Jährige damit unterwegs sein.

Die Idee kam ihm im Herbst 2013. Ellenrieders Sohn Markus war gerade 16 geworden. Hatte den Führerschein Klasse A1 in der Tasche. Aber nicht den geeigneten Untersatz unterm „Fiedle“, wie man im Allgäu sagt. Zumindest nicht einen Untersatz, den Vater Wenzel für sicher hielt. „Ganz ehrlich, die Mikrocars mit 45 Stundenkilometer sind doch lebensgefährliche Bremsklötze im Verkehr“, sagt er. Und über Zweiräder, sagt Ellenrieder, brauche man gar nicht zu reden. Sein eigener Bruder ist mit 17 Jahren auf einem Moped tödlich verunglückt. Das hat Ellenrieder geprägt – und viele Jahre später angetrieben, ein sicheres Fahrzeug für junge Menschen zu bauen.

Der Mann ist, wie erwähnt, ein Mächeler. Kein Anzugtäter – auch wenn sein Kfz-Betrieb eine stattliche Größe hat. Mit dem beherzten Griff, dem Arbeitsgewand und einem Käppi ist Wenzel Ellenrieder der Prototyp des Herzbluthandwerkers. Wer ihn im Betrieb trifft, würde ihn nie und nimmer für den Chef halten.

An jenem Herbsttag 2013 stand der Schrauber in seiner Werkstatt und dachte nach. Das Feierabendbier in der einen Hand, eine erste Skizze in der anderen. Auf der Hebebühne vor ihm ein VW Polo. Da war sie, die Idee: Warum nicht ein Dreirad? Mit Dreirädern kannte er sich aus. Seit 20 Jahren vertreibt Ellenrieder für Piaggio die legendäre italienische Arbeitsbiene „Ape“. Die „große“ 200 Kubik-Version darf man, das wusste er natürlich, seit 2013 mit dem Führerschein A1 fahren. Dreiräder bis 15 Kilowatt sind damit ab 16 legal. Der Funke war gezündet.

Der Ellenator.

Weihnachten 2013 fand für Ellenrieder also mehr oder weniger in seiner Werkstatt statt. Er schaffte Material rein, legte los. Die Dorfleute flachsten und sagten: „Der Wenzel schläft jetzt in der Werkstatt.“ Immer brannte dort Licht. Ellenrieder schweißte und flexte. Schraubte, vermaß, tüftelte – und fluchte. Das Hinterrad passte nicht so recht, die Lastverteilung stimmte nicht. Mit dem Bremsen gab es Probleme. Ein Geistesblitz: Warum nicht zwei Räder dicht nebeneinander? Denn: „Mit 46,5 Zentimeter Abstand von zwei Rädern gilt das als Dreirad“, sagt Ellenrieder. So kam sein Spezialauto zur nötigen Stabilität. Musste nur noch der Motor gedrosselt werden.

Es sollte den Kfz-Meister noch 13 000 Arbeitsstunden, 60 000 Euro Investitionen und ein Jahr mit viel Behördenkram kosten, bis er am 22. Dezember 2014 den ersten „Ellenator“ zulassen konnte. Die erste Kleinserie starte bald. Zuerst mit Autos aus der VW-Gruppe, inzwischen hat Ellenrieder mit dem Fiat 500 die „perfekte Basis“ für seinen Umbau gefunden. Umbau wohlgemerkt: Wer einen Ellenator möchte, muss einen Basis-Fiat 500 mitbringen. „Älter als zwei Jahre sollte er nicht sein“, sagt er. Kostenpunkt: 5000 Euro. Ein Rückbau wäre möglich, aber unnötig.

Wie sich herausstellte, sind die Autos begehrt. 140 kurven bereits herum, rund 30 sind vorbestellt. Denn: Wer schon mal auf dem Land gewohnt hat, weiß: Ein Bus pro Stunde in die nächste Kleinstadt macht Jugendliche nicht froh. Bei der Probefahrt wird schnell klar: Der Ellenator bringt es auf flotte 90 Stundenkilometer und fährt sich wie ein normales Auto. Und: Hat Airbags und alles. „Mich freut, dass ich ein sicheres Auto für Jugendliche geschaffen habe“, sagt Ellenrieder. Für Sohn Markus war es zu spät, da war das „richtige“ Auto schon in Reichweite. Aber für Sohn Thomas, der im 14 Kilometer entfernten Denklingen seine Ausbildung macht: perfekt. „Was meinen Sie, wie den die Mädels anhimmeln mit dem Auto“, sagt Ellenrieder mit glänzenden Augen. Wobei nicht ganz klar ist, auf was er mehr stolz ist: auf seinen schneidigen Sohn oder seine Erfindung.

Klaus Mergel

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