Ein Zug vor einem Berg bei Garmisch-Partenkirchen.
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Die Werdenfelsstrecke (hier bei Klais) soll zweigleisig werden, fordern Politiker.

Schlagabtausch im Bayerischen Landtag

Werdenfelsbahn soll zweigleisig werden

  • Dirk Walter
    VonDirk Walter
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Eine einspurige Straße als einzige Verbindung nach Garmisch-Partenkirchen – das ist undenkbar. Doch bei der parallel verlaufenden Bahnstrecke ist es so: Sie ist über weite Strecken nur eingleisig. Am Dienstag gab es einen neuen Anlauf, das zu ändern.

München/Weilheim – Bei Norbert Moy vom Fahrgastverband Pro Bahn rennt jeder, der den Ausbau der Werdenfelsbahn fordert, offene Türen ein. Der Weilheimer pendelt selbst täglich nach München und ärgert sich oft über Verspätungen, die Folge der eingleisigen Strecke sind. „Wenn ich in Tutzing abends sehe, dass der Gegenzug nicht da ist, dann weiß ich: Es wird wieder einmal später.“ Erst muss der Zug Richtung München durch, dann kann der Richtung Weilheim fahren – so läuft das. Mindestens der knapp 13 Kilometer lange Abschnitt Huglfing-Murnau, besser noch die gesamte Strecke Tutzing bis Murnau sollte nach Meinung von Moy zweigleisig ausgebaut werden. „Das wäre das Optimale.“

Im Landtag war die Werdenfelsbahn gestern Thema. SPD und Grüne forderten in Anträgen, die Strecke endlich auszubauen. „Es ist klar, dass was passieren muss“, sagte der SPD-Abgeordnete Florian von Brunn, der einen detaillierten Forderungskatalog vorgelegt hatte. Neben der Zweigleisigkeit müsse das Bahnfahren in vielen Punkten im Werdenfelser Land einfacher werden, meinte von Brunn. Es müsse die Fahrradmitnahme erleichtert werden, ein neuer dauerhafter Haltepunkte entstehen „Kainzenbad“ bei Partenkirchen) und auch der Takt von Ammergau- und Kochelseebahn verbessert werden.

Landtag verhakt sich in Details

Eigentlich ist das unstrittig. Doch im Verkehrsausschuss des Landtags verhakten sich die Parteien gestern in Details. „Wir sehen die Notwendigkeit“, sagte der CSU-Abgeordnete (und frühere Münchner OB-Kandidat) Josef Schmid. Doch der Bund müsse erst eine Nutzen-Kosten-Analyse vorlegen. Vorher werde die CSU die Staatsregierung nicht offiziell auffordern, sich an den Ausbaukosten in dreistelliger Millionenhöhe zu beteiligen. Mit den Stimmen der Regierungsmehrheit CSU und FW wurden sowohl der Grünen- als auch der SPD-Antrag abgelehnt.

Die Strecke der Werdenfelsbahn.

Dennoch: Die Diskussion könnte bald wieder Fahrt aufnehmen. Denn die Deutsche Bahn hat erst in diesem Jahr einen ehrgeizigen Zukunfts-Fahrplan („Deutschlandtakt“) veröffentlicht. Er sieht zwischen München und Mittenwald einen Expresszug vor – nicht wie heute nur morgens Richtung München und abends zurück, sondern im Stundentakt ganztags in beiden Richtungen. Das aber ginge nur, wenn die Strecke durchgängig zweigleisig ist. Darauf wies auch der Grünen-Abgeordnete Markus Büchler hin. „Diese ausgestreckte Hand des Bundesverkehrsministers sollten wir nicht ausschlagen.“

Norbert Moy von Pro Bahn kennt weitere Probleme der Strecke, die beim Ausbau ebenfalls angepackt werden müssten. Etwa die schnelle Beseitigung von Langsamfahrstellen. Im Sommer, berichtet Moy, gab es einen Abschnitt, auf dem der Zug auf 70 km/h runterbremste, statt 140 km/h zu fahren – nur wegen einer defekten Weiche in Polling. „Das ging über viele Wochen.“

Ebenfalls ärgerlich: Bei Seehausen am Staffelsee hat die Bahn eine Fußgänger-Unterführung für mehrere Millionen neu gebaut – aber sie ist nur für Eingleisigkeit ausgelegt, müsste beim Bau eines zweiten Gleises wieder erweitert werden. Er verkneife sich jetzt mal das Wort vom „Schildbürgerstreich“, sagte der Abgeordnete von Brunn dazu.

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