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Johann Westhauser mit Begleitung auf dem Neujahrsempfang.

Rettung dramatischer als bisher bekannt

Westhauser in Höhle achtmal wiederbelebt!

Berchtesgaden - Im Juni 2014 verunglückte Johann Westhauser in der Riesendinghöhle. Die Rettungsaktion machte bundesweit Schlagzeilen. Jetzt kam heraus: Die Rettung des Forschers war dramatischer als bisher bekannt.

Alle waren sie da beim Neujahrsempfang der Tourismusregion Berchtesgaden/Königssee im dortigen Kongresshaus. Lokalpolitiker, Vereinsmitglieder, Soldaten vom Gebirgsjägerbataillon, Prominenz – und ein Überraschungsgast; einer, um den sich an diesem Dienstagabend alles drehte und dessen Erscheinen für stehende Ovationen sorgte: Johann Westhauser (54), der Gerettete aus der Riesendinghöhle. Es war der erste öffentliche Auftritt des Höhlenforschers, der fast ein wenig schüchtern wirkte und zart. Er betrat vor den 600 Gästen das Podium und sagte unter Tränen, „dass es mir ein Anliegen ist, mich für meine Rettung zu bedanken“. Sein Dank galt den Männern und Frauen der Bergwacht, den Höhlenrettern und allen anderen, die an der größten Rettungsaktion der jüngeren Zeit beteiligt waren. Es gab stehende Ovationen, zumal jetzt herauskam: Die Rettung aus der Riesendinghöhle im Untersberg war weitaus dramatischer, als bisher bekannt. Westhauser, der ein schweres Schädel-Hirntrauma erlitten hatte, musste auf seiner 274 Stunden dauernden Reise ans Tageslicht achtmal wiederbelebt werden! Stundenlang war der Höhlenforscher ohne Bewusstsein. Das geht aus einem Vortrag seines Kameraden Thomas Matthalm hervor, der die Anwesenden fesselte.

Zu Beginn des Vortrags wurden Filmaufnahmen des Abstiegs in die 1148 Meter tiefe und mit über 19,2 Kilometern längste Schachthöhle Deutschlands gezeigt, dann der Unfall – und alles war nur noch dunkel. Anschließend wurde der Vortrag via Powerpoint gehalten, das Protokoll eines äußerst anstrengenden Aufstiegs.

Zuvor hatte Stefan Schneider, Einsatzleiter des Rettungseinsatzes, den Besuchern erläutert, mit welchen bis dahin nicht bekannten Anforderungen es die Höhlenretter und die Mannschaft von der Bergwacht zu tun bekommen hatten. Westhauser, der in Begleitung gekommen war, sagte deswegen anschließend zu Antenne Bayern: „Ich freue mich, dass ich noch lebe und hier sein kann, und es ist auch schön hier, wegen der Kameradschaft.“ Im Sommer, als es dem Verletzten schon wesentlich besser ging, hatte er noch angekündigt, er wolle wieder in die Höhle. Passagen seien noch zu erkunden. Nun aber distanziert er sich von dem Plan. Er sei noch nicht in der Verfassung, Höhlen zu erkunden.

Die Rettung aus dem Riesending – sie war an diesem Festabend das zentrale Thema. Das zeigten auch die Gäste. Sie spendeten 12.500 Euro für die an der Rettung beteiligten Bergwachtsbereitschaften.

Die Höhlenrettung

  • 8. Juni 2014, Pfingstsonntag: Höhlenforscher Johann Westhauser (52) steigt mit zwei Begleitern ins Riesending ab. Dort trifft ihn in 1000 Metern Tiefe ein Felsbrocken, der Forscher, wird schwer verletzt. Einer der Begleiter klettert nach oben und schlägt Alarm.
  • 9. Juni: Ein erstes Team erreicht den Verletzten.
  • 11. Juni: Ein Team mit einem Arzt dringt bis zu der Gruppe vor, später trifft ein zweiter Mediziner ein.
  • 13. Juni, Freitagabend: Um 17.28 Uhr macht sich das Rettungsteam mit Westhauser auf den Weg.
  • 15. Juni, Sonntag: Das Team mit Westhauser auf einer Trage hat übers Wochenende eine große Strecke in der Waagrechten zurückgelegt. Doch nun kommt der Aufstieg.
  • 16. bis 19. Juni: Die Kletterer kommen zunächst besser voran als erwartet. Dann werden Pausen eingelegt.
  • Fronleichnam um 11.44 Uhr: Westhauser erblickt das Tageslicht wieder.

Antonia Wille

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